Olympische Spiele:Untersuchung gegen Pariser Organisationschef

Olympische Spiele: Die nächste Ermittlung: Das Organisationskomitee der Pariser Sommerspiele um Präsident Tony Estanguet kommt nicht zur Ruhe.

Die nächste Ermittlung: Das Organisationskomitee der Pariser Sommerspiele um Präsident Tony Estanguet kommt nicht zur Ruhe.

(Foto: Christophe Ena/AP)

Der dreimalige Olympiasieger Tony Estanguet soll womöglich einen Trick angewendet haben, um mehr Gehalt zu beziehen. Das OK der Spiele ist "erstaunt" - und widerspricht.

Dem Organisationschef der Olympischen Sommerspiele in Paris, Tony Estanguet, droht weniger als ein halbes Jahr vor der Eröffnungsfeier offenbar juristischer Ärger. Wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine mit dem Fall vertraute Quelle berichtete, haben auf Finanzkriminalität spezialisierte Richter in der vergangenen Woche eine Untersuchung gegen den dreimaligen Kanuslalom-Olympiasieger eingeleitet.

Dabei soll geklärt werden, ob der 45-Jährige - wie ein Investigativportal im vergangenen Oktober bereits berichtet hatte - durch einen Trick die Gehaltsobergrenze umgangen haben soll, die für Wohltätigkeitsorganisationen mit demselben Status wie das Organisationskomitee (Cojop) gilt. Der Zeitung Le Canard Enchaine zufolge stellt Estanguet dem Organisationskomitee der Spiele monatlich über seine eigene Firma Rechnungen, anstatt ein Gehalt zu beziehen.

Mit Blick auf die Spiele wird bereits in drei weiteren Fällen ermittelt

Cojop zeigte sich am Dienstag auf AFP-Anfrage "erstaunt" über die Untersuchung, die von der Nationalen Finanzstaatsanwaltschaft (PNF) eingeleitet und der Pariser Kriminalpolizei anvertraut worden sei. Der Präsident des Organisationskomitees sei "kein Angestellter" von Cojop, seine Führungskräfte unterlägen keiner Gehaltsobergrenze. Dies sei in Einklang mit der steuerlichen Ausnahmeregelung, deren Bedingungen die Organisationsform des Cojop erfülle. Zwar habe das Komitee den Status einer gemeinnützigen Organisation, dessen Leiter nach dem Gesetz monatlich maximal 10 300 Euro verdienen dürfe. Das Pariser OK finanziere sich aber zu 96 Prozent aus kommerziellen Aktivitäten. Die Finanzbehörden hätten dem Komitee den kommerziellen Charakter seiner Tätigkeit bescheinigt.

Die französische Finanzstaatsanwaltschaft wollte der AFP "zum jetzigen Zeitpunkt nichts zur Existenz einer möglichen Voruntersuchung in Bezug auf der Vergütung von Tony Estanguet" mitteilen. Estanguet erhält laut den letzten offiziell veröffentlichten Zahlen aus dem Jahr 2018 ein Brutto-Jahresgehalt von 270 000 Euro mit möglichen Boni von weiteren 20 Prozent.

Paris hatte den Zuschlag für das Großevent im Jahr 2017 erhalten. Gegen das Organisationskomitee der anstehenden Olympischen (26. Juli bis 11. August) und Paralympischen Spiele (28. August bis 8. September) in Frankreichs Hauptstadt wird bereits in drei Fällen ermittelt, insbesondere wegen des Verdachts der Günstlingswirtschaft und der Veruntreuung öffentlicher Gelder bei der Auftragsvergabe.

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