Frankfurts Sieg im DFB-Pokal Mit Herz und Härte

Alexander Meier (mit Pokal), der nicht im Kader stand, und seine Frankfurter Mitspieler feiern den Sieg im DFB-Pokal.

(Foto: dpa)
  • Eintracht Frankfurt gewinnt den DFB-Pokal 2018.
  • Im Finale setzen sich die Frankfurter mit 3:1 (1:0) gegen den FC Bayern durch.
  • Ante Rebic trifft doppelt für die Eintracht, Robert Lewandowski schießt das Tor für die Münchner. Mijat Gacinovic trifft spät zum Endstand.
Von Maik Rosner, Berlin

Jupp Heynckes zog die Hände aus den Hosentaschen, er deutete und gestikulierte, um seine Mannschaft des FC Bayern noch einmal zu ordnen und nach vorne zu treiben. Doch bald darauf war sein letztes Spiel seiner Karriere mit einer Enttäuschung beendet. Durch das 3:1 (1:0) gewannen Eintracht Frankfurt und sein Nachfolger Niko Kovac den Pokal. Für den 46 Jahre alten Kroaten war es in seinem letzten Spiel für seinen aktuellen Klub der erste Titel als Cheftrainer. Dem FC Bayern und Heynckes, 73, bleibt dagegen nur der Meistertitel.

Ante Rebic hatte das entscheidende 2:1 in der 82. Minute erzielt, nachdem er die Frankfurter in der 11. Minute bereits in Führung gebracht hatte. Robert Lewandowski glich danach zwar aus (53.), doch zum ersten Double in Heynckes' Karriere reichte es auch deshalb nicht, weil seine Mannschaft lange Zeit eher schwerfällig und zudem wenig effektiv agiert hatte. Mijat Gacinovic traf in der Nachspielzeit noch zum 3:1-Endstand.

"Ein Kompliment an diese Mannschaft", sagte Mittelfeldspieler Kevin-Prince Boateng hinterher: "Alle haben gesagt, dass wir aus dem Stadion geschossen werden. Aber wir haben Herz gezeigt und die Bayern aus dem Stadion geschossen." Als die Frankfurter hinterher den Pokal entgegennahmen, waren fast alle Bayern-Spieler schon in der Kabine. Nur Manuel Neuer applaudierte auf dem Feld. Jupp Heynckes erklärte das später in der ARD so: "Da muss ich ganz ehrlich zugeben, dass in dem Moment die Spieler und ich sicher nicht dran gedacht haben", sagte er und fügte an: "Ich möchte das nachholen und Eintracht Frankfurt zum Pokalsieg gratulieren. Die Eintracht ist ein würdiger Pokalsieger." Joshua Kimmich meinte: "Wenn es respektlos rübergekommen ist, tut es mir leid. Das war nicht unsere Absicht. Da war viel Enttäuschung dabei." Und Mats Hummels sagte: "Das hat wenig mit fehlendem Respekt zu tun. Ich kenne gar nicht den Knigge, wie man sich da verhält."

Ein Tor, das an Bayerns 1:4 gegen Stuttgart erinnerte

Begonnen hatte das Spiel der Münchner bereits im Stil der 1:4-Heimniederlage gegen den VfB Stuttgart vor einer Woche. Innenverteidiger Mats Hummels leistete sich gleich einen Pass in den völlig freien Raum neben der Seitenauslinie. Und auch danach zeigten sich die Frankfurter konzentrierter, bissiger und durchaus auf Offensivaktionen bedacht. Fünf Minuten brauchten die Münchner, um in diesem Spiel überhaupt anzukommen und die Kontrolle zu übernehmen.

Und das, obwohl sie mit ihrer bestmöglichen Elf in dieses 75. Pokalfinale gegangen waren. Also im Tor mit Sven Ulreich, der wie angekündigt spielte, während Manuel Neuer erstmals seit seinem wiederholten Mittelfußbruch im September im Kader stand. Abgesehen von den verletzten Jérôme Boateng, Arturo Vidal und Arjen Robben spielte aber die erste Elf aus weiten Teilen der Saison. Doch wie der klare Favorit traten die Münchner auch nach der unsortierten Anfangsphase nicht auf.

Die erste nennenswerte Torchance hatten sie zwar, allerdings nicht dank spielerischer Mittel, sondern durch einen Standard. Robert Lewandowski schoss einen direkten Freistoß aus rund 20 Metern an die Latte. Das erste Tor des Abends jedoch erzielten die Frankfurter, und sie profitierten dabei auch von einer Szene, die wie ein Beleg für jenen Eindruck daher kam, dass die Münchner seit dem Aus im Halbfinale der Champions League gegen Real Madrid innerlich mit der Saison schon ziemlich abgeschlossen haben.

James Rodríguez leistete sich einen vermeidbaren Ballverlust im Mittelfeld gegen Rebic, der Ball sprang zu Kevin-Prince Boateng, und der wie sein Trainer in Berlin-Wedding aufgewachsene Mittelfeldspieler schickte Rebic, der kühl an Ulreich vorbei zur Führung der Eintracht einschob. Es war ein Tor, das ebenfalls an die messerscharfen und geradlinigen Konter der Stuttgarter vor einer Woche erinnerte. Und eines, das dem Spiel jene spannende Versuchsanordnung verlieh, die angesichts der Übermacht der Bayern in der Bundesliga eher nicht erwartet worden war.

Nun mussten die Münchner ihre Offensivbemühungen forcieren und dadurch mehr ins Risiko gehen, während die Frankfurter abwarten und weitere Konter inszenieren konnten. Beides war auch zu bestaunen, und zumindest Mitte der ersten Halbzeit näherten sich die Bayern drei Mal recht gefährlich dem Tor von Lukas Hradecky. Zunächst durch Thomas Müllers Kopf- und Schulterball, dann durch Joshua Kimmich, der eine Flanke von Müller über die Stirn wischen ließ, statt sie in Richtung Tor zu drücken. Und schließlich nach einem Konter, an dessen Ende Franck Ribéry Lewandowski freispielte, der Pole den Ball aber nicht nur an Hradecky, sondern auch am Tor vorbeilupfte.

Schiedsrichter Zwayer entscheidet nach Videobeweis gegen einen Elfmeter

Allerdings machten es die Frankfurter bei ihren schnellen Gegenzügen auch nicht besser und verpassten kurz vor der Pause das 0:2, nachdem Rebic Niklas Süle lässig ausgewackelt hatte, dann aber mit seinem schlecht dosierten Querpass im Strafraum vor allem seinen Mitspieler Jonathan de Guzman überraschte, nicht aber die Münchner. Und weil Frankfurts Marius Wolf eine weitere Kopfballchance verstreichen ließ, durfte zur Pause eine durchaus verdiente Führung der extrem engagierten Frankfurter bilanziert werden.

Mit Verzögerung begann die zweite Halbzeit, weil in beiden Fankurven Bengalos abgebrannt wurden. Wie schon zu Beginn der ersten Halbzeit gerieten die Aktionen der Bayern dann eher schleppend. Dennoch hatten sie, eine weitere Parallele, die erste Großchance nach acht Minuten, und diese nutzte Lewandowski diesmal. Süles Vorstoß samt Schnittstellenpass auf Kimmich legte dieser von der Grundlinie zurück, Lewandowski schob ein. Und auch im Anschluss blieben die Bayern gefährlich, doch sowohl Lewandowski, der knapp daneben schoss, als auch Hummels, der an die Latte köpfelte, hatten kein Glück. Und so traf wiederum Rebic zur Führung.

Für Aufregung sorgte noch eine Aktion in der Nachspielzeit, Javi Martinez war im Strafraum im Zweikampf mit Boateng gefallen. Schiedsrichter Zwayer entschied sich aber auch nach Videobeweis gegen einen Elfmeter. "Es ist ganz klar: Im Sechzehner haut er ihm die Füße weg. Für mich ist das ein ganz klarer Elfmeter", fand hingegen Bayerns Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Doch er räumte auch ein: "Wir hätten die Tore machen müssen. Frankfurt hat versucht, unser Spiel zu zerstören und dann zu kontern."

DFB-Pokal Martínez fällt in der 95. Minute Bilder

FC Bayern in der Einzelkritik

Martínez fällt in der 95. Minute

Aber Schiedsrichter Zwayer gibt keinen Elfmeter. Thiago nimmt seinem Trainer die Auswechslung sichtlich krumm. Müller versucht viel, bewirkt aber wenig. James unterläuft ein grober Fehler. Der FC Bayern in der Einzelkritik.