Frankreichs Fußball nach dem Terror:"Risiko, mit dem wir seit einigen Jahren leben"

Vor allem Jacques Lambert sind diese Fragen gestellt worden; der Landsmann und Vertraute des (derzeit suspendierten) Uefa-Präsidenten Michel Platini ist der Chef des EM-Organisationskomitees. Lambert war am Freitagabend nicht in Paris, er hat die Ereignisse wie Millionen Franzosen am Fernseher verfolgt.

Er sei "geschockt" gewesen vom Ausmaß und der Gleichzeitigkeit der Angriffe und natürlich von der hohen Zahl an Opfern, sagte er der Sporttageszeitung L'Équipe und der Nachrichtenagentur AFP. Aber Lambert hat zu viele Sicherheitsbesprechungen geleitet und zu viele Risikopapiere gelesen, als dass ihn solche Attentate "komplett überraschen" könnten. "Leider", sagte er, "ist das ein Risiko, mit dem wir seit einigen Jahren und speziell seit einigen Monaten leben."

Das Turnier abzusagen, ist sicher nur die allerletzte Option

Was man wiederum so verstehen darf, dass die dafür Zuständigen auch seit Jahren darüber nachdenken und jetzt nicht überrollt werden von den Ereignissen: "Seit der Bewerbungsphase", sagt Lambert, sei die Sicherheit schon "das Hauptthema", und jetzt komme natürlich alles noch einmal neu auf den Prüfstand.

In zehn Stadien soll im nächsten Sommer gespielt werden: außer im Stade de France und im Prinzenpark von Paris noch in Lille, Lens, Lyon, Saint-Etienne, Nizza, Toulouse, Marseille und Bordeaux. Die Sicherheitszonen um die Arenen werden größer sein als bei Liga- oder einzelnen Länderspielen, die Kontrollen schärfer, "und wenn das mit weniger freundlichen Mitteln geschehen muss - schade", sagt Lambert.

"Mir ist nur wichtig, dass die Leute wohlbehalten wieder nach Hause kommen." Auch der Schutz der 24 Teams werde "maximal sein". Aber damit ist Lamberts Zuständigkeitsbereich auch schon am Ende: "Was mich besorgt", sagt er, "ist die Sicherheit meines Landes, nicht der Veranstaltung, für die ich verantwortlich bin."

Für die Fanzonen in den Innenstädten müssen die Kommunen die Ordner suchen, schulen und bezahlen; das fanden einige Stadtverwaltungen schon vor den Ereignissen vom Freitag nicht so toll. Es ist von der Uefa aber so vorgeschrieben. Das wird jetzt wohl noch mal teurer, es hilft ja nichts. Denn das ganze Turnier abzusagen, ist sicher nur die allerletzte Option, "das hieße ja, denen Recht zu geben, die uns angreifen", sagt Jacques Lambert.

Also: weiterspielen! Dass sie am Dienstag in Wembley gegen England zum nächsten Test antreten werden, haben die Franzosen noch in der Nacht im Stadion entschieden. Jetzt erst recht - das ist auch eine Botschaft an die Nation.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB