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Bundesliga:Der Wunsch vom unspektakulären Chaos

SC Freiburg - Fortuna Düsseldorf

Sehnsucht nach Ruhe bei der Fortuna: Trainer Uwe Rösler.

(Foto: Patrick Seeger/dpa)
  • Fortuna Düsseldorf wehrt sich vor dem Freitagsspiel gegen Hertha BSC trotz seines Trainerwechsels und des Abschieds des Sportdirektors gegen das Image als Skandalklub.
  • Nun benötigt der Klub Geschlossenheit, es geht gegen die Hertha um die Zugehörigkeit zur Bundesliga in der nächsten Saison.
  • Das Spiel könnte sich gleichwohl als Fußballabend der Mangelverwaltung erweisen, das deutet jedenfalls die Statistik an.

Ein Heimspiel gegen Hertha BSC weckt in Düsseldorf immer schöne Erinnerungen. Am 15. Mai 2012 genügte der Fortuna im Relegationsrückspiel ein 2:2, um in die Bundesliga aufzusteigen. In der Nachspielzeit stürmten Massen von Fans das Spielfeld, weil sie bereits den Schlusspfiff gehört zu haben glaubten. Die Partie konnte erst mit 20 Minuten Verspätung zu Ende gespielt werden. Das Malheur beschäftigte die Branche noch tagelang.

An diesem Freitag werden vermutlich keine Fans aufs Spielfeld stürmen, nicht einmal, wenn die Fortuna gewinnt. Es geht zwar auch diesmal um die Zugehörigkeit zur Bundesliga in der nächsten Saison, aber noch längst nicht im ultimativen Sinne. Diesmal haben beide Teams anschließend ausreichend Gelegenheit zum Punktesammeln. Düsseldorfs neuer Trainer Uwe Rösler formuliert deshalb das niederträchtig anmutende Ziel: "Berlin in den Abstiegskampf hineinzuziehen." Mit einem Sieg würde sich der Rückstand zu den Berlinern auf drei Punkte verringern. Dann wäre Röslers Ziel erreicht: Die angeschlagene Hertha wäre plötzlich wieder mitten drin im Abstiegsstrudel.

Was beide Klubs sonst noch verbindet, sind ein kürzlicher Trainerwechsel und die damit verbundene Unruhe. In Düsseldorf sind die Verwerfungen zwar nicht so spektakulär wie bei der Hertha mit dem Weggang von Jürgen Klinsmann, dafür sind sie umfangreicher. Am Rhein sind binnen eines Jahres der Manager Robert Schäfer, der Aufsichtsratsvorsitzende Reinhold Ernst und der Trainer Friedhelm Funkel aus dem Amt geschieden, und als wäre das nicht genug, hat auch noch der Sportdirektor Lutz Pfannenstiel seinen Abschied zum Saisonende angekündigt. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Röttgermann erklärte darob in der Sport Bild: "Es sind bei uns eine Reihe von Entscheidungen getroffen worden, aber diese Entscheidungen und ihre Umsetzungen waren völlig normal, fair und unspektakulär." Er wehre sich dagegen, dass die Fortuna deshalb als Skandalklub diskreditiert werde.

Kein Tagebuch vom Trainer

Richtig ist, dass vom gefeuerten Trainer Funkel kein geheimes Tagebuch veröffentlicht wurde. Doch dem Sportdirektor Pfannenstiel ist es in den Wochen nach der Trainerentlassung offenbar nicht so gut ergangen, wie er nun seiner Heimatzeitung, der Passauer Neuen Presse, verriet. So seien Beleidigungen gegen ihn und seine Familie zwar nicht der ausschlaggebende, aber doch mit ein Grund gewesen für seine Rücktrittsankündigung. Funkel galt bei der Fortuna als größter Sympathieträger für die Fans.

Dem Fortuna-Vorstand und dem Sportdirektor Pfannenstiel aber war Funkels Fußball nicht aggressiv und offensiv, mithin nicht modern genug. Zu diesem Zwecke holte Pfannenstiel den gerade auf Jobsuche befindlichen Rösler, der das Fußballspielen und -trainieren vornehmlich in England erlernt hat und damit prädestiniert erschien für einen Stilwechsel offensiverer Prägung. "Mit Uwe ist jetzt ein ganz anderer Zug in der Mannschaft", rechtfertigt Pfannenstiel den Trainerwechsel: "Wir spielen variabler und aggressiver." Mit einem 2:0 in Freiburg feierte Rösler am vergangenen Wochenende seinen ersten Liga-Sieg mit der Fortuna.

Das Spiel gegen die Hertha könnte sich gleichwohl als Fußballabend der Mangelverwaltung erweisen, das deutet jedenfalls die Statistik an: Bei der Anzahl von Flanken ist Düsseldorf in der Liga zwar Dritter, hat aber trotzdem die wenigsten Tore geschossen (23). Hertha gab bislang die wenigsten Torschüsse ab (232). Düsseldorf gewann die zweitwenigsten Zweikämpfe (vor Augsburg) und steht mit der drittschwächsten Laufleistung einen Platz hinter der Hertha. Ganz vorne in der Liga steht die Fortuna nur bei den gelben Karten (60). In Sachen Fouls ist Berlin Fünfter (283).

Rösler spielt anders als Funkel ein 3-5-2-System und baut, gewiss in Absprache mit dem diesbezüglich zuvor unzufriedenen Pfannenstiel, mehr Zugänge ein wie etwa Nana Ampomah, Bernard Tekpetey oder Kasim Adams. Sie hatten unter Funkel eher selten gespielt. Dafür wird nun allerdings Oliver Fink nicht mehr berücksichtigt. Er war Funkels Lieblingsspieler, weshalb sich um den 37-Jährigen eine grundsätzliche Personaldebatte entsponnen hat. Fink und Adam Bodzek, 34, sind die letzten Fortunen, die auch am 15. Mai 2012 schon für Düsseldorf im Einsatz waren. Aber mit schönen Erinnerungen hat auch noch nie eine Mannschaft den Klassenerhalt geschafft.

© SZ vom 28.02.2020/jki
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