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Frankfurter Niederlage:Schreck, lass nach!

v.li., Stefan Ilsanker (Eintracht Frankfurt), Torwart Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt), Sebastian Rode (Eintracht Frank

Nicht ganz auf der Höhe des Geschehens: Frankfurts Abwehr um Torwart Kevin Trapp.

(Foto: Weis/TEAM2/imago)

Mönchengladbach fängt sich nach seiner kapitalen Krise und überrollt Frankfurt mit 4:0. Der zur Borussia abwandernde Eintracht-Trainer Adi Hütter reagiert sichtlich genervt.

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Ein Zusammenhang zwischen dem angekündigten Abschied eines Trainers und dem zeitnahen Einbruch seiner Mannschaft ist: "brutaler Quatsch!" So hat das neulich trotz sieben Niederlagen in Serie Borussia Mönchengladbachs Mittelfeldspieler Christoph Kramer formuliert. Nachvollziehbar begründen konnte er Gladbachs kapitale Krise abseits des angekündigten Abschieds vom Trainer Marco Rose zu Borussia Dortmund allerdings auch nicht. Und so bleibt sein brachiales Urteil fragwürdig.

Kramers Gladbacher, die sich mittlerweile wieder gefangen haben, besiegten am Samstag Eintracht Frankfurt mit 4:0. Die Frankfurter hatten in jüngster Zeit 2:1 gegen Bayern München, 2:1 bei Borussia Dortmund und 4:3 gegen den VfL Wolfsburg gewonnen, sie hatten seit Oktober kein Spiel mehr ohne eigenen Treffer beendet, als vergangenen Dienstag ihr Trainer Adi Hütter mitteilte, dass er im Sommer nach Mönchengladbach wechselt. Vier Tage später schoss seine Mannschaft in Mönchengladbach nicht nur kein einziges Tor, sondern holte sich auch noch eine veritable Klatsche ab. Die Frage, ob es da einen Zusammenhang geben könnte zwischen seinem angekündigten Abschied und dieser Leistung, tat Hütter zwar nicht als brutalen Quatsch ab, er sagte aber genervt: "Wenn man in Mönchengladbach nicht verlieren darf, dann verstehe ich die Welt nicht mehr."

Als der Trainer Steffen Baumgart kürzlich seinen Abschied beim SC Paderborn zum Saisonende ankündigte, gewann seine Mannschaft zwei Tage später 3:0 gegen den Zweitliga-Tabellenführer VfL Bochum. Trotzdem: Bei den Gladbachern unlängst und auch jetzt bei den Frankfurtern war ein gewisser Schreck in den Gliedern schon zu erkennen. So ein Schreck macht sich nicht in der Seriosität des Auftritts oder bei den einstudierten Abläufen bemerkbar - aber beim Mut und bei der Inspiration. Dieser entscheidende Funke hat auch den Frankfurtern am Samstag gefehlt. "Heute kam einiges zusammen", analysierte hinterher der Mittelfeldspieler Sebastian Rode, war sich aber einer Sache sicher: "Es wäre zu einfach, es am Trainer festzumachen." Auch der Torwart Kevin Trapp beschied kategorisch: "Das hat nichts damit zu tun, dass hier irgendwer weggeht."

"Wir müssen am Dienstag gegen Augsburg eine Reaktion zeigen", fordert Hütter

Und doch scheint sich eine plötzliche Ungewissheit über relevante Führungspositionen und damit über die künftige Atmosphäre in einem Kader vorübergehend auch auf das Selbstvertrauen der Spieler auf dem Platz auszuwirken. Und sei es nur unterschwellig. Bei den Gladbachern hat man gut erkennen können, dass sie ein paar Wochen gebraucht haben, um sich wieder zu fangen. Ihr erstes gutes Spiel seit dem angekündigten Abschied von Rose zeigten sie vermutlich nicht ganz zufällig jetzt am Samstag in jener Partie, in der sie erstmals wussten, wer in der nächsten Saison ihr neuer Trainer wird.

Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt

Und, was machst du so in der kommenden Saison? Die Trainer Adi Hütter (noch Frankfurt) und Marco Rose (noch Mönchengladbach) vor dem Anpfiff der Partie. Danach war Hütter das Lächeln vergangen.

(Foto: Marius Becker/dpa)

Die Frankfurter können sich sieben Niederlagen nacheinander zur Trauerbewältigung allerdings nicht leisten. Sie wollen in die Champions League und haben nur noch fünf Spiele. "Wenn das heute das Problem war", sagte nach dem 0:4 der ebenfalls scheidende Sportvorstand Fredi Bobic über die Trainerfrage, "dann ist am Dienstag wieder alles gut." Am Dienstag spielen die Frankfurter gegen den FC Augsburg.

Eine zusätzliche Herausforderung für die Eintracht ist, dass sie vor zwei Jahren, in der ersten Saison unter Hütter, schon einmal in der finalen Saisonphase die Champions-League-Qualifikation verspielt hat. Damals waren die Hessen sechs Spieltage vor dem Saisonende mit vier Punkten Vorsprung Vierter. Dann verloren sie daheim gegen Augsburg, spielten anschließend zwei Mal unentschieden, verloren die letzten drei Spiele auch noch und waren am Ende bloß noch Siebter.

"Wir müssen am Dienstag gegen Augsburg eine Reaktion zeigen", fordert Hütter streng. Er sei jetzt "noch hungriger darauf, mit dieser Mannschaft etwas Historisches zu schaffen", hatte er schon vor dem Spiel in Mönchengladbach gesagt. Hütter würde sich gerne mit einem Präsent verabschieden. Er würde Eintracht Frankfurt gerne erstmals die Champions-League-Teilnahme schenken. Dort hat der Klub noch nie mitspielen dürfen.

Die Champions League und die nun auch verbrieften 7,5 Millionen Euro Ablöse von Borussia Mönchengladbach wären eine tröstliche Entschädigung für Hütters Weggang. Warum er allerdings auf die mögliche Champions League mit Frankfurt verzichtet und zur allenfalls noch für die Europa League qualifizierbaren Borussia nach Mönchengladbach wechselt, hat Hütter in den vergangenen Tagen auf mehrfache Fragen nicht beantworten wollen. "Diese Entscheidung muss nur ich verstehen", hat er gesagt, "aber es gibt gute Argumente." Darüber sprechen wolle er aber erst nach der Saison. Bis dahin setzt er seine ganze Kraft in die Eintracht. Die Herausforderung ist jetzt umso gewaltiger.

© SZ/klef
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