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Motorsport:Wer rast am grünsten?

Formula E 2020-2021: Diriyah ePrix I RIYADH STREET CIRCUIT, SAUDI ARABIA - FEBRUARY 26: Nyck de Vries (NLD) Mercedes Ben

Saisonstart in Saudi-Arabien: Nyck de Vries im Elektro-Mercedes.

(Foto: Alastair Staley / Motorsport-Images/Imago)

Die Formel E war mal das Zukunftsversprechen auf den Rennstrecken, jetzt startet sie mit Fragezeichen in die Saison. Auch, weil die Formel 1 bald selbst so tun will, als sei sie total öko.

Von Philipp Schneider

Zwölf Teams starten in der Formel E, der Rennserie mit elektrifizierten Autos, die an diesem Freitag mit dem Nachtrennen in Saudi-Arabien in ihre siebte Saison losgerollt ist. Das klingt stattlich, zumal sich darunter auch Autobauer befinden, die die Formel 1 auch gerne bei sich sehen würde: Mercedes, Audi, BMW und Porsche. Für Audi und BMW ist es allerdings die letzte Saison in der Formel E, danach steigen sie aus.

Audi will dann tatsächlich lieber bei der Rallye Dakar mit einem "innovativen Prototyp" starten. Großer Vorteil: Der sieht viel mehr so aus wie die klumpig, klobigen SUV-Fahrzeuge, die in den Autohäusern ausgestellt werden. Den Elektroflitzern hingegen sieht man die Marke eher nicht an. Und BMW will nicht mehr mitfahren, weil die "Möglichkeiten des Technologietransfers bei der Entwicklung von E-Antrieben im Wettbewerbsumfeld der Formel E inzwischen im Wesentlichen ausgeschöpft" sind, wie der Hersteller mitteile.

Übersetzt bedeutet das: Der Elektroflitzer von Onkel Hansi saust nicht schneller oder sparsamer über die A3 zu Tante Gisela, weil es die Formel E gibt. Weil im Rennsport eben nicht länger Technologie erprobt wird, die in Hansis Auto sinnvoll verbaut werden kann. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Formel E, die ohnehin unter chronischem Zuschauer-Desinteresse leidet, noch eine große Zukunft hat?

Nicht, dass Hansis mit einem Verbrennungsmotor ausgestattetes Zweitauto rasanter oder effizienter fahren würde, weil es die Formel 1 noch gibt. Aber die will ab 2025 immerhin mit Verbrennungsmotoren starten, die im Idealfall zu 100 Prozent mit nachhaltigem Kraftstoff betrieben werden.

Bei der Produktion von synthetischem Sprit wird so viel CO2 aus der Atmosphäre gebunden, wie bei seiner Verbrennung wieder ausgeschieden wird. Dieses Verfahren ist noch sehr aufwendig, auch ergibt es ökologisch nur dann Sinn, wenn der Herstellungsprozess mit überschüssigem Öko-Strom betrieben wird - und nicht etwa mit im Kohlekraftwerk gewonnener fossilen Kraft. Aber es ist zumindest nicht ausgeschlossen, dass die neue Motorenformel, die marketingtechnisch einen grünen Anstrich verspricht, wieder einen Hersteller in die Formel 1 locken könnte, der sich im kommenden Jahr aus der Formel E verabschieden wird.

© SZ/cca
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