Formel 1 Hamilton bekommt Konkurrenz aus dem eigenen Land

Lewis Hamilton bekommt britische Unterstützung.

(Foto: REUTERS)
  • Hinter dem derzeitigen Dominator Lewis Hamilton drängen zwei junge Briten in die Formel 1: Lando Norris und George Russell.
  • Russell fährt erfolgreicher als Norris, trotzdem stürzen sich die britischen Medien auf den 18-Jährigen.
  • Beide kommen in kriselnden britischen Formel-1-Rennställen unter.
Von Philipp Schneider, Austin

Die Rekrutierung des Nachwuchses in der Formel 1 erfolgt meist nach einem einfachen Prinzip. Fährt ein junger Pilot in einer der Serien für Junioren nicht nur unfallfrei, sondern einigermaßen erfolgreich über die Grand-Prix-Strecken der Welt, und führt der Kalender auch ein Rennen in seinem Heimatland, findet sich für ihn mit einiger Sicherheit alsbald ein freies Cockpit im Kreise der erwachsenen, oder sagen wir, ausgewachsenen Rennfahrer. Jede Rennfahrernation braucht einen eigenen Rennfahrer. Wie soll sich die Formel 1 denn sonst vermarkten lassen?

Es gibt jenseits von Renntempo und Nationalität durchaus noch ein paar Zusatzqualifikationen, die die Karriere beschleunigen können. Ein reicher Vater, der als Gegenleistung für die Förderung des Sohns gleich den ganzen Rennstall mit Geld überhäuft, schadet sicher nicht. Auch nicht die Verwandtschaft mit einem siebenmaligen Weltmeister und erfolgreichsten Rennfahrer in der Geschichte der Formel 1, oder zumindest eine mit dem ehemaligen Rennfahrer Jos Verstappen - ja, auch so etwas kann helfen.

Norris' wohlhabender Vater investiert fleißig in seinen Sohn

Es gibt gleichwohl große Rennfahrer, die einen Zusammenhang zwischen Herkunft und Geschwindigkeit der Karriere in der Formel 1 völlig bestreiten. "Ich glaube, wenn die 20 schnellsten Fahrer der Welt alle Franzosen wären, dann würden in der Formel 1 nur Franzosen fahren", hat Sebastian Vettel vor wenigen Wochen im Gespräch mit der SZ erzählt. Und wenn man so will, dann erfährt Vettels Theorie derzeit Bestätigung. Wenngleich es die Engländer sein werden und nicht wie bislang die Franzosen, die dann ab der kommenden Saison überrepräsentiert sind und die stärkste Fraktion stellen. Lewis Hamilton erhält bald Unterstützung von Lando Norris, 18, aus Bristol. Und von George Russell, 20, aus King's Lynn.

Norris' Vater ist ebenfalls wohlhabend. Adam Norris setzte sich im Alter von 36 Jahren als Selfmade-Millionär zur Ruhe und investiert jetzt nur noch in britische Start-up-Unternehmen. Und in seinen Sohn. Das ändert aber nichts daran, dass Norris und Russell in die Formel 1 aufsteigen, weil sie sagenhaft talentiert sind. Hamilton würde womöglich sogar alsbald Konkurrenz von den gegenwärtigen Formel-2-Piloten Norris und Russell erfahren, wären die schnellen, jungen Engländer nicht untergekommen bei den kriselnden, alten Rennställen Englands. Russell fährt 2019 für Williams, Norris für McLaren.

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Echte Wunderdinge, garantiert aber Wandschränke voll mit Pokalen, werden gleichermaßen erwartet vom eleganten, für Formel-1-Verhältnisse mit 1,85 Metern sehr groß gewachsenen Russell und dem eher lausbubenhaften Draufgänger Norris. Wenn nicht sofort, dann garantiert irgendwann. Der kleinere Norris ist charmant, eloquent, fährt konstant schnell und er sieht ein bisschen so aus, als würde er in Top Gun den Düsenjet neben Tom Cruise steuern, weswegen er viel Aufmerksamkeit genießt. McLaren-Chef Zak Brown besetzte sein zweites Cockpit neben dem von Carlos Sainz vor allem deshalb sehr frühzeitig mit Norris aus dem eigenen Nachwuchsprogramm, damit der nicht von der Konkurrenz abgeworben wird. Russell dagegen, der Führende der Gesamtwertung in der Formel 2, fährt noch erfolgreicher und scheint es zu genießen, dass sich die Engländer vor allem auf Norris stürzen.