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Wechsel in der Formel 1:Vettel auf dem Weg zu Ferrari

F1 Grand Prix of Japan - Practice

Abschied von Red Bull: Sebastian Vettel.

(Foto: Getty Images)
  • Der viermalige Formel-1- Weltmeister Sebastian Vettel gibt offziell bekannt, dass er Red Bull verlässt.
  • Wahrscheinlich wird der 27-Jährige zu Ferrari wechseln, wo er den Platz von Fernando Alonso übernehmen könnte.

"Ein so weit ganz guter Tag": So hatte Sebastian Vettel den Freitag bewertet, an dem er auf dem Suzuka International Racing Course Fünfter im Training für den Großen Preis von Japan geworden war. Fünfter - das ist nicht der Anspruch, den der inzwischen 27 Jahre alte viermalige Weltmeister hat. Einige Stunden nach dem Training informiert Vettel die Führungsmannschaft des Teams, mit dem er seit 2009 38 Siege errungen hat, dass sie in der kommenden Saison nicht mehr auf ihn bauen sollte.

Um 10.01 Uhr Ortszeit am Samstag gab Vettel den Schritt der Öffentlichkeit bekannt - per Nachricht auf seiner Homepage: "Ich habe mich entschlossen, Red Bull zu verlassen", schrieb er dort, "es ist ein großer Schritt und natürlich fällt es einem nicht leicht, eine solche Entscheidung zu treffen". Zu seinen Zukunftsplänen werde er "in Kürze etwas bekanntgeben". Weitere Kommentare wollte Vettel vor der Qualifikation nicht abgeben, in der er Neunter wurde und die beiden Mercedes-Fahrer Nico Rosberg (Erster) und Lewis Hamilton (Zweiter, 0,197 Sekunden zurück) erneut vorausjagten.

Danach verriet er, es sei nicht das erste Mal gewesen, dass sich ihm die Möglichkeit für einen Wechsel geboten hätte. Dem TV-Sender Sky sagte er: "Ich gehe nicht, weil mir etwas stinkt. Es ist eine Entscheidung für etwas Neues." Für ihn sei dies "ein riesengroßer Schritt": Red Bull sei sein "Zuhause" gewesen, "und man zieht im Leben nur einmal von zuhause aus". Und weiter: "Wenn man der inneren Stimme folgt, ist das nicht immer das Leichteste, aber hoffentlich das Richtige."

Formel 1 Nico Rosberg holt die Pole
Formel 1 in Japan

Nico Rosberg holt die Pole

Es geht wieder aufwärts für Nico Rosberg: Beim Qualifying in Suzuka holt er die Pole Position, vor seinem schärfsten Kontrahenten Lewis Hamilton. Es folgen zwei Williams, die Red-Bull-Piloten haben erneut große Probleme

Vettel war früh von Red Bull gefördert worden. Die österreichische Getränkefirma hatte ihn bereits unterstützt, als er noch in wenig beachteten Nachwuchsklassen angetreten war. 2007 holte sie den damals gerade 20 Jahre alt gewordenen Vettel in ihr Nachwuchsteam Toro Rosso. 2008 glückte Vettel für das mit unterlegenem Material ausgerüstete Team beim verregneten Großen Preis von Italien in Monza der erste Sieg. Mit diesem Paukenschlag rüttelte er das Formel-1-Establishment auf. 2009 folgte die Beförderung zu Red Bull Racing; mit dem Team gewann Vettel die Titel von 2010 bis 2013 in Serie. Seine Beziehung zu der Firma galt als besondere. "Ich habe schon mit 13 den Partner fürs Leben gefunden", hat er einmal über die treue Unterstützung von Red Bull gesagt.

Der Wagen "Suzie" liegt Vettel nicht

In diesem Jahr war die Beziehung allerdings merklich abgekühlt. Der Wagen mit dem Kürzel RB10, dem er den Spitznamen "Suzie" gegeben hat, liegt Vettel nicht. Bei den Vorbereitungstestfahrten und in der ersten Saisonhälfte gab es viele technische Probleme. Der Titelverteidiger kam nie richtig in Schwung - ganz anders als sein neuer Teamkollege Daniel Ricciardo. Dem 25 Jahre alten Australier glückten bereits drei Siege, für Vettel war Platz zwei beim jüngsten Auftritt in Singapur das bisher beste Ergebnis der Saison. Häufig haderte er mit dem Material.

Einmal beschimpfte er sein Auto als "Gurke", ein anderes Mal hielt er dem Team vor, es schicke ihn "mit einem Holzknüppel" in eine Schlacht mit Scharfschützen. Der Ton ließ bereits ahnen, wie stark die Beziehung erschüttert war. Die Ankündigung von Adrian Newey, dem Konstrukteur der Siegerwagen der vergangenen Jahre, künftig kürzer treten zu wollen, dürfte die Lust auf eine Veränderung bei Vettel ebenso beflügelt haben, wie die Aussicht, 2015 seinen langjährigen Renningenieur Guillaume Rocquelin zu verlieren. Der Franzose wird im Team befördert.

Formel-1-Pilot Vettel

Schumachers Erbe

Formal hätte Vettels Kontrakt noch bis Ende 2015 gegolten, doch Firmeneigner Dietrich Mateschitz hatte stets betont: Er werde Vettel nicht aufhalten, wenn es ihn zu einem anderen Team ziehe. Auch Teamchef Christian Horner sagte am Samstag in Suzuka: "Wenn einer mit dem Herzen nicht mehr dabei ist, ist es egal, was auf dem Papier steht." Bereits kurz nach Vettels Ankündigung gab der Rennstall bekannt, wer 2015 dessen Platz neben Daniel Ricciardo einnehmen wird: der 20-jährige Russe Daniel Kwiat, der in diesem Jahr seine erste Formel-1-Saison bestreitet und in den 14 Rennen bisher für Toro Rosso acht Punkte holte. Vettel durch einen anderen einstigen Weltmeister zu ersetzen, stand offenbar nicht zur Debatte. "Unsere Philosophie ist es, der Jugend eine Chance zu geben", so Teamchef Christian Horner auf die Frage, ob Fernando Alonso, der Champion der Jahre 2005 und 2006, eine mögliche Alternative gewesen sei.

Alonso gilt ebenfalls als wechselwillig

Alonso, der seit fünf Jahren glücklos bei Ferrari seinem dritten Titel hinterherjagt, gilt ebenfalls als wechselwillig. Der 33 Jahre alte Spanier hat in Japan mehr als angedeutet, dass er noch einmal eine neue Herausforderung sucht. Trotz eines an sich bis Ende 2016 gültigen Ferrari-Vertrags gilt er als Top-Kandidat für den britischen McLaren-Rennstall, der im kommenden Jahr mit dem neuen Motorenpartner Honda und großen Ambitionen an den Start geht. Wahrscheinlich wird Vettel Alonsos Platz einnehmen, um seinem großen Vorbild nachzueifern: Michael Schumacher.

Der führte die Scuderia aus Maranello aus einem Tief zu fünf WM-Titeln. Vettel, der mit der Historie seines Sports sehr gut vertraut ist, weiß wohl, wie sehr ein ähnlicher Aufschwung seinen Ruf mehren würde. Ferrari umgebe schlicht "ein gewisser Mythos", hat er einmal geschwärmt, es sei der Traum wohl jeden Rennfahrers, einmal für dieses Team zu fahren. Es sieht so aus, als sei er diesem Traum nun ganz nahe. Ferrari habe Vettel "offenbar ein sehr attraktives Angebot" unterbreitet, verriet Red-Bull-Teamchef Christian Horner.