Frankfurter 1:0-Erfolg - Erlöser aus dem Wedding

Der umstrittene Winter-Zugang Änis Ben-Hatira sichert Eintracht Frankfurt einen überlebenswichtigen Sieg im Kellerduell.

Von Frank Hellmann, Frankfurt

Ist das der dringend nötige Akt der Versöhnung, auf den Eintracht Frankfurt so lange gewartet hat? Lange hat es nicht mehr solch einen frenetischen Applaus gegeben, den die Akteure mit dem Adler auf der Brust nach dem Kellerduell gegen Hannover 96 empfangen haben. Dank eines 1:0 (1:0)-Sieges stellten die Hessen wieder den Anschluss an die Mitkonkurrenten her, fielen gleichwohl wegen des Erfolgs der TSG Hoffenheim trotzdem auf einen direkten Abstiegsplatz zurück. Für Trainer Niko Kovac war das nach einem erfolgreichen Heimdebüt ein zu vernachlässigendes Detail. "Der Erfolg macht das Arbeiten sehr viel einfacher. Wir haben von der ersten Minute an den nötigen Willen gezeigt, um die Zuschauer hinter uns zu bringen."

Ein Tor von Winter-Zugang Änis Ben-Hatira (33.) entschied eine spielerisch weitgehend armselige Bundesliga-Begegnung. Kovac hatte bereits unter der Woche angedeutet, dass der bei Hertha BSC im Unfrieden geschiedene und in Frankfurt bislang meist auf der Tribüne sitzende Flügelflitzer spielen werde. "Er hat im Training Gas gegeben. Und er ist wie ich einer aus dem Wedding", sagte der in Berlin geboren Kroate.

Das entscheidende Tor ist ein bolzplatzartiger Treffer

Dass das Bauchgefühl im Fall Ben-Hatira nicht ganz falsch war, zeigte sich beim entscheidenden Treffer. Instinktiv ergriff der 27-Jährige nach einem am Torraum abgewehrten Ball die Initiative und schob die Kugel aus sehr spitzem Winkel beinahe von der Torlinie aus an dem nicht gut postierten Torwart Ron-Robert Zieler vorbei zum 1:0 in die kurze Ecke. Ein Tor wie auf einem Berliner Bolzplatz. "Änis hatte hinterher noch bessere Chancen, aber wenn er die schwierigste nutzt, ist mir das auch Recht", befand Kovac. Der Matchwinner sagte: "Dieser Sieg war für die Mannschaft. Mit dem neuen Trainer hatte ich vom ersten Tag an gute Gespräche."

Ein Tor, das man gar nicht machen kann: Frankfurts Änis Ben-Hatira (hinten) erzielt das 1:0 gegen Hannover praktisch entlang der Torauslinie.

(Foto: Simon Hofmann/Getty Images)

Hinterher zeigten sich die Frankfurter erleichtert. "Das war ein ganz wichtiger Erfolg für uns. Wir mussten dieses Spiel unbedingt gewinnen", sagte der kämpferisch starke Rechtsaußen Stefan Aigner, der herausstrich, dass "einer für den anderen marschiert ist." Ob Kovac nun wirklich in der Mainmetropole die Wende einleiten wird, bleibt abzuwarten. Nach der Länderspielpause steht zunächst einmal die fast unlösbare Auswärtsaufgabe beim FC Bayern an.

Für Hannover scheint dagegen der Abstieg nach der neunten Niederlage im zehnten Spiel unter Thomas Schaaf und nunmehr zehn Punkten Rückstand zum rettenden Ufer kaum mehr abzuwenden. "Wir kriegen wieder ein Tor, das nicht fallen darf. Wir schaffen es auch nicht, Chancen herauszuspielen, die wir dann mal nutzen", kritisierte der 96-Coach. Der 54-Jährige wirkte gereizt und genervt - Fragen zur Fortsetzung seiner Tätigkeit in der ausweglosen Situation wiegelte er ab. "Dazu gibt es von mir keine Antwort."

Immerhin: Niko Kovac macht mehr richtig als falsch

Der einst beim SV Werder so erfolgreich arbeitende Fußballlehrer scheint zu spüren, dass er an diesem Standort an seine Grenzen kommt. Fakt ist, dass seine Maßnahmen "nicht greifen", wie Sportvorstand Martin Bader richtig feststellt. Schaaf hatte am Freitag gleich fünf Spieler aus seinem Kader geworfen: Salif Sané, Andre Hoffmann, Manuel Schmiedebach, Felix Klaus und Marius Wolf traten die Reise ins Hessenland erst gar nicht an. Kapitän Zieler ("Der Trainer probiert viel, wir müssen das akzeptieren") schien nicht vollumfänglich hinter diesen Maßnahmen zu stehen.

Schema & Statistik

Alle Daten und Fakten zum Spiel stehen hier.

Dagegen hatte Bundesliga-Neueinsteiger Kovac mit seinen umfangreichen Umbaumaßnahmen unter dem Strich mehr richtig als falsch gemacht. Der 44-Jährige hatte mit Bastian Oczipka, Marco Fabian, David Abraham und Makoto Hasebe vier unter Vorgänger Armin Veh fast schon unantastbare Stammspieler auf die Bank beordert, um neue Reize zu setzen. Lange lief jedoch auch in seinem Team nicht viel zusammen: Sobald der Ball in die Spitze gespielt werden sollte, bestimmten Unzulänglichkeiten das Geschehen.

Erst in der zweiten Halbzeit stieg der Unterhaltungswert - wenn auch in überschaubarem Maße. Als der Frankfurter Stürmer Haris Seferovic allein aufs 96-Tor zusteuerte, wäre eigentlich der 50. Gegentreffer für den Tabellenletzten fällig gewesen, doch der Schweizer verstolperte fahrlässig (48.). Auf kuriose Art und Weise vergab Ben-Hatira noch zwei erstklassige Gelegenheiten zum zweiten Eintracht-Treffer (66. und 71.). Das hätte sich sogar noch rächen können, doch als Hugo Almeida den Ball per Kopf ins Tor beförderte, entschied Schiedsrichter Wolfgang Stark zu Recht auf Abseits (83.). Sein Schlusspfiff ging im Frankfurter Jubelsturm unter.