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Formel-1-Vorschau:Hungrige Heidi wird zur schlanken Sylvie

Red Bull Formula One driver Vettel is seen in the paddock during a training session at the Jerez racetrack in southern Spain

Sebastian Vettel: der Titelverteidiger fährt in der "hungrigen Heidi".

(Foto: REUTERS)

Fernando Alonso twittert Samurai-Zitate, Sebastian Vettel tauft seinen Rennwagen drei Mal um, Michael Schumacher gründet seinen eigenen Rennstall - und Nico Hülkenberg wird zur großen Überraschung. Was in dieser Formel-1-Saison passieren wird. Eine fiktive Vorschau.

1. Rennen: Australien (Melbourne)

RTL beginnt die Übertragung der neuen Formel-1-Saison mit einem Besuch in Heppenheim, wo sich in einer Lagerhalle Hunderte Seb-Anhänger vor einer Leinwand versammelt haben, eingepackt in Skijacken und Thermodecken. Fanklub-Mutti Gisela schenkt literweise Ingwer-Tee mit Zitrone aus. Eingeblendet wird die Twitter-Nachricht von Fernando Alonso, er zitiert wie immer aus dem "Weg des Samurai": "Es gilt als Krankheit, vom Gedanken an den Sieg besessen zu sein." Man reibt sich verwundert die Augen.

Doch Alonso gewinnt - und sagt: "Ich bin 100 Mal besser als im letzten Jahr!". RTL-Reporter Kai Ebel will Sebastian Vettel trösten - nur Vierter zum Saisonstart! Mit ernster Miene würgt Vettel ein "Gratulation an Fernando" heraus.

Nico Hülkenberg wird übrigens Zweiter und lobt die Seitenkästen. Nico Rosberg schafft Platz acht und sagt: "Immerhin nicht ausgeschieden." Mercedes-Team-Aufsichtsrat Niki Lauda will bei RTL zum ersten Mal seit 17 Jahren nichts sagen.

2. Rennen: Malaysia (Sepang)

Nun besucht RTL Michael Schumacher. Im gestreiften Poloshirt sitzt Schumi entspannt auf seiner weißen Leder-Couch. Corinna bringt Pastetchen vorbei, huscht aber schnell wieder aus dem Bild. "Natürlich reizt mich die Formel 1 immer noch", sagt Schumacher, "aber jetzt brauche ich auch mal Zeit für die Familie. Mercedes macht auch ohne mich einen hervorragenden Job". Dann tippt er in sein Telefon.

Mercedes tauscht überraschend die Reifen kurz vor dem Rennen. Schumacher lächelt zufrieden und schickt die nächste SMS. "Gute Entscheidung, so wird das was!" erscheint auf den Monitoren im Fahrerlager. Ein Techniker streckt den Daumen nach oben und grinst in die Kamera.

Statt dem vorhergesagten Regen gibt es glühende Hitze. Die Strecke in Sepang bleibt trocken, Lewis Hamilton holt seinen ersten Sieg. "Prima Tipp!" schreibt Schumacher auf die Facebook-Seite von Jörg Kachelmann. Alonso wird Sechster, Vettel bleibt ohne Punkte. "Mit diesem Wetter konnte ja niemand rechnen", sagt Vettel. Zehn von elf Teams schließen nach dem Rennen einen Vertrag mit Kachelmann ab.

3. Rennen: China (Shanghai)

Die Smog-Belastung in Shanghai ist so stark, dass nur 200 Zuschauer zum Rennen kommen, 45 davon bleiben zur Sicherheit im Streckenrestaurant.

Paul di Resta fährt sein drittes Jahr für Force India. RTL-Reporter Kai Ebel spricht ihn mit "Raul di Pesto" an und merkt nach einem Gespräch über die Eigenarten der chinesischen Kultur, dass er eigentlich Pastor Maldonado erwischt hat. Egal: Ebels Anzug sitzt perfekt.

Das Rennen gewinnt Kimi Raikkönen nach einem Start-Ziel-Sieg. Lotus-Pilot Romain Grosjean ist zwar noch nicht in Punkte gefahren, hat in dieser Saison aber auch noch niemanden von der Strecke geschoben. Er bekommt in Shanghai den ersten Fair-Race-Preis in der Geschichte der Formel 1 verliehen.

Red Bull legt Protest gegen die Seitenkästen von Sauber ein.

4. Rennen: Bahrain (Sakhir)

Fernando Alonso und Sebastian Vettel, Formel 1

Fernando Alonso und Sebastian Vettel: nicht wirklich Freunde.

(Foto: dpa)

Das Rennen findet natürlich statt. Bernie Ecclestone hat zuvor erklärt, dass sich die Formel 1 nicht für Politik interessieren würde. Er hatte aber auch erklärt, dass sich die Rennserie als Botschafter des Friedens sehen würde und dass er sich durchaus einen Friedensnobelpreis für sich selbst vorstellen könne.

Nico Hülkenberg gewinnt wieder nicht, er wird zum vierten Mal hintereinander Zweiter. Er führt damit zwar die WM-Wertung an und alle anderen Teams versuchen, die schmalen Seitenkästen zu kopieren (Red-Bull-Chef Christian Horner: "Die haben Flügel!") - aber niemand glaubt ernsthaft daran, dass Hülkenberg Weltmeister werden könnte.

Adrian Sutil wird übrigens gesehen, wie er die Garage bei Caterham putzt und Teamchef Cyril Abiteboul bittet, ihn nach seinem Rauswurf bei Force India als Testfahrer einzustellen.

5. Rennen: Spanien (Barcelona)

Endlich! Europa! "Die Saison beginnt jetzt erst richtig!", sagt Nico Rosberg. Und Lewis Hamilton. Und Niki Lauda. Die bislang erst acht WM-Punkte solle man nicht überbewerten. Und die Gerüchte über eine Rückkehr von Michael Schumacher seien auch nur erfunden.

Bernie Ecclestone regt sich derweil über die Zustände in Barcelona auf ("Testfahrten ja, Rennen nein") und kündigt an, in den kommenden Jahren auch Rennen in Saudi-Arabien, Kuwait und noch irgendwo anders in den Emiraten austragen zu wollen. Außerdem solle es bald eine Frauenserie geben.

Hülkenberg wird beim Sieg von Teamkollege Esteban Gutierrez Zweiter. Vettel und Alonso sind in einen Unfall verwickelt und drohen sich auf der Strecke Prügel an. Danach twittert Alonso: "Hier kann die Klinge, die den Tod bringt, wahrhaftig zum Schwert werden, das Leben schenkt."

6. Rennen: Monaco (Monte Carlo)

Monaco! Glamour! Heidi Klum lässt die letzten fünf Kandidatinnen bei "Germany's Next Topmodel" ein Fotoshooting in der Boxengasse von Mercedes absolvieren - sagt aber zu Vettel: "Das mit Hungry Heidi finde ich total daneben!" Vettel kichert nur. Bernie Ecclestone schaut vorbei und denkt noch mal über seine Pläne für die Frauenserie nach.

Kandidatin Janina schlingt sich elegant den Tankrüssel um die Hüfte, Heidi Klum hat aber diesmal leider kein Foto für sie. Ecclestone tröstet Janina und "hat da vielleicht einen Job" für sie. "Gute Wahl!" simst Michael Schumacher ins Mercedes-Lager. Diesmal nicht vom Wohnzimmersessel aus, sondern aus dem Cockpit eines bunt plakatierten Formel-1-Wagens. "Ist nur für die Werbung", grinst Schumi und streckt ein Würstchen in die Höhe.

Der Rennausgang interessiert an dem Wochenende niemanden mehr. Hülkenbergs Management schickt am Montag eine Pressemitteilung über den ersten Sieg des Sauber-Piloten.

7. Rennen: Kanada (Montreal)

Nicole Scherzinger, the girlfriend of McLaren F1 driver Hamilton of Britain, arrives ahead of the Malaysian F1 Grand Prix in Sepang

Nicole Scherzinger und Lewis Hamilton: immer wieder mal zusammen.

(Foto: REUTERS)

Über Lewis Hamilton taucht ein Interview auf, in dem er beteuert, seine alten Rambo-Zeiten seien endgültig vorbei. Autogenes Training und ein Mental Coach hätten aus ihm einen tiefenentspannten Kerl gemacht. Außerdem sei er wieder mit Nicole Scherzinger zusammen, die nur deshalb noch nicht bei einem Rennen war, weil sie gerade an ihrer zweiten Soloplatte arbeite.

In Montreal wird er zum vierten Mal in Folge nach dem Rennen mit einer Strafe belegt. Hamilton fühlt sich diskriminiert und verlangt die Einführung eines Ethikrats in der Formel 1. Ecclestone lacht.

Niki Lauda wird derweil immer ungehaltener über die Leistung von Mercedes in dieser Saison. Er will zurück zu RTL - doch da arbeitet jetzt Michael Schumacher und klaut gar Laudas Spruch: "Da ziehe ich meine Mütze!"

Red Bull legt noch einmal Protest gegen die Seitenkästen von Sauber ein.

8. Rennen: Großbritannien, Silverstone

Kimi Raikkönen gewinnt das zweite Rennen hintereinander und spricht von einem "guten Gefühl". Aus Mangel an Jubelbildern verzichten die Fotografen darauf, nach dem Rennen zum Podest zu stürmen und halten stattdessen auf Adrian Sutil, der den Helm von Charles Pic schrubbt.

Apropos Pic: Caterham präsentiert sich in dieser Saison überraschend stark - was bedeutet, dass die beiden Piloten nicht bei jedem Rennen ganz hinten landen. Jules Binachi und Max Chilton von Marussia sind die Schlusslichter - aber beide werden von phantastischen Sponsoren gefördert.

Ecclestone fragt bei Gelegenheit mal nach, ob diese Firmen auch Frauen unterstützen würden.

9. Rennen: Deutschland (Nürburgring)

Eigentlich sollte die Siegerin von "Germany's Next Topmodel" die Zielfahne schwingen, sie fällt nach einer langen Nacht in der Boxengasse von Mercedes jedoch aus. Wie aus dem Nichts ist Michael Schumacher zur Stelle und opfert sich.

"An erster Stelle steht meine Familie, aber ich bin da, wenn die Formel 1 mich braucht", spricht er vielsagend in die Reportermikrofone. Hinter ihm stapft ölverschmiert Adrian Sutil durchs Bild, mit einer Palette Kaffee fürs Fahrerlager von Caterham.

Tatkräftig winkt Schumacher Fernando Alonso als Ersten ins Ziel. Die spanische Presse bringt am Montag etliche Sonderseiten zum "Wilden Kampf des tapferen Torero" heraus. Alonso selbst twittert ein Foto von sich beim Polieren eines Säbels. Hülkenbergs Tweet zum Wochenende: "Immer noch Führender in der WM."

10. Rennen: Ungarn (Budapest/Mogyoród)

Schumacher faehrt in Rente

Michael Schumacher: wieder da.

(Foto: Sascha Schuermann/Dapd)

Es kommt zum Eklat, weil Alonso vor dem Qualifying ein Bild von sich bei Twitter hochlädt, das ihn als Samurai zeigt, der einen roten Bullen köpft. Pikant an der Sache ist, dass er während der Qualifikation tatsächlich Vettel von der Strecke rammt. Der Unfall verläuft glimpflich - doch Alonso steigt danach aus dem Auto und präsentiert eine Siegerpose.

Mark Webber beschwert sich derweil öffentlich: "Alonso zeigt einen roten Bullen bei Twitter - und rammt wieder Vettel! Was ist bitteschön mit mir?" Christian Horner antwortet ebenfalls öffentlich: "Mit Dir ist derzeit nichts los! Du bist in der WM-Wertung hinter Pastor Maldonado zurückgefallen." Er liegt übrigens auch noch hinter Jean-Eric Vergne und Daniel Ricciardo.

Der dritte Protest von Red Bull gegen die Seitenkästen von Sauber wird abgelehnt.

11. Rennen: Belgien (Spa-Francorchamps)

Eine der Lieblingsstrecken von Michael Schumacher. Er ist deshalb zufällig vor Ort - und als Lewis Hamilton wegen wiederholten Überschreitens des Tempolimits für das Rennen gesperrt wird, springt Schumacher als Mercedes-Pilot ein. "Ich bin zurück", verkündet er wie einst Michael Jordan.

Das Auffälligste an diesem Wochenende ist der Anzug von Kai Ebel - und dessen Versuch, vor dem Rennen Schumacher zu interviewen. Der lehnt wie in den 20 Jahren davor ab, weil er auf die Toilette muss. Ebel guckt bedröppelt.

Schumacher scheidet in Runde zwei nach einer Kollision mit Romain Grosjean aus. Kai Ebel kichert.

12. Rennen: Italien (Monza)

Vor dem Wochenende wird Michael Schumacher bei Mercedes wieder entlassen. In Maranello wird er mit Ferrari-Outfit gesehen. "Privat-Termin", sagt er. Mit den Fingerspitzen streicht er bedächtig über das Wappen auf seiner Brust.

Auch Niko Hülkenberg wird entdeckt, wie er sich mit Ferrari-Chef Luca di Montezemolo zum Mittagessen trifft. "Privat-Termin", sagt Hülkenberg. Alsonso ist dennoch erzürnt und veröffentlicht auf Twitter den Spruch: "Der Samurai muss auch dann seinen Weg gehen, wenn sein Chef ihn verlässt." Dazu ein Foto mit Machete.

Das Rennen gewinnt Nico Hülkenberg vor Esteban Gutierrez. Nun scheint allen klar zu sein, dass die beiden den WM-Titel unter sich ausmachen. Nur Sebastian Vettel nicht. Und Fernando Alonso. Und Lewis Hamilton. Und Mark Webber.

Nico Hülkenberg

Nico Hülkenberg: plötzlich WM-Kandidat.

(Foto: dpa)