Formel 1 in der Türkei:Bottas klaut den Favoriten den Sieg

F1 Grand Prix of Turkey

Valtteri Bottas gewann auf der Strecke in Istanbul.

(Foto: Bryn Lennon/Getty Images)

Doppelpodium für Red Bull, der WM-Führende heißt wieder Verstappen: Beim Grand Prix in Istanbul ist ein Finne der Schnellste - die Titel-Kandidaten erleben ein ereignisreiches Rennen.

Sauer stapfte Lewis Hamilton nach dem Verlust der WM-Führung durch die Boxengasse von Istanbul, Max Verstappen machte nach seiner Rückkehr an die Formel-1-Spitze sogar Scherze. Im Regen der Türkei verdrängte der Red-Bull-Pilot als Zweiter hinter Gewinner Valtteri Bottas den siebenmaligen Weltmeister wieder von der Spitze. Nach einer Strafversetzung rettete sich Hamilton von Rang elf noch auf Platz fünf.

Im am Ende packenden Reifenpoker klagte er aber über den vom Mercedes-Kommandostand angekündigten Zeitpunkt des Boxenstopps. In der WM-Wertung liegt der Brite nach seiner holprigen Aufholjagd nun sechs Zähler hinter dem Niederländer, der vor zwei Wochen in Russland furios von Rang 20 auf zwei gerast war. "Wir sind glücklich mit dem zweiten Platz. Unter diesen Bedingungen ist es einfach, Fehler zu machen", sagte Verstappen, dessen Teamkollege Sergio Perez am Sonntag Dritter wurde.

Auf die Frage, was für ihn im Grand Prix am Schwersten gewesen sei, scherzte er: "Wach zu bleiben." Vor Zehntausenden Fans verzockte sich Sebastian Vettel im Aston Martin beim Boxenstopp, als er ein Risiko mit Trockenreifen einging. Er blieb als 18. zum vierten Mal nacheinander ohne Zähler. Nach dem besten Qualifikationsergebnis seiner Karriere warf Mick Schumacher im unterlegenen Haas eine frühe Kollision mit Alpine-Routinier Fernando Alonso zurück. Überrundet schleppte er sich als 19. über die Ziellinie.

"Es ist alles möglich", meinte Mercedes-Teamchef Toto Wolff vor dem Erlöschen der Roten Ampeln angesichts der schwierigen Wetterbedingungen. Nebel und Nieselregen rund um den Intercity Istanbul Park zwangen Hamilton & Co. zunächst zu Intermediates. "Ich muss, ich will das Rennen irgendwie gewinnen", verkündete der Weltmeister, der nach einem regelwidrigen Motorentausch statt von Rang eins nur von Platz elf starten durfte. Erster Profiteur war sein Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas, der das Feld in die 170 Meter bis zur ersten Bremszone führte.

Direkt dahinter lauerte Verstappen, der allerdings schon das ganze Wochenende die Balance seines Red Bull bemängelt hatte. An Bottas kam der Niederländer nicht vorbei, Hamilton machte ebenfalls zunächst kaum Boden gut. Schumacher war nach Startplatz 14 "sehr, sehr glücklich" gewesen. Der 22-Jährige kam auch erstmal gut weg. Eine Berührung mit Alonso, der nach einem Dreher auf den Asphalt zurückkehrte, warf ihn aber ans Ende des Feldes zurück.

Die Rennkommissare brummten dem zweimaligen Weltmeister aus Spanien eine Fünf-Sekunden-Strafe auf. Vettel hing nach einer weiteren enttäuschenden Qualifikation auf Position zehn fest. Hamilton arbeitete sich weiter nach vorne. Erst an Yuki Tsunoda und Lance Stroll vorbei, dann an Lando Norris und Pierre Gasly. Die Intermediates verloren immer mehr an Profil, das richtige Timing für Reifenwechsel beschäftigte die Kommandostände. Bottas bestimmte vorne das Tempo mit sicherem Vorsprung auf Verstappen. Hamilton kämpfte spektakulär Rad an Rad gegen Perez im zweiten Red Bull, hing aber erstmal fest.

Verstappen kam in der 37. Runde als erster Pilot aus der Spitzengruppe an die Box, fiel aber nur auf Platz drei zurück. Bottas erhielt einen Umlauf später frische Intermediates. Vettel versuchte es indes mit den Medium-Reifen, musste aber rasch das Experiment beenden und die Gummis wieder wechseln. "Es funktioniert nicht", musste der viermalige Weltmeister enttäuscht einräumen. Hamilton ging ebenfalls ins Risiko. Der siebenmalige Weltmeister zögerte seinen Boxenstopp so lange heraus wie nur möglich.

Ein Jahr nach seinem vorzeitigen Titelgewinn in der Türkei, als er in einem Regenchaos von Position sechs noch ganz nach vorne gefahren war, wollte er zumindest den Sprung auf das Podest erzwingen. In Runde 51 war es dann soweit, der erste Reifensatz war schon abgefahren. Hamiltons Dienstwagen erhielt nun frische Gummis. Bei der Rückkehr auf die Strecke verlor er zwei Plätze und war Fünfter. Hamilton musste sich nun sogar noch gegen den drängenden Gasly im Alpha Tauri wehren, er verteidigte aber immerhin noch seinen Rang.

© SZ/dpa/bek
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