Formel 1 Coole Bewerbung

Mit 35 Jahren ist Kimi Räikkönen der älteste Formel-1-Fahrer. Neben Sebastian Vettel wirkte er in den ersten Rennen wie ein Auslaufmodell. Sein zweiter Platz in Bahrain zeigt nun: Der Eindruck trog.

Von René Hofmann, Manama/München

Kimi Räikkönen ist einer der wenigen Formel-1-Fahrer, von denen es Sprüche gibt, die sogar auf T-Shirts gedruckt werden. Als der Finne in Abu Dhabi einst im Lotus dem Sieg entgegenstrebte und sein Renningenieur so aus dem Häuschen geriet, dass er aufgeregt immer neue Infos ins Cockpit funkte, gab Räikkönen genervt zurück: "Hey, lass mich in Ruhe! Ich weiß schon, was ich mache."

Am Sonntag in Bahrain hat Räikkönen nach eineinhalb Jahren wieder einmal an einer Siegerehrung teilnehmen dürfen. Er wurde Zweiter hinter Lewis Hamilton und vor dessen Mercedes-Kollegen Nico Rosberg. Räikkönens bestes Resultat, seit er sich 2014 zum zweiten Mal Ferrari anschloss. Als er ins Ziel fuhr, war sein Teamchef Maurizio Arrivabene aus dem Häuschen. "Grande Kimi! Hey Iceman, ich bin stolz auf dich", rief er Räikkönen zu. Der gab lakonisch zurück: "Ja, danke an alle."

Es ist nicht zu erwarten, dass Räikkönen, inzwischen 35 und der älteste Fahrer im Feld, sich noch groß ändern wird. Die spannende Frage lautet vielmehr: Wie lange wird er überhaupt noch mitfahren?

Sein Kontrakt läuft am Ende der Saison aus. Ferrari hat eine Option, ihn zu verlängern. Aber ob die Firma diese zieht? "Jetzt, heute" habe Räikkönen das verdient, fand Teamchef Arrivabene am Sonntagabend, was aber nicht hieß, dass er umgehend zum Stift griff. Der 58-Jährige hatte Räikkönen schon vor dem Wochenende in einem offenen Gespräch gesagt: "Es kommt ganz auf deine Leistung an."

Die stimmte beim vierten Saisonrennen. Räikkönen blieb fehlerfrei. Wäre der Grand Prix ein paar Runden länger gegangen, Räikkönen hätte wohl sogar Hamilton noch gefährlich werden können, der von seiner vierten Pole-Position aus seinen dritten Sieg 2015 einfuhr. "Wirklich unglaublich" fand Arrivabene, wie Räikkönen die gewagte Zwei-Stopp-Strategie umsetzte, die das Team ausgetüftelt hatte.

Räikkönens Makellosigkeit fiel auch deshalb besonders auf, weil sein ansonsten für Perfektion bekannter Teamkollege dieses Mal patzte: Sebastian Vettel, 27, bremste sich erst die Hinterreifen eckig und ließ sich dann zweimal von Nico Rosberg "ablatzen", wie er selbst sagte. Bei einem Verteidigungsmanöver gegen Rosberg rutschte Vettel zudem einmal ins Kiesbett, wo er sich den Frontflügel beschädigte. Nach einem Zusatz-Stopp, bei dem das Teil getauscht wurde, kam Vettel schließlich als Fünfter hinter Williams-Lenker Valtteri Botta ins Ziel.

Sogar die Funken fliegen schön: An Kimi Räikkönens Fahrt in Bahrain, die er auf dem zweiten Platz beendete, war nichts auszusetzen.

(Foto: Mirko Stange/RacePress)

"Er hat zwei große Fehler gemacht": Mit Sebastian Vettel ist der Ferrari-Chef unzufrieden

"Ich hätte heute besser fahren können", wusste Vettel selbst. "Er ist nicht das beste Rennen seines Lebens gefahren", sagte Technikchef James Allison. Auf die Frage, warum Vettel mit einer anderen Strategie unterwegs war als Räikkönen, erklärte der Brite: Weil Vettel am Start als Zweiter vor Rosberg gewesen sei. Allison: "Wir haben ihm die beste Strategie gegeben, um Nico hinter sich zu halten." Die konnte Vettel offenbar nicht umsetzen.

"Er hat zwei große Fehler gemacht", konstatierte Teamchef Maurizio Arrivabene unverblümt, bevor er nachschob: "Aber wir dürfen nicht vergessen, was er bis jetzt geleistet hat. Er hat ein Rennen gewonnen und ist zweimal aufs Podium gefahren. Menschen machen Fehler. Das ist das Schöne an diesem Sport."

Nach den ersten Trainingsrunden auf dem Bahrain International Circuit hatten sich die Ferrari-Ingenieure insgeheim Siegchancen ausgerechnet. Im Rennen aber kamen die Bedingungen ihrem Auto dann lange nicht entgegen. Es war windiger und kühler als im Training. Mit beiden Elementen kommen die Autos von Mercedes besser zurecht. Räikkönens starker Schlussspurt aber dokumentierte einen Aufwärtstrend. "Wir sind noch nicht in der Position, ihnen Angst einzujagen", weiß Maurizio Arrivabene. Aber er weiß auch: "Der Abstand ist knapper geworden."

Was den Ferrari-Anführer besonders freuen kann: "Wir haben jetzt zwei starke Fahrer." Denn: "Kimi ist zurück." Mutig und diszipliniert sei der den Anweisungen gefolgt, die vom Kommandostand ergingen - auch wenn er bei der Reifenwahl einmal doch arge Zweifel hatte. Ohne Murren oder Knurren spulte Räikkönen die 57 Runden ab. Der ganze Auftritt wirkte wie eine Bewerbung für die Weiterbeschäftigung. Selbst nach der Siegerehrung gab Räikkönen sich noch Mühe. Er lobte das Team in Tönen, die sonst selten von ihm zu hören sind: "Jeder arbeitet zusammen und in die gleiche Richtung. Ich bin sicher, dass wir noch stärker werden." Er sei deshalb froh, momentan am rechten Ort zu sein.

Nach eineinhalb Jahren zurück auf dem Podest: Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen, 35, in Manama.

(Foto: Dan Istitene/Getty Images)

Für die Charme- und Leistungsoffensive in der Wüste könnte es durchaus noch einen Grund geben. Auch Lewis Hamiltons Vertrag bei Mercedes läuft am Ende der Saison aus. Seit fünf Monaten schon ist eine Verlängerung angeblich nur Formsache. Seit fünf Monaten aber ist diese nun schon nicht erfolgt. Je länger es dauert, desto wilder werden die Spekulationen. Und eine nicht unwesentliche Figur heizte die zuletzt noch einmal richtig an. "Es wäre großartig, Lewis bei Ferrari zu sehen", sagte Formel-1-Vermarkter Bernie Ecclestone. Der exaltiere Champion bei der Kult-Marke, das würde dem ganzen Sport guttun - zu "hundert Prozent", findet Ecclestone.

Käme es zu dem Bündnis, wäre Räikkönen draußen. Schon zum zweiten Mal. 2009 fand Ferrari ihn ab, um Platz für Fernando Alonso zu schaffen. Einer glaubt indes, dass es so nicht kommt: Niki Lauda. In seiner Funktion als Chef des Aufsichtsrats des Mercedes-Teams tat er RTL-Moderator Florian König in Bahrain kund: "Der Lewis fährt nächstes Jahr bei Mercedes, das kann ich dir garantieren. Und noch zwei Jahre dazu."