Max Verstappen in der Formel 1Vom Dauersieger zum Problemkind

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Frustriert und sarkastisch: Max Verstappen nach seinem Ausfall in Spielberg.
Frustriert und sarkastisch: Max Verstappen nach seinem Ausfall in Spielberg. (Foto: Philipp von Ditfurth/dpa)
  • Max Verstappen liegt in der Formel-1-Weltmeisterschaft 61 Punkte hinter dem Spitzenreiter und hat laut Red-Bull-Berater Marko kaum noch Chancen auf den Titel.
  • Red Bull Racing ist innerhalb von anderthalb Jahren vom Dauersieger zum Problemkind geworden, während McLaren mit einer Dominanz und Teamumstrukturierung die Kehrtwende geschafft hat.
  • Es gibt Gerüchte über einen möglichen Wechsel Verstappens zu Mercedes oder Aston Martin, obwohl er noch bis 2028 bei Red Bull unter Vertrag steht.
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Schon 61 Punkte Rückstand: Mit dem WM-Titel dürfte Max Verstappen in dieser Formel-1-Saison nichts zu tun haben. Die Gerüchte über einen Wechsel werden lauter.

Von Elmar Brümmer, Spielberg

Fünf Weltmeistertitel, das ist die Kennzahl, die die Großen in der Formel 1 von den ganz Großen unterscheidet. Geschafft haben das in 75 Jahren Königsklasse bislang nur Michael Schumacher, Lewis Hamilton und Juan-Manuel Fangio, wobei der Kerpener Schumacher der Einzige ist, dem fünf Gesamtsiege in Serie gelangen, nach der Jahrtausendwende mit Ferrari. Es sieht ganz danach aus, als könne diese Bester-der-Besten-Marke auch nach diesem Rennjahr Bestand haben. Denn Max Verstappen, für den der Große Preis von Österreich kurz nach dem Start beendet war, wollte sich in seinem Frust erst gar nicht mehr zu seinen Titelchancen äußern: „Wir kämpfen doch sowieso nicht um die Weltmeisterschaft“, sagte er.

Sein eigenes, unverschuldetes Aus bei gleichzeitiger Machtdemonstration der McLaren-Piloten Lando Norris und Oscar Piastri wirkte wie die Bestätigung eines Fluchs, der auf Red Bull Racing liegt: Auch der Heppenheimer Sebastian Vettel war an seinem fünften Titel in Serie gescheitert. In der Gesamtwertung liegt Verstappen kurz vor der Saisonhalbzeit nun schon 61 Punkte hinter Spitzenreiter Piastri.

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Lando Norris gewinnt das Formel-1-Rennen von Österreich, knapp vor seinem McLaren-Teamkollegen Oscar Piastri. Für Titelverteidiger Max Verstappen läuft es weniger gut: Der Weltmeister wird in der ersten Runde abgeräumt.

Von Elmar Brümmer

Helmut Marko nutzt als Motorsportberater des Getränke-Rennstalls das Sky-Mikrofon gern dazu, Hoffnung zu machen, zumal beim Heimspiel seines Teams. Der Grazer wirkte bei seiner Bilanz nach den 70 Runden kraftlos, was eindeutig nicht nur an der Hitze lag: „Der Rückstand ist fast unaufholbar. Wenn nicht noch etwas Außergewöhnliches passiert, müssen wir davon ausgehen, dass die WM dahin ist.“ Christian Horner, der Teamchef, sah den Ausgang des Großen Preises von Österreich als symptomatisch an: „Es wird ein Rennen mit nur zwei Pferden.“ Eine traurige Karawane von Wohnmobilen bewegte sich am Montag von der Steiermark zurück in die Niederlande, auch den Verstappen-Anhängern ist inzwischen klar: Das Orange von McLaren ist das neue Oranje.

Red Bull Racing ist innerhalb von anderthalb Jahren vom Dauersieger zum Problemkind geworden, jetzt schlagen die internen Querelen und der Verlust wichtiger Teammitglieder erst richtig durch. Beinahe sehnsüchtig beschwört der Brite Horner die Grundwerte, mit denen Erzfeind Mercedes erst herausgefordert und dann besiegt worden war: „Ich glaube noch immer, dass es in diesem Team Stärke und Tiefe gibt. Leider sehen wir diese bei den aktuellen Leistungen nicht. Wir müssen einfach cleverer arbeiten.“ Vielleicht ist es auch so, dass sich der erfolgsverwöhnte Konzern-Rennstall als underdog wohler fühlt, dass der Angriff leichter fällt als die Verteidigung.

Auf der technischen, nicht auf der mentalen Seite liegt das große Problem von Red Bull Racing

Das umschreibt exakt die Einstellung, die Max Verstappen auszeichnet. Seit Wochen fungiert er als Team im Team und nimmt Rückschläge wie das Pech in der Qualifikation von Spielberg oder die Abräumaktion durch den Mercedes-Junior Andrea Kimi Antonelli am Sonntag scheinbar stoisch hin. „Meine Mentalität ändert sich nicht“, sagte er, und es wirkte beinahe sarkastisch, wie sich der 27-Jährige in Plattitüden flüchtete: „Wir versuchen immer das Maximale herauszuholen, da ist ein solches Wochenende natürlich nicht optimal.“ Das einzig Erfreuliche für den Titelverteidiger war die Tatsache, dass zu Wochenbeginn zwei seiner Strafpunkte in der Verkehrssünderkartei der Formel 1 verfallen sind, er ist jetzt wieder drei Punkte von einer möglichen Sperre entfernt.

Aber auch diese Arithmetik gehört zu den Dingen, die den Champion zunehmend nerven. Die technische Aussichtslosigkeit seines höchst launischen Rennwagens kratzt auch an der Souveränität des Fahrers. Möglicherweise hat die größere Nachdenklichkeit, die er inzwischen auch öffentlich an den Tag legt, auch mit den wieder stärker gewordenen Gerüchten über einen vorzeitigen Weggang von Red Bull zu tun. Im Fahrerlager von Spielberg war ein möglicher Wechsel zu Mercedes das vorherrschende Thema und wird wohl auch so lange eins bleiben, bis George Russell bei den Silberpfeilen als Pilot für 2026 bestätigt wird.

Christian Horner schüttelte solche Absichten als „die üblichen Geräusche“ ab, Helmut Marko wurde schon detaillierter: „Es gibt einen Vertrag bis 2028, in dem gibt es leistungsbezogene Ausstiegsklauseln. Nach derzeitigem Stand gibt es keinen Grund daran zu zweifeln, dass der Vertrag erfüllt wird.“ Fast schon ironisch, dass bei der Kollision mit Antonelli vielleicht zwei künftige Teamkameraden aufeinandergeprallt sind. Falls bei aller Diskussion um ein Mercedes-Cockpit nicht am Ende ohnehin der potente Rennstall von Aston Martin das Rennen machen sollte, bei dem Red Bulls technischer Meistermacher Adrian Newey angeheuert hat.

Auf der technischen, nicht auf der mentalen Seite liegt das große Problem von Red Bull Racing. Das beste Beispiel dafür ist die Dominanz von McLaren. Mit einem konsequenten Umbau des Rennstalls hat der britische Dinosaurier innerhalb von jenen anderthalben Jahren die Kehrtwende geschafft, in denen Verstappens Rennstall abgestürzt ist. Das alte Gesetz, dass ein Rennfahrer immer nur so gut sein kann wie sein Rennwagen, hat der Niederländer bei seinen zwei Siegen in dieser Saison dank des eigenen Könnens außer Kraft gesetzt. Dennoch bleibt da eine große Frage: Was wäre für Verstappen wohl in einem anderen Auto möglich?

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