Formel 1 Viel Lob trotz nassem Rennfahrerpo

Obwohl diesmal auch noch ein Feuerlöscher in seinem Ferrari platzt, verteidigt Sebastian Vettel in Mexiko seinen umstrittenen Chef Maurizio Arrivabene.

Von Elmar Brümmer, Mexiko-Stadt

Männerfreundschaften werden immer wichtiger in der Formel 1. Im Vorjahr war es ein langer Abend in der Wohnküche von Mercedes-Sportchef Toto Wolff, der jene unheimliche Kraft beim WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton freigesetzt hat. Alles sei auf den Tisch gekommen, hieß es damals, der ganze Frust des Vorjahres geklärt worden. Die Moral bei den Silberpfeilen war in der Nach-Rosberg-Saison wieder intakt. Die zweite Saisonhälfte wurde dafür zur Schattenseite für den Mercedes-Gegenspieler Ferrari, die Italiener verspielten im dritten Jahr der Ära Vettel ihren technischen und zum Teil auch psychologischen Vorsprung vom Saisonbeginn. Weshalb sich Sebastian Vettel zunehmend in der Rolle des Mental-Coaches befindet, und bei seiner vorläufigen Bilanz vor dem Großen Preis von Mexiko den im Konzern und in den italienischen Medien umstrittenen Teamchef Maurizio Arrivabene ausdrücklich in Schutz nahm. Vielleicht traut auch er der jüngsten Bekundung des erfolgsorientierten Fiat-Lenkers Sergio Marchionne nicht, der zuletzt in einer für seine Verhältnisse ungekannten Milde urteilte: "Ich denke nicht, dass man alles auf einen Menschen reduzieren kann." Mal sehen also, wie die bereits angekündigten "kleineren Umbauten" über den Winter dann tatsächlich aussehen werden.

Die Scuderia hat alle Voraussetzungen, an erfolgreiche Schumacher-Zeiten anzuknüpfen, die Saison 2017 hat gleichermaßen einen Fort- und Rückschritt gezeigt. In Maranello müssen nun die richtigen Schlüsse gezogen werden. Vettel, der während und nach der desaströsen Asientournee derart auffällig auf gute Laune gemacht hat, dass man zwischenzeitlich schon einen Berufswechsel in die Animateurbranche befürchten musste, will damit das angeschlagene Team schützen und stützen. Der beim Training in Mexiko wegen einer nicht korrekt angezogenen Schraube in seinem Auto explodierte Feuerlöscher erinnerte ihn an all die Unzuverlässigkeiten, die am Ende die starke Frühform zunichte machten. Richtig "cool" empfand er seinen nass gewordenen Rennfahrerpo wohl nur, weil er einen Kalauer landen wollte.

„Ich glaube, dass er der Richtige ist. Ein starker Anführer, sehr respektiert. Ich bin sein Fan“, sagt Sebastian Vettel über Maurizio Arrivabene.

(Foto: Clive Mason/afp)

Im Autodromo Hermanos Rodriguez durfte der viermalige Champion mehrfach erklären, welche unglaublichen Fortschritte Ferrari gemacht habe in diesem Jahr, dass er jedes verbliebene Rennen gewinnen könne und dass es schon einen Plan gäbe, wie die Schwächen im kommenden Jahr ausgetrieben werden könnten. Dass Vettel dann aber im Bemühen, die innere Enttäuschung zu überspielen, indem er Ferrari als erfolgreichen Außenseiter in der laufenden Saison beschrieb, war ein bisschen dick aufgetragen.

Vettel denkt, nachdem der Konstrukteurstitel schon deutlich an Mercedes verloren ging, bereits an den zweiten Drei-Jahres-Plan mit Ferrari: "Es gibt viele Dinge, die mir Hoffnung machen, wenn ich in die Fabrik schaue, die Ideen, die da auf dem Tisch liegen." Die provokative Annahme eines britischen TV-Reporters, dass Teamchef Arrivabene nun in altbekannter Ferrari-Manier wohl mit dem Genickschuss rechnen müsse, parierte er mit der Antwort auf die sachlichere Zusatzfrage, welche Stärken denn der 60-Jährige besitze: "Seine Stärken? Schaut auf die Ergebnisse, und wo Ferrari Ende 2014 stand, und - sorry - in welch miserabler Verfassung das Team damals war. Maurizio ist derjenige, der die Stimmung gehoben und den Teamgeist zurückgebracht hat. Er hat Ferrari geöffnet, Dinge geändert, die 20 Jahren gleich gemacht worden waren. Der Rennstall ist durch seine kreative Denke gewachsen. Deshalb glaube ich, dass er der Richtige ist. Ein starker Anführer, sehr respektiert. Ich bin sein Fan. Und es wird sich auszahlen."

Vettel benutzt fast dieselben Worte wie Arrivabene, es scheint also so etwas wie eine Kommunikations-Linie zu geben, auf die man sich teamintern verständigt hat. Der Teamchef beschwört die große Einigkeit einer sehr jungen Truppe. Den schwelenden Führungskonflikt zwischen ihm und dem ehrgeizigen Technikdirektor Mattia Binotto, thematisiert er von sich aus, mit eindeutiger Schärfe: "Er führt unsere technische Abteilung ordentlich, und er lernt Ferrari immer besser zu verstehen. Wir tauschen Meinungen und Informationen aus. Er hat die Ansichten eines Ingenieurs, ich habe eine andere Sicht auf der Dinge - aber wir finden immer eine Richtung." Es klang nur eben anders, verstärkt durch den Hinweis, dass die Tücke eben im technischen Detail liege - und das man daraus jetzt gelernt habe.