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Sieben Kurven in der Formel 1:Hamilton hat Wut im Bauch

Der Brite bekommt nach dem verpatzten Sieg Unterstützung vom Teamchef, Gewinner Valtteri Bottas schickt Flüche an seine Zweifler. Die Höhepunkte des Formel-1-Wochenendes.

Von Elmar Brümmer

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Valtteri Bottas

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Quelle: AFP

Was ist bemerkenswerter: dass der zweite Mann bei Mercedes und in der Weltmeisterschaft doch noch Rennen gewinnen kann (sein zweites nach dem Auftaktsieg in dieser Saison) - oder dass der Finne doch zu emotionalen Ausbrüchen fähig ist, die von der Fernsehregie überpiept werden müssen? Es war eine "F... y.."-Botschaft an alle Zweifler. Bottas ist immer wieder Ziel von üblen Späßen in den so genannten sozialen Medien, und irgendwann reicht es auch einem der gutmütigeren Rennfahrer. Diesmal ging der Fluch in Richtung all jener, die ihm geraten haben, doch einfach aufzugeben. Wird er nicht, warum auch? Zwar hat auch der Sonntag in Putins Autodrom gezeigt, dass es für einen Bottas-Erfolg meist eine Hamilton-Schwäche braucht. Aber wenn es mal läuft, dann kann Bottas auch alles unter Kontrolle bekommen.

"Ich werde nie aufgeben" beschied er später, nachdem er seinen Rückstand in der WM etwas abgeknabbert hatte, allerdings liegt dieser immer noch bei 44 Punkten. Bottas trotzig: "Aber die Dinge können ja nicht ewig gegen einen laufen. Wer weiß, was noch passiert." Bestes Beispiel ist ja Sotschi selbst: Samstags unglücklicher Dritter, hat er sich am Start gleich an Max Verstappen vorbeigesaugt und so die Grundlage für den neunten Sieg seiner Karriere gelegt. Den ersten hatte er 2017 auch am Kaukasus gefeiert.

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Mick Schumacher

Formel-2-Pilot Mick Schumacher

Quelle: dpa

Für das Heimspiel am Nürburgring hat sich der Sohn des Rekord-Weltmeisters schon in Schwung gebracht. Nachdem die meisten Fragen in Sotschi zunächst dem möglichen Gleichstand nach Siegen zwischen Lewis Hamilton und seinem Vater galten, hat Mick Schumacher in den beiden Formel-2-Rennen auf seine Art geantwortet: Mit einem Sieg im langen Rennen und einem dritten Platz im Sprint. Damit hat er seine Führung in der Nachwuchs-Liga weiter ausgebaut. Mit jedem Pünktchen macht der 21-Jährige einen Schritt näher Richtung Formel 1. Beim Großen Preis der Eifel soll er am Freitagmorgen das erste Freie Training in einem Auto des Ferrari-Kundenteams Alfa Romeo bestreiten. "Wenn ich so weitermache, dann sieht es gut aus", sagte Schumacher in Sotschi - und meint wohl den Gesamtsieg in der Formel 2. Oder etwa den Aufstieg in die Königsklasse? Vermutlich egal, das eine hängt für den Ferrari-Junioren ohnehin mit dem anderen zusammen. Allerdings muss er auf beiden Finalwochenenden in Bahrain jetzt noch 60 Tage warten. Da sind Formel-1-Tests eine willkommene Abwechslung.

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Lewis Hamilton

F1 Grand Prix of Russia

Quelle: Getty Images

Die Ewigkeit dauert nun noch ein bisschen länger. Lewis Hamilton fehlt weiterhin ein Sieg auf Michael Schumachers Bestmarke von 91 Siegen. Trotz Pole Position, trotz souverän gewonnenem Start, trotz cleverer Fahrweise beim Re-Start. Am Ende ist der Brite Dritter, weil sein Boxenstopp zehn Strafsekunden länger dauert als geplant. Die Quittung der Rennleitung für zwei Probestarts vor dem Beginn des zehnten WM-Laufs an falscher Stelle.

Als "lächerlich" kommentierte er zunächst die Strafe durch die Rennleitung, um im ersten Frust nachzulegen: "Die Kommissare versuchen, mich zu bremsen." Mit ordentlich Wut im Bauch schaffte er es vom elften Rang zumindest aufs Podium, wo er auf die Nachfragen so tat, als sei er schwerhörig. Von seinem Renningenieur Pete Bonnington wollte er während der Fahrt auch nichts mehr wissen, nur die eine Frage stellte er noch: "Wo steht denn das im Regelbuch?" Nach der übersehenen Warntafel in Monza ist es das zweite Mal in diesem Monat, dass ein juristischer Fauxpas Hamilton einen Sieg kostet. Seine Kritiker formierten sich schnell, warfen dem Briten vor, dass das die Quittung dafür sei, auf den üblichen Streckenrundgang donnerstags zu verzichten, auf denen solche Dinge besprochen würden. Ganz so war es aber nicht. (Siehe Toto Wolff)

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Toto Wolff

F1 Grand Prix of Russia - Final Practice

Quelle: Getty Images

Ein Chef, der sich vor seinen Chauffeur stellt, das klingt selbstverständlich. Ist es aber nicht immer. Ein Chef, der das Bußgeld seines Fahrers auf sich nimmt, auch nach dem müsste man in der freien Wirtschaft wohl länger suchen. Toto Wolff, der Teamchef von Mercedes, hat beides getan, um Lewis Hamilton in Sotschi zu schützen. Vor der Häme, aber auch vor zwei Strafpunkten im Sündenregister, die den Titelverteidiger bedrohlich nah an eine Rennsperre gebracht hätten. Die Stelle für die von der Rennleitung als illegal gewerteten Startversuche vor dem Grand Prix hatte sich der WM-Tabellenführer nach Rückfrage beim Kommandostand ausgesucht. Weshalb Wolff bei der Rennleitung vorsprach. Nach Ansicht der Mercedes-Strategen war der Startplatz nicht eindeutig genug ausgewiesen. Renndirektor Michael Masi befand: Doch. Aber damit habe es sich auch um einen Fehler der Strategen gehandelt, nicht bloß um einen des Fahrers. Die Kommissare hörten den Mercedes-Boxenfunk noch einmal ab - und revidierten das Urteil in einem Punkt: Hamilton kommt ohne Strafpunkte davon. Mercedes kassiert dafür eine Geldbuße in Höhe von 25 000 Euro.

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Sebastian Vettel

F1 Grand Prix of Russia

Quelle: Getty Images

So ein richtiger Glückwunsch ist es nicht, den der Heppenheimer von seinem Team zum 250. Rennen in der Formel 1 bekommen hat. Im Bulletin der Scuderia hieß es: "Am Start behielt er Platz 14 und hat dann das ganze Rennen außerhalb der Punkte verbracht." Überrundet blieb am Ende der 13. Rang. Das ist alles sachlich richtig, aber wenig mitfühlend. Gut, der Heppenheimer hatte mit einem heftigen Crash in der Qualifikation den Mechanikern auch unfreiwillig Zusatzarbeit verschafft. Der SF 1000 und er bleiben aber auch trotz einiger aerodynamischer Modifikationen auf Kriegsfuß.

Dass Kollege Charles Leclerc im baugleichen Auto Sechster werden kann, spricht nicht unbedingt für den vierfachen Weltmeister. Vettel gibt zu, dass er selbst nicht schnell genug gewesen sei und spricht von der Langeweile eines Rennfahrers, wenn man im Verkehr feststecke. Einer der aufregendsten Momente war wohl der, als ihn Carlos Sainz junior, sein Nachfolger bei Ferrari, beim Crash nach dem Start fast von der Piste geräumt hätte. Nur noch sieben Rennen, dann kann Vettel von Rot auf Grün wechseln.

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Kimi Räikkönen

F1 Grand Prix of Russia

Quelle: Getty Images

Letzter in der Qualifikation von Sotschi, Rang 14 im Rennen - und trotzdem ist ein Glückwunsch an den Branchen-Senior fällig: Der Große Preis von Russland war der 322. Grand-Prix-Einsatz von Kimi Raikkönen, damit hat er in der Ausdauerwertung der Formel 1 die Spitze erobert. Für zwei Wochen muss er sie sich noch mit dem ehemaligen Ferrari-Beifahrer Rubens Barrichello teilen, dann gehört der Rekord dem Weltmeister von 2007 ganz allein. Vielleicht wird der bald 41-Jährige noch eine Saison bei Alfa Romeo dranhängen, dann allerdings "ganz sicher nicht, weil mir sonst Fernando Alonso die Bestmarke schon wieder wegschnappen könnte. Mir bedeuten Zahlen eh nicht so viel." Auffällig geworden ist er an diesem Wochenende einzig durch eine 1000-Dollar-Strafe für eine Geschwindigkeitsüberschreitung in der Boxengasse. Das Dasein im hinteren Mittelfeld macht ihn nicht zwingend unglücklich: "Jeder weiß, dass es am Ferrari-Leihmotor liegt und nicht am Fahrer."

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Stefano Domenicali

Stefano Domenicali

Quelle: dpa

Kein schlechter Einstand für den künftigen Formel-1-Chef Stefano Domenicali. Mercedes-Sportchef Toto Wolff sagt, dass er sich überhaupt keine Sorge mache, dass die lange Ferrari-Historie des Italieners eine Parteilichkeit hervorrufe: "Stefano ist ein Mann mit Integrität und er wird versuchen, den Sport bestmöglich zu entwickeln. Dazu wird auch gehören, dass er vermutlich versuchen wird, uns einzubremsen, aber das gehört zum Spiel." Der 55-Jährige, der im Januar den US-Amerikaner Chase Carey ablöst, hat ob seiner Cleverness und seines Charmes einen Vertrauensvorschuss im Fahrerlager, und das will etwas heißen. Aber Stallgeruch ist dort wichtig. Der amtierende Ferrari-Teamchef Mattia Binotto freut sich natürlich darauf, einen alten Freund wieder zu treffen: Wir haben uns schließlich gemeinsam bei Ferrari hochgearbeitet. Ich freue mich darauf, mit ihm für den Sport zu arbeiten, damit die Formel 1 noch stärker und spektakulärer wird."

© SZ.de/ska

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