bedeckt München 21°
vgwortpixel

Frankreich gegen Irland:Griezmann erlöst verletzliche Franzosen

Der Retter: Antoine Griezmann.

(Foto: AFP)

Die Marseillaise war gerade erst verklungen, nun zählten die Zuschauer im Grand Stade von Lyon den Countdown herunter. Der Countdown ist eine neue Erfindung der Uefa bei dieser Fußball-EM, er soll einen nur mäßig spektakulären Verwaltungsakt wie den Pfiff des Schiedsrichters beim Anstoß emotional aufladen. Aber dann begann dieses Viertelfinale zwischen Frankreich und Irland damit, dass der Schiedsrichter Nicola Rizzoli den Anstoß wiederholen ließ. Irgendwer hatte sich zu früh in die gegnerische Hälfte aufgemacht.

Wenn alle aus voller Kehle "drei, zwei, eins, null" brüllen, aber dann geht es nicht los, sondern wird erst mal umständlich - dann ist plötzlich auf seltsame Weise die Spannung raus. Damit stand der kuriose Anfang exemplarisch für das ganze Spiel.

Die Spannung war erst mal raus aus Sicht der Gastgeber. Dafür kroch eine extreme Anspannung unter ihre Trikots. Die Iren gingen früh in Führung, ein Scheitern der Bleus im Achtelfinale stand plötzlich im Raum. Dann kam Antoine Griezmann. Der Stürmer von Atlético Madrid erzielte zwei Tore binnen drei Minuten, die Franzosen gewannen noch 2:1 (0:1) - und treffen im Viertelfinale auf England oder Island.

Griezmann sagte: "Ich weiß, was ich drauf habe und wenn es zählt, bin ich da."

Frankreich wirkt sehr verletzlich

Die Elf von Didier Deschamps bestätigte aber auch den Eindruck, den sie von Anfang an hinterlassen hat bei ihrer Heim-EM: Den Eindruck einer hoch engagierten, aber auch sehr verletzlichen Elf, für die dieses Turnier noch lange dauern, aber auch jederzeit vorbei sein kann.

Fußball-EM EM 2016 Spielplan
Termine der Fußball-EM in Frankreich

EM 2016 Spielplan

Vom Eröffnungsspiel am 10. Juni bis zum Finale am 10. Juli 2016: Der Spielplan mit allen Begegnungen, Spielorten und Anstoßzeiten der Europameisterschaft in Frankreich.

Der Italiener Rizzoli stand besonders im Fokus dieser Partie. Auf keinen Fall durfte ihm so ein Fehler unterlaufen wie dem Schweden Martin Hansson beim vorerst letzten Aufeinandertreffen von Iren und Franzosen 2009. Damals hatte Hansson ein Handspiel von Thierry Henry übersehen - der darauffolgende Treffer, der die Franzosen statt der Iren zur WM 2010 brachte, ist bis heute einer der berühmtesten Irrtümer der Fußball-Geschichte.

Die Grundierung war also eine besondere, die Iren sannen auf Revanche, selbst wenn sie das so explizit nicht zugegeben hatten. Und der immer sehr ungestüme Paul Pogba brachte sie schon früh in die Position, die Revanche für zum Greifen nahe zu halten. Keine zwei Minuten waren gespielt, da rannte Pogba im eigenen Strafraum Shane Long in die Hacken. Robbie Brady verwandelte den fälligen Strafstoß - nach einer Minute und 59 Sekunden. Der Treffer wird nun als zweitschnellstes Tor der EM-Geschichte geführt; nach dem 1:0 des Russen Dmitri Kiritschenko gegen Griechenland (67 Sekunden) im Jahr 2004.