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Franz Beckenbauer:Enge Bande nach Russland

Auch gerät ob der Aufregung über diverse offenbar anrüchige Maßnahmen der damaligen Katar-Bewerber in Vergessenheit, dass ein Kernstück der Ermittlungen auch die Vergabe der WM 2018 nach Russland ist, das unter Führung von Präsident Wladimir Putin im Weltsport eine immer zentralere Rolle einnimmt.

Und Beckenbauers Bande dorthin sind eng. Nur Monate nach seinem Rückzug aus dem Fifa-Vorstand stieg er als Sportbotschafter bei der Russian Gas Society (RGS) ein, deren wichtigstes Mitglied das staatlich kontrollierte Erdgasunternehmen Gazprom ist. Der einflussreiche russische Funktionär Wjatscheslaw Koloskow, viele Jahre Fifa-Vorstand, hatte nach der Wahl 2010 kundgetan, Putin selbst habe sich "mit mindestens einem Drittel" der Fifa-Vorstände getroffen. Daraus ergeben sich für die Ermittler automatisch Fragen.

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Offen ist auch, welche konkreten Folgen die Sperre hat, die sich laut Fifa-Auskunft auf "alle Aktivitäten" im Fußball bezieht. Also auch auf den Besuch von WM-Spielen und sogar auf den Besuch privater Spiele, wie Garcias Ethikkomitee weiter mitteilte. Beckenbauers Management geht davon aus, dass die Sperre mit dem Nachholen der Antworten "umgehend aufgehoben" wird. Auch dazu äußerte sich Garcia nicht.

Der Punkt ist heikel, denn obwohl sich Beckenbauer in den vergangenen Jahren aus diversen Funktionen zurückgezogen hat, haben viele seiner Aktivitäten weiter mit Fußball zu tun. In der Fifa selbst war er zuletzt Chef der "Task Force 2014" und übernahm nach Auflösung des Gremiums eine Beraterrolle. Daneben ist er noch für den FC Bayern aktiv, wo der Ehrenpräsident neuerdings als Markenbotschafter firmiert - dessen primäres Ziel es sein soll, den Klub auf dem internationalen Parkett gut zu vertreten. Unter anderem ist für den Sommer eine USA-Reise geplant, deren Delegation Beckenbauer anführen sollte.

Aktiv ist er auch abseits von Verbänden und Vereinen - etwa als Experte für den Fernsehsender Sky. Ein Sprecher des Kanals teilte nun mit, man habe keine Erkenntnisse, dass die Sperre Auswirkungen auf die Zusammenarbeit habe; Beckenbauers nächster Einsatz für den Sender sei zur neuen Bundesliga-Saison geplant. Die beginnt am vorletzten August-Wochenende, also in der Frist der 90-Tage-Sperre.

Gleiches gilt für die nächste Auflage des für Anfang September in Kitzbühel geplanten "Camp Beckenbauer". Im Vorjahr war dort Hochprominenz aus Sport und Wirtschaft zu Gast, von Fifa-Boss Blatter über Adidas-Vorstandschef Herbert Hainer bis zum heutigen IOC-Präsidenten Thomas Bach. Per Video zugeschaltet wurde übrigens auch Hassan al Thawadi aus Katar. Der Generalsekretär von Katars WM-Organisationskomitee deutete damals Spektakuläres an: Katar sei womöglich bereit, die WM in den Winter zu verlegen.