Nations LeagueItalien stört Zidanes Rückkehr ins Stade de France

Lesezeit: 3 Min.

Passendes Heimdebüt: Im Stade de France gewann Zidane 1998 den WM-Titel, gegen Italien verabschiedete er sich 2006 mit einem ikonischen Kopfstoß von der Bühne.
Passendes Heimdebüt: Im Stade de France gewann Zidane 1998 den WM-Titel, gegen Italien verabschiedete er sich 2006 mit einem ikonischen Kopfstoß von der Bühne.
Franck Fife/AFP
  • Frankreich und Italien trennten sich in der Nations League im Stade de France 1:1, was die Sportzeitung L'Équipe als „ersten Rückschlag der Zidane-Ära" bezeichnete.
  • Michael Olise brachte Frankreich per Freistoß in Führung, ehe Alessandro Bastoni nach einem Fehler der Franzosen zum 1:1-Ausgleich traf.
  • Bayerns Dayot Upamecano sah in der 85. Minute die Gelb-Rote Karte, nachdem er, obwohl bereits verwarnt, Kean erneut gefoult hatte.
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Olise trifft traumhaft, Upamecano sieht Gelb-Rot – und Italien erkämpft sich verdient einen Punkt bei Zidanes Heimdebüt als französischer Nationaltrainer.

Von Stefan Galler

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Man hatte den Eindruck, die Schwere des Augenblicks sei auch für ihn zu viel. Wenige Minuten vor dem Spiel lehnte Zinédine Zidane an der Wand des Kabinentunnels im Stade de France, schweigend und mit starrem Blick. Es war ja auch nicht weniger als die Rückkehr an die Stätte seines größten Triumphs, hier hatte er 1998 Frankreich zum ersten Weltmeisterschaftstitel verholfen – mit zwei Treffern im Finale gegen Brasilien. Und nun ist er wieder im Dienst der Nationalmannschaft unterwegs, er soll sie nach der erfolgreichen Ära unter Didier Deschamps zu weiteren Erfolgen führen, der Druck ist gigantisch.

Es entbehrte nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet Italien der erste Heimgegner Frankreichs unter Zidanes Regie sein würde. Schließlich beendete die Squadra Azzura, namentlich ein gewisser Marco Materazzi, dereinst die glorreiche Spielerkarriere von „Zizou“, als er ihn im WM-Finale 2006 in Berlin derart provozierte, dass sich der große Meister zu einem Kopfstoß gegen den Oberkörper des Süditalieners hinreißen ließ.

Dass es am Ende nur zu einem 1:1 (0:0)-Unentschieden reichen würde im Nations-League-Duell mit dem vierfachen Weltmeister, der zuletzt durch so tiefe Täler hatte gehen müssen, war in der Summe enttäuschend – die Sportzeitung L’Équipe schrieb sogleich vom „ersten Rückschlag der Zidane-Ära“, während der Coach seinem Team, das ohne den verletzten Kylian Mbappé auskommen musste, überhaupt keinen Vorwurf machte, sich mit der Leistung zufrieden zeigte, allerdings „nicht mit dem Ergebnis, denn ich denke, wir hätten mehr verdient gehabt“.

Dass es nicht mehr wurde, lag insbesondere am Gegner. Der zurückgekehrte Übungsleiter Roberto Mancini, mit dem Italien 2021 Europameister geworden war, schafft es mehr und mehr, seiner gebeutelten Mannschaft nach nunmehr drei verpassten WM-Endrunden nacheinander das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurückzugeben. Abwehrspieler Alessandro Bastoni hatte es schon in der Pressekonferenz vor der Partie auf den Punkt gebracht: „In Italien sind wir sehr gut darin, uns selbst zu bemitleiden und auf die negativen Dinge hinzuweisen, die wir tun“, sagte der 27-Jährige von Inter Mailand. „Stattdessen müssen wir auch anfangen, uns selbst zu sagen, dass wir gut sind, denn wenn man es ausspricht, glaubt man es auch.“

Womöglich hatte es vor dem Spiel in der Kabine der Italiener ein munteres Stimmengewirr gegeben, sie spielten jedenfalls so, als hätte sich jeder Einzelne dieses Credo eingeschärft. Und so stemmten sie sich den entfesselt kombinierenden Franzosen entgegen, gaben den euphorisch anlaufenden Gastgebern keinerlei Räume und gingen keinem Zweikampf aus dem Weg. „Wir wussten, dass es vor allem zu Beginn ein schwieriges Spiel werden würde, aber wir haben das sehr gut gemacht“, sagte Trainer Mancini nach dem Spiel und registrierte mit Wohlwollen „einen positiven Abend“.

Ein Kunstwerk von einem Tor: Michael Olise (links), hier gegen Italiens Nicolo Fagioli, brachte Frankreich gegen Italien per Freistoß in Führung.
Ein Kunstwerk von einem Tor: Michael Olise (links), hier gegen Italiens Nicolo Fagioli, brachte Frankreich gegen Italien per Freistoß in Führung.
Franck Fife/AFP

Dabei war sein Team vor der Pause sogar trotz der spielerischen Überlegenheit der Franzosen ein ums andere Mal näher am Führungstor, etwa als der freistehende Moise Kean die Kugel nicht an Torwart Mike Maignan vorbeibrachte (9. Minute) oder als der junge Verteidiger Jérémy Jacquet einen Versuch von Davide Frattesi gerade noch ein paar Zentimeter neben das eigene Tor abfälschen konnte (41.).

Den Einschlag von Olises Freistoß kann auch der ansonsten überragende Donnarumma nicht verhindern

„Uns fehlte die Durchschlagskraft im letzten Drittel. Wir haben die engen Räume nicht genutzt“, klagte Zidane später. „Das haben wir zu Beginn der zweiten Halbzeit sehr gut gemacht, als wir sie unter Druck gesetzt haben.“ In dieser Phase fiel dann auch das 1:0, weil zunächst Rayan Cherki von Nicolo Fagioli nur per Trikotzupfer gestoppt werden konnte und dann Michael Olise den fälligen Freistoß perfekt über die Mauer an die Unterkante der Latte setzte – ein traumhafter Treffer des Angreifers vom FC Bayern, den auch der ansonsten überragende Torwart Gianluigi Donnarumma nicht verhindern konnte (55.).

Doch die Italiener waren nicht gewillt, sich ihrem Schicksal zu ergeben. Fortan waren sie es, die vorne anliefen, sogar Verteidiger Bastoni wirkte mit und profitierte von einem schlampigen Pass, den Adrien Rabiot Richtung Lucas Da Cunha spielte und den der Spieler aus Como nicht gut annahm. Bastoni luchste ihm den Ball ab, ging entschlossen in den Strafraum und ließ Maignan keine Abwehrchance – 1:1 (68.). Gegen Ende wäre sogar noch mehr drin gewesen, weil sich der bereits verwarnte Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano zu einem weiteren Foul an Kean hinreißen ließ und die Ampelkarte sah (85.).

Aufsteigender Ast: Roberto Mancinis Italiener treten nach den jüngsten Rückschlägen wieder deutlich selbstbewusster auf.
Aufsteigender Ast: Roberto Mancinis Italiener treten nach den jüngsten Rückschlägen wieder deutlich selbstbewusster auf.
Franck Five/AFP

Letztlich ging das Remis in Ordnung, auch wenn Zidane noch ein bisschen lamentierte: „Wir hätten so gerne für unsere Fans gewonnen.“ Immerhin wäre er im Erfolgsfall erst der dritte Nationaltrainer der Franzosen nach Henri Michel 1984 und Aimé Jacquet 1993 gewesen, dem zum Start in die Amtszeit drei Siege gelungen wären. Aber grundsätzlich sei er „sehr gerührt und überglücklich“ über seine Rückkehr ins Stade de France gewesen.

Dagegen konnten die Gäste vorbehaltlos frohlocken: „Das ist das wahre Italien!“, schrieb die Gazzetta dello Sport anlässlich der ansteigenden Formkurve nach dem ernüchternden 0:2 gegen Belgien und dem folgenden 4:1-Sieg in der Türkei in den vorhergehenden Nations-League-Partien. Die Euphorie kennt jedenfalls nicht nur bei der Gazzetta keine Grenzen. Dort war zu lesen: „Die neue Squadra Azzurra zeigt, dass sie mit Zidanes Bleus Schritt halten kann.“

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