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Formel 1:Im Eiltempo zur Revanche

F1 Grand Prix of Styria - Qualifying

Sebastian Vettel startet nur von Platz zehn.

(Foto: Bryn Lennon/Getty Images)

Noch nie in 70 Jahren Formel 1 wurden zwei Rennen in einer Woche auf der gleichen Strecke gefahren. Das bringt den Teams wertvolle Daten - die vor allem Ferrari gebrauchen kann.

Von Elmar Brümmer

An Sommertagen wie diesen, wenn es nachmittags um vier so düster ist wie abends um sechs im November, schwankt die Stimmung im Fahrerlager der Formel 1. Die fortgesetzten Wolkenbrüche über dem Murtal hatten schon verhindert, dass ein Abschlusstraining zum Großen Preis der Steiermark stattfinden konnte, und auch die Qualifikation musste um eine Dreiviertelstunde verschoben werden. Der Kalauer von den Schwimmreifen machte angesichts des Aquaplanings auf der Berg- und Talbahn die Runde.

Michael Masi, der Renndirektor, wirkt in diesen Situationen sehr ernst. Der Australier ist für die Sicherheit verantwortlich, und er kann gar nicht vorsichtig genug sein. Tapfer antwortete er auf die Frage, wie interessant ein Qualifying im Dauerregen werden würde: "Das Wort interessant halte ich für untertrieben." Einzig die 20 Rennfahrer lieben bei allen Klagen über die miserable Sicht solche Verhältnisse: die schwächeren, weil sie im Chaos eine Chance wittern nach vorn zu kommen. Die starken, weil sie zeigen können, wie gut sie wirklich sind.

Masi hatte dann das richtige Timing für den Start erwischt, und die Top-Piloten Lewis Hamilton und Max Verstappen lieferten sich bis zur letzten Runde ein Duell um die Pole-Position. Die ging zum insgesamt 89. Mal an den Weltmeister im Mercedes, nachdem sich der Niederländer mit dem Red Bull in der Schlusskurve von der Strecke gedreht hatte. Hamiltons Physiotherapeutin Angela Cullen begann daraufhin, den Ellbogen rauszustrecken - um sich mit der Boxencrew ihres Schützlings auf virenfeindliche Art zu beglückwünschen. (Hier finden Sie die Startaufstellung)

"Genial", gratulierte der Renningenieur über Funk, "genial" kam das Lob an die Mechanikermannschaft zurück. Valtteri Bottas, Sieger des ersten Rennens an gleicher Stelle vor einer Woche, wurde diesmal Vierter. Die Ferrari-Piloten Sebastian Vettel und Charles Leclerc belegten die Plätze zehn und elf und müssen einmal mehr auf Rennglück hoffen. Die Rennlotterie geht am Sonntag in eine neue Ausspielung, denn dann sind wieder trockene Wetterverhältnisse angesagt. Es scheint so, dass die Königsklasse bei ihrem verspäteten Saisonstart von allen Elementen der Dramatik begleitet werden. Die Reise ins Ungewisse dürfte sich fortsetzen.

Einmal ist kein Mal, zweimal ist nochmal? Erstmals in 70 Jahren Formel 1 werden zwei Rennen auf der selben Strecke hintereinander ausgetragen. Das erlaubt zwischen dem Großen Preis von Österreich und dem Großen Preis der Steiermark direkte Rückschlüsse darauf, wer wirklich wo steht - und wer sich in der Zwischenzeit verbessern konnte. Zum wiederholten Mal die gleiche Streckencharakteristik, gleichbleibende Parameter bei der aufwändigen Rennwagenabstimmung, aktuelles Datenmaterial gegenüber den für gewöhnlich ein Jahr alten Werten, mit denen die Supercomputer gefüttert werden.

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