Der abstiegsbedrohte Zweitligist Fortuna Düsseldorf ist der einzige deutsche Profiklub, der seine Zuschauer regelmäßig gratis ins Fußballstadion einlädt. Dann übernehmen nämlich Sponsoren das Eintrittsgeld. Am Freitagabend verlor Düsseldorf das fünfte Saisonspiel seiner Aktion Fortuna für alle vor 49 500 Zuschauern 1:2 gegen Holstein Kiel. Die allgemeine Laune war trotz Gratiseintritts folglich überschaubar.
Weil es für Düsseldorf bereits die vierte Niederlage nacheinander war und der Klub jetzt bloß noch einen Punkt Vorsprung vor dem direkten Abstiegsplatz hat, trennte sich die Fortuna am Sonntag bereits zum zweiten Mal in dieser Saison von ihrem Trainer. Im Oktober war Daniel Thioune nach acht Spielen durch Markus Anfang ersetzt worden. Sechs Monate später wird Anfang fünf Spiele vor dem Saisonende jetzt durch Alexander Ende ersetzt.
Das Ende vom Anfang und den Anfang vom Ende verkündete die Fortuna am Sonntagabend. Kurios an dem Trainerwechsel ist aber nicht nur das Spiel mit den Namen, sondern auch der Umstand, das der 46 Jahre alte Rheinländer Ende vor gerade mal einem Monat beim Fortuna-Konkurrenten Preußen Münster entlassen worden war, weil er mit der Mannschaft dort im Abstiegskampf keine Fortschritte erzielen konnte. Nun soll ihm ausgerechnet dies 120 Kilometer südwestlich mit der strauchelnden Fortuna-Mannschaft gelingen. Der gebürtige Grevenbroicher erhält einen Vertrag bis Sommer 2028.
„Wir haben genau analysiert, was unsere Mannschaft jetzt in dieser Phase braucht, um den Klassenerhalt zu sichern, und genau das bringt Alexander Ende mit“, sagt Fortunas Sportvorstand Sven Mislintat in einer Pressemitteilung des Klubs. „Wir trauen ihm eine klare inhaltliche Lösung für die letzten fünf Spiele zu. Darüber hinaus passt sein Ansatz auch langfristig sehr gut zu unserer Strategie.“
Ebenfalls am Sonntag gab die Fortuna bekannt, dass sich der vom SC Freiburg ausgeliehene Mittelfeldspieler Florent Muslija gegen Kiel einen Kreuzbandriss im rechten Knie zugezogen hat und für den Rest der Saison ausfällt. Zudem erlitt der Angreifer Christian Rasmussen einen Muskelfaserriss im Oberschenkel. Beide fehlen der Mannschaft im Abstiegskampf erheblich.
Als der Sportchef Mislintat im Dezember als Nachfolger von Klaus Allofs seinen Job angetreten hat, trennte sich der Klub vom Trainer Anfang demonstrativ noch nicht. Damals sagte Mislintat: „Markus sitzt am Wochenende auf der Bank – für alles andere brauche ich ein bisschen Zeit.“ Seither gab es unter Anfang in 13 Spielen fünf Siege, zwei Unentschieden und sechs Niederlagen – die letzten vier in Serie. Mislintat hat sich letztlich dreieinhalb Monate Zeit gelassen, um nun doch noch die Trennung vom Trainer zu veranlassen.

Doch jetzt wird es knapp. Noch kurz nach der Niederlage am Freitagabend sagte Mislintat bei Sky: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht in Abläufe kommen, die wir nicht mehr korrigieren können.“ Der Trainerwechsel markiert nun den Versuch einer Korrektur. Das Restprogramm ist herausfordernd: nächsten Samstag beim Abstiegskonkurrenten 1. FC Magdeburg, sechs Tage später gegen den Abstiegskonkurrenten Dynamo Dresden, dann gegen die Aufstiegsaspiranten Schalke 04 und SV Elversberg und zum Abschluss beim Abstiegskonkurrenten SpVgg Greuther Fürth.
Die Fortuna hat zuletzt in der Saison 2008/09 in der dritten Liga gespielt. Ein Abstieg könnte auch das Aus für die 2023 ins Leben gerufene und in der dritten Liga dann womöglich nicht mehr finanzierbare Gratiskarten-Aktion bedeuten.


