Formel 1 Allison verlässt Ferrari

Der Rennstall trennt sich von seinem Technikchef. Jetzt könnte es zu einer Rochade kommen, die die ganze Branche durcheinanderwirbeln würde.

Von René Hofmann

Der Formel-1-Rennstall von Ferrari hat sich von seinem Technischen Direktor getrennt. Der Brite James Allison, 48, hatte die Rolle in den vergangenen Jahren inne. Die Trennung erfolge in beiderseitigem Einvernehmen, teilte das Unternehmen in einer Aussendung mit, in der neben Teamchef Maurizio Arrivabene auch Allison mit freundlichen Worten zitiert wird.

Gerüchte, die Beziehung stehe vor dem Aus, waren bereits vor dem Großen Preis von Ungarn am vergangenen Wochenende in italienischen Medien aufgekommen. In Budapest waren diese aber noch zurückgewiesen worden. "Er ist unser Technischer Direktor und als solcher verantwortlich für die wichtigsten Dinge", sagte Sebastian Vettel. Das Team könne über derartige Geschichten "nur lachen": "Wir sollten mehr wissen." Seit Mittwochmorgen ist klar: Die Geschichte stimmt doch.

Allison trat den Job bei Ferrari 2013 an, nachdem er zuvor in der gleichen Rolle bei Lotus und dem Vorgänger-Team Renault gewirkt hatte. Von 2000 bis 2005 hatte Allison schon mal für Ferrari gearbeitet. Die genauen Gründe für seinen Abschied sind unbekannt. In Fachmedien wird spekuliert, dass es Allison aus privaten Gründen (er musste im Frühjahr einen Schicksalsschlag in der Familie hinnehmen) in die Heimat ziehen könnte. Aber auch von Spannungen mit dem fordernden Fiat- und Ferrari-Chef Sergio Marchionne ist die Rede.

Als Allisons Nachfolger wurde Motorenchef Mattia Binotto benannt, der sich mit öffentlichen Auftritten bislang zurückhielt. Er könnte lediglich eine Übergangslösung sein. Das Fachmagazin auto, motor und sport spekuliert, es gebe die Möglichkeit einer Rochade, die die Branche durcheinanderwirbeln würde: Der Kontrakt von Paddy Lowe, des aktuellen Technikchefs von Mercedes, laufe Ende des Jahres aus. Der Brite, 54, wäre eine spektakuläre Verpflichtung: Erst unter Lowes Einfluss reifte Mercedes zum Seriensieger.

In der aktuellen Formel-1-Wertung belegt Ferrari nach elf von 21 Rennen mit 224 Punkten Rang zwei hinter Mercedes (378). Red Bull folgt mit 223 Zählern dicht auf. Nach drei Siegen 2015 glückte 2016 noch kein Triumph. "Wir sind alle nicht zufrieden, wie das Jahr angefangen hat", räumte Vettel kürzlich ein.