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Frankfurt-Trainer Armin Veh:Selbstgespräche des coolen Cowboys

Eintracht Frankfurt v VfB Stuttgart - Bundesliga

Noch kein klares Bekenntnis für die Eintracht: Frankfurt-Trainer Armin Veh.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Schalke oder Frankfurt? Wo wird Armin Veh zukünftig arbeiten? Das anhaltende Zögern des Trainers sorgt bei Eintracht Frankfurt langsam für Verdruss - behalten würden sie ihren Coach trotzdem gerne. Wie sich Veh auch entscheidet: Er sollte sich bald festlegen.

Von Christof Kneer

Am Montagmorgen haben sie miteinander eine schnelle Zigarette geraucht, aber zur Wahrheitsfindung hat auch das nicht beigetragen. Armin Veh und Heribert Bruchhagen haben kurz übers Spiel vom Vortag geplaudert, über die 1:2-Niederlage der Frankfurter gegen den VfB Stuttgart. Sie waren ausgesprochen einig, sie waren beide der Meinung, dass es nicht die schlaueste Idee des Spielers Schwegler war, den Stuttgarter Boka so zu foulen, dass der Schiedsrichter einen Strafstoß gegen die Eintracht verhängen musste.

"Wenn Boka über rechts kommt, muss man überhaupt nicht grätschen, der hat doch bloß einen linken Fuß", brummte Veh. Er kennt diesen Boka ziemlich gut, er ist mit ihm 2007 Meister geworden. Armin Veh kennt viele Spieler ziemlich gut, das liegt daran, dass er schon 22 Jahre im Geschäft ist, was er seit 22 Jahren mit wechselnden Jahresangaben betont. Er hat noch nicht so viele Erstligisten durch wie der Kollege Magath, aber immerhin, er war schon in Rostock, Stuttgart, Wolfsburg, Hamburg, Frankfurt . . . - und Schalke?

Ob Veh sich schon entschieden habe, in Frankfurt zu verlängern oder, was allgemein erwartet wird, zu Schalke 04 überzuläufen? "Kann ich seriös auch nicht einschätzen", sagt Heribert Bruchhagen, der Vorstandschef der Eintracht. Er ist eine der Hauptfiguren in dieser schrägen Trainerstory, die das Publikum mit lustigen Widersprüchen unterhält.

Einerseits lassen die Frankfurter keine Gelegenheit aus, in aller Öffentlichkeit ihren "dringlichen Wunsch" nach einer Vertragsverlängerung zu hinterlegen, wie Bruchhagen sagt: "Wir wollen den Trainer unbedingt behalten." Andererseits sind sie doch etwas verstimmt, dass ihr Wunschtrainer sie immer so vor sich her treibt. Dass er in bewährtem Armin-Veh-Style stündlich neue Spieler fordert, und dass er - wenn er sie bekommt - irgendwie trotzdem nicht zufrieden ist.

"Manchmal fehlt mir etwas das Verständnis für seine Gedankengänge", sagt Bruchhagen. "In Wolfsburg und Hamburg hat es Armin aus verschiedenen Gründen nicht gefallen, diese Faktoren gibt es hier alle nicht. Und wenn es immer heißt, wir sollten ihm Perspektiven aufzeigen: Das haben wir doch gemacht. Armin hat in den zwei Jahren hier 30 Spieler geholt, und wir haben 16 Millionen mehr ausgegeben als eingenommen" - was natürlich auch an dem Jahr in der zweiten Liga lag, das weitgehend unter Erstliga-Konditionen bestritten wurde.

"Irgendwann kommt der Punkt, wo man als Klub sagen muss: Jetzt geht's nicht mehr. Wenn Sportjournalisten immer ,eine Vision' fordern, heißt das ja nichts anderes als: Schulden machen."

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