Frankfurt Mängel in der Mitte

Schmerzhafter Abschied: Trainer Adi Hütter muss wohl ohne Kapitän Fernandes (li.) planen.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)

Vor dem Europapokal-Spiel gegen Donezk verschärft sich eine spielerische Schwäche der Eintracht - und der Kapitän droht nun auch auszufallen.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Die Saison 1994/95 zählt nicht gerade zu den Spielzeiten, an die der gemeine Anhänger von Eintracht Frankfurt gerne zurückdenkt. Es war ein Jahr voller Eklats, inklusive eines Zerwürfnisses zwischen dem Trainer Jupp Heynckes und einigen seiner Spieler, und in gewissem Sinn war es der Auftakt für eine aus Frankfurter Sicht eher gruselige Ära. Aber immerhin eine positive Erinnerung gibt es auch: 1994/1995 war die Spielzeit, in der die Eintracht zum bisher letzten Mal die Qualifikation fürs Achtelfinale eines europäischen Wettbewerbs geschafft hat.

Nun also offenbart sich am Donnerstag gegen den ukrainischen Tabellenführer Schachtjor Donezk die Möglichkeit, dass es ein knappes Vierteljahrhundert später noch einmal dazu kommt. Ein 2:2 gab es im Hinspiel, aber neben der durchaus gehobenen Qualität des Donezker Spiels bereitet dem Frankfurter Trainer Adi Hütter noch etwas anderes Sorgen: die eigene Besetzung einer zentralen Planstelle, nämlich des zentralen Mittelfeldes.

Kapitän Gelson Fernandes, 32, und Winterrückkehrer Sebastian Rode, 28, sind die Akteure, denen Hütter diese Position am liebsten anvertraut, gerne auch gemeinsam. Doch im Europa-League-Hinspiel bei Schachtjor am Donnerstag musste Rode frühzeitig raus, eine Verletzung an der Wade. Und im Bundesliga-Duell mit Mönchengladbach am Sonntag (1:1) musste Fernandes eine Viertelstunde vor Schluss raus, eine Verletzung am Oberschenkel. Beide fallen am Donnerstag wohl aus. "Unser größtes Problem ist das zentrale Mittelfeld. Da muss ich mir etwas einfallen lassen", sagte Hütter leicht gequält - zumal er gegen Gladbach gleich mitverfolgen konnte, was es bedeutet, wenn Fernandes fehlt. Keine fünf Minuten nach dessen Auswechslung kombinierten sich die Borussen genau durch die Feldquadrate, die Fernandes gemeinhin bewacht. Bis der Ball bei Denis Zakaria landete, der mit einem Schuss aus 18 Metern zum verdienten 1:1 traf (82.).

Mit dem zentralen Mittelfeld ist es in Frankfurt in dieser Saison ohnehin so eine Sache. Zu Recht gibt es ja für diverse Bausteine des Kaders viel Lob. Makoto Hasebe verrichtet den Job im Abwehrzentrum zwar fast so wie Manni Binz 1994/1995, aber das macht er beeindruckend. Die Rückholaktion von Torwart Kevin Trapp erwies sich als guter Griff. Und vorne existiert in Sebastién Haller, Luka Jovic und Ante Rebic ein Angriffstrio, das zwar nicht ganz so überragend sein mag wie manche Eloge nahelegt, aber zusammen auf stolze 32 Liga-Treffer kommt. Beim zentralen Mittelfeld aber ist es etwas zwiespältig.

Denn Fernandes und Rode treten dort zwar ansprechend auf, mit viel Power und Zweikampfhärte. Aber zugleich fehlt es der Eintracht in der Spielfeldmitte oft an Kreativität, auch gegen Gladbach war das über weite Strecken wieder zu sehen. Die Chancen entstehen eher aus Willen, Physis und den individuellen Fähigkeiten des Angriffs-Trios denn aus klug und ideenreich konzipierten Angriffen. Das dürfte auch gegen Donezk wieder so sein; egal, welchen Spieler Hütter in die Zentralposition befördert.