Stürmer der Eintracht Frankfurts magisches Dreieck

Die Bundesliga hat ein neues "magisches Dreieck": die Frankfurter Sebastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic (von links).

(Foto: Jan Huebner/Imago)
  • Eintracht Frankfurt hat den Franzosen Sébastien Haller, den Kroaten Ante Rebic und den Serben Luka Jovic im Kader - drei Stürmer, die von den 23 Bundesligatoren 18 erzielt haben.
  • Sportvorstand Fredi Bobic, einst Teil des legendären Magischen Dreiecks beim VfB Stuttgart, hat nun selbst ein Mini-Dreieck in Frankfurt gebaut, auch wenn er solche historischen Überhöhungen selbstverständlich nicht sehr mag.
  • Um 18.30 Uhr trifft Frankfurt auf Schalke, den Liveticker finden Sie hier.
Von Christof Kneer

Fünf Tore hat Luka Jovic kürzlich beim 7:1-Sieg der Frankfurter Eintracht gegen Fortuna Düsseldorf erzielt, er traf in der 27., der 34., der 55., der 69. und der 72. Minute. Später, in der Mannschaftskabine, hat er dann auf einen weiteres Erfolgserlebnis gehofft, er hätte sich in diesem Fall sogar mit einem Assist begnügt. Es war ja auch wirklich eine schöne Vorlage, die er da im Kabinengang rüberschob: Und, wie war ich?, fragte Jovic den Sportvorstand Fredi Bobic. Der ehemalige Stürmer ließ diese Vorlage so trocken ungenutzt, wie er die Vorlagen früher als Profi nutzte: Warum schießt du heute fünf Tore?, fragte Bobic sinngemäß, "hätteste lieber zwei davon gegen Ulm gemacht".

Wer es nicht mehr weiß: Im DFB-Pokal waren die Frankfurter ein paar Wochen zuvor beim Regionalligisten SSV Ulm 1846 ausgeschieden, 1:2. Jovic-Tore: null. Sein Sturmkollege Sebastian Haller: ebenfalls kein Treffer. Und entschuldigt torlos war immerhin Ante Rebic, der dritte Frankfurter Angreifer. Er fehlte verletzt.

Vor einer Woche, als die Eintracht 3:0 in Stuttgart siegte, war das ein ebenso großes Thema wie jetzt, fünf Tage später, nach dem 3:2-Sieg bei Apollon Limassol, der den Frankfurtern den vorzeitigen Einzug in die K.-o.-Runde der Europa League garantiert: dass da ein normaler Bundesligaklub drei Stürmer von der Sorte hat, die schon als Einzelexemplar jeden anderen normalen Bundesligaklub glücklich machen würden. Ja, die Eintracht hat den Franzosen Sébastien Haller, 24, den Kroaten Ante Rebic, 25, und den Serben Luka Jovic, 20, im Kader, drei Stürmer, die von den 23 Bundesligatoren 18 erzielt haben - Haller und Jovic je sieben, Rebic vier. Aber das ist nicht die ganze Geschichte.

In der ganzen Geschichte kommt noch ein vierter Stürmer vor, der Schwabe Fredi Bobic, 47, der, wie man einräumen muss, zuletzt keines der Frankfurter Tore erzielt hat, nach offizieller Zählung jedenfalls. Inoffiziell aber war er an allen beteiligt.

"Ich war ja selber früher Stürmer, und deshalb achte ich in meinen Mannschaften immer darauf, dass wir gute Stürmer im Kader haben", sagt Bobic. Als er noch beim VfB Stuttgart die Geschäfte führte, hat er immer den Stürmer Vedad Ibisevic verteidigt, "ein Team fühlt sich einfach sicherer, wenn es weiß, da steht einer vorne drin, der im Zweifel das Tor macht".

Ein Jahr Werben um Haller

Die Debatten, wonach der Mittelstürmer angeblich tot sei, haben Bobic immer irritiert, "der Mittelstürmer wird nie aussterben", sagt er, "das steht für mich fest". Natürlich ist Bobic aufgefallen, dass in den Nachwuchszentren lange Zeit "bis in die U 15-Mannschaften runter die falsche Neun gesucht" wurde, "und die Zwölf- oder Vierzehnjährigen, die ein bisschen schlaksig oder holzig daherkamen, die hat man oft nicht so gefördert". Diese Spielertypen, meint Bobic, hätten zuletzt "vielleicht nicht so ins Profil gepasst".

So kommt es also, dass der Bundestrainer Jogi Löw nun wieder ein Aufgebot bestellt hat, in dem hochflexible und womöglich hochbegabte Zwischenwesen stehen, aber keine klassischen Stürmer mehr. "Einen wie Sébastien könnte Deutschland gerade gut gebrauchen", sagt Bobic.

Haller, 1,90 Meter groß, ist ein schlaksiger, wenn auch nicht holziger Spieler, dem man eine gewisse Eleganz in der Ballbehandlung erst auf den zweieinhalbten Blick ansieht. Es war Frankfurts und Fredi Bobics Glück, dass viele deutsche Erstligisten höchstens zweieinviertel Blicke hinüber geworfen haben ins niederländische Utrecht, wo Haller zwei Jahre lang weitgehend unbelästigt vom deutschen Nachbarmarkt Tor um Tor geschossen hat, 41 in 82 Spielen. Bobic sagt, er habe diesen Spieler früh erkannt, ein Jahr lang haben die Frankfurter ihn umworben und umschmeichelt, und als er vor anderthalb Jahren freiwillig zum Pokalhalbfinale gegen Mönchengladbach erschien, da haben sie zum ersten Mal das Gefühl bekommen, dass das was werden könnte mit ihnen und diesem geheimen Mittelstürmer.