Frankfurt Ein bisschen Stimmung

Kopfarbeit: Simon Falette von Eintracht Frankfurt (links) setzt sich in diesem Duell mit Wolfsburgs Daniel Ginczek durch.

(Foto: Martin Rose/Getty Images)

Fast geht der listige Plan der Eintracht auch in Wolfsburg auf. Aber in der Schlussminute gelingt dem VfL doch das 1:1 - das Remis hilft beiden Teams wenig.

Von Carsten Scheele, Wolfsburg

Ein Montagsspiel an Ostermontag, das provoziert geradezu eine kreative Art des Protests. Also flogen kurz nach dem Anpfiff Ostereier in den Wolfsburger Strafraum. Hunderte kleine rote, gelbe, grüne, blaue Plastikkügelchen aus dem Frankfurter Fanblock, die erst einmal weggeräumt werden mussten; ein Dutzend Stadionangestellte krabbelte auf dem Rasen herum, auch die Spieler machten mit. Auf den Rängen prangte das Spruchband: "Montagsspiele gehen uns auf die Eier." Die Wolfsburger Fans beteiligten sich am Protest gegen den unbeliebten Montagstermin: "Ihr macht unseren Sport kaputt", sangen sie in Richtung Deutscher Fußball-Bund (DFB) und Deutscher Fußball Liga (DFL). Wie schon bei den bisherigen Montagsspielen dieser Saison verzichteten beide Lager während der ersten Halbzeit auf die üblichen Gesänge.

Für die Frankfurter war es ein besonderer Stimmungskiller. Am Donnerstag absolvierten sie erst noch das emotionale Hurra-Spiel in der Europa League vor 48 000 brüllenden Zuschauern gegen Benfica Lissabon, bei dem die Mannschaft den Halbfinaleinzug perfekt machte (und nun auf den FC Chelsea trifft) - nun folgte das Ostermontagspiel in teilweise beklemmender Atmosphäre vor gerade einmal 22 000 Fans. Prompt reichte es für den Tabellenvierten auch nur zu einem Teilerfolg nach der rauschenden Europapokalnacht: Durch das 1:1 (0:0) nach Treffern von Jonathan De Guzman (78.) und John Anthony Brooks (90.) erhöhte die Eintracht zwar den Vorsprung auf Borussia Mönchengladbach, den direkten Konkurrenten um einen Champions-League-Startplatz, immerhin auf zwei Punkte (vier Zähler wären allerdings möglich gewesen). Die Wolfsburger hängen dagegen auf Platz neun fest: Für sie wird es richtig schwer, den Europapokal noch zu erreichen.

Die Niedersachsen fanden zunächst noch besser in den letzten Montagskick dieser Saison. Fast hätte Wout Weghorst schon nach zehn Minuten zur Führung eingeschossen, doch der langjährige VfL-Profi Makoto Hasebe klärte kurz vor der Linie. Die Laufwege des Japaners passten gut in der Anfangsphase, zehn Minuten später war es erneut Hasebe, der gegen die früheren Kollegen in großer Not zur Stelle war. Nach 25 Minuten ließ dann Admir Mehmedi einen Distanzschuss aufs Frankfurter Tor zischen, Torwart Kevin Trapp parierte sicher. Auf Frankfurter Seite vertändelte Luka Jovic, der diesmal auf die Unterstützung von Sebastian Haller (Bauchmuskelzerrung) verzichten musste, vor dem Tor ungewohnt leichtfertig (28.).

So ging es weiter. Die Fans schwiegen, doch beide Teams gingen ungeniert offensiv zu Werke - alle drei Minuten erspielte sich irgendjemand eine gute Gelegenheit, was es den Anhängern manchmal schwer machte, ihren Stimmungsverzicht durchzuhalten. Yannick Gerhardt köpfelte aus kurzer Distanz über das Frankfurter Tor (31.), sein Teamkollege Weghorst vergab eine noch bessere Gelegenheit, als er mit einem wuchtigen Drehschuss an Trapp scheiterte (35.). Den anschließenden Frankfurter Konter vergab Filip Kostic (37.) knapp. Und auch Goncalo Pacienca hatte kein Glück (40.). Die Anzeigetafel wies aber - und das war wirklich verwunderlich - zur Halbzeit immer noch das 0:0 als Zwischenergebnis aus.

Der Ball wurde abgefälscht - und hoppelte weiter zum eingewechselten De Guzman

Mit Anpfiff der zweiten Halbzeit sangen die Fans dann wieder - die Partie verflachte jedoch zunächst, vor allem, weil die Frankfurter nicht mehr richtig mitspielten. Die Wolfsburger drängten auf den Führungstreffer: Robin Knoche traf mit seinem Kopfball nach einem Eckball von Mehmedi nur die Unterkante der Latte (57.). Sieben Minuten später setzte Maximilian Arnold seinen Distanzschuss an den Pfosten (64.). Wirklich konsequent ging der VfL mit der Chancenverwertung nicht um.

Und so ging zunächst die listige Eintracht in Führung: Kostic zog von der Strafraumgrenze ab, Marcel Tisserand fälschte den Ball unglücklich ab - dieser hoppelte weiter zum eingewechselten De Guzman, der Wolfsburgs Keeper Pavao Pervan aus kurzer Distanz überwand (78.).

Wolfsburg wechselte wütend, Trainer Bruno Labbadia brachte den lange verletzten Felix Klaus - der stahl sich prompt auf dem rechten Flügel davon und passte in den Lauf des heransausenden und energisch winkenden Brooks, der den Frankfurtern kurz vor Schluss doch noch ein Gegentor bescherte.