Fußball-WM der Frauen "Meine Spielerinnen sind Heldinnen"

Melissa Borjas verwarnt Nigerias Chiamaka Nnadozie (l.) nach dem ersten Elfmeter.

(Foto: Stephane Mahe/Reuters)
  • Nigeria verliert bei der Fußball-WM der Frauen 0:1 gegen Frankreich - nach einem umstrittenen Elfmeter.
  • Die Niederlage könnte Nigeria den Einzug ins Achtelfinale kosten. Das stellt sich aber erst heraus, wenn alle Gruppen gespielt sind und sich zeigt, ob Nigeria mit drei Punkten zu den vier besten Gruppendritten gehört.
Von Ulrich Hartmann

Thomas Dennerby knallte seinen Kopfhörer auf den Tisch, dass es nur so schepperte. Zuvor hatte er wortkarg und zähneknirschend drei Fragen beantwortet. Es war die kürzeste Pressekonferenz dieser WM. Der Schwede, Trainer von Nigerias Fußballerinnen, war stinksauer. "Wenn ich meine ehrliche Meinung sage", schimpfte er, "dann schicken sie mich nach Hause - deshalb sage ich besser nichts." Das umstrittene 0:1 gegen Frankreich in Rennes könnte den Einzug ins Achtelfinale kosten. Das weiß man aber erst, wenn alle Gruppen gespielt sind und sich zeigt, ob Nigeria mit drei Punkten zu den vier besten Gruppendritten gehört.

Der erste Elfmeter geht an den Pfosten - und wird wiederholt

Die Niederlage war so bitter, weil sie durch einen fragwürdigen Elfmeter für Frankreich zustande kam, einen Elfmeter, der nach verschossenem erstem Versuch auch noch wiederholt wurde. Die Torhüterin Chiamaka Nnadozie hatte im entscheidenden Moment des Schusses mit ihren Füßen nicht mehr auf der Torlinie gestanden. Dies hatte aber erst der niederländische Video-Assistent Danny Makkelie mit einem Standbild festgestellt.

Die Französin Wendie Renard hatte den Elfmeter an den Außenpfosten geschossen, Nnadozie hatte sich also nicht einmal einen Vorteil verschafft. Außerdem zeigte ein anderes Standbild, dass drei Französinnen zu früh in den Strafraum gelaufen waren. Das störte den Video-Assistenten jedoch nicht. Den zweiten Elfmeter verwandelte Renard sicher.

Doch schon das Foul war fragwürdig gewesen. Ngozi Ebere und Viviane Asseyi hatten sich in der 73. Minute um den Ball bemüht, Asseyi war hingefallen, die Schiedsrichterin Melissa Borjas aus Honduras sah sich alles auf dem Monitor an. Sie gab Elfmeter und Ebere Gelb-Rot. "Die französische Mannschaft ist eigentlich gut genug, um ohne fremde Hilfe erfolgreich zu sein", schimpfte Dennerby.

Aus Frankreich wird in diesen Tagen Begeisterung vermittelt. Sie ist wichtig für den globalen Frauenfußball. Der in ausverkauften Stadien umjubelte Gastgeber führt das Stimmungsbarometer an. Dass den Nigerianerinnen nun ein Punkt fehlt, der sie sicher ins Achtelfinale gebracht hätte? Interessiert weniger. "Meine Spielerinnen sind Heldinnen", sagte Dennerby - während Frankreich weiter unbeirrt den Frauenfußball zelebriert. Die Wut eines Schweden und seines nigerianischen Teams wird das Glücksgefühl kaum schmälern.

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