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Motorsport:Wie die Formel 1 faszinierend bleiben kann

Großer Preis von Ungarn - Rennen

Max Verstappen im Red Bull (l.) hat in den vier Rennen vor der Sommerpause gezeigt, dass er Mercedes Druck machen kann.

(Foto: dpa)

So eintönig der Saisonstart geriet, so spektakulär drehte sich das Blatt vor der Sommerpause. Mit welchem Gesicht wird die Rennserie im September zurückkehren?

Am Rande eines Formel-1-Rennens wird nicht nur gefeiert, getrunken und gezeltet. Es wird auch unheimlich viel geredet. Allein die Zahl der Pressekonferenzen, die zwischen Donnerstag und Sonntag abgehalten werden, ist im Vergleich zu anderen Sportarten enorm. Hinzu kommen noch Termine, die Rennfahrer und Verantwortliche in kleinerer Runde wahrnehmen; es wird so viel geredet und gefilmt, dass eine irre Bemerkung in der Flut der Aussagen untergehen kann.

Ende Juni traf sich die Formel 1 an der Rennstrecke in Spielberg, in der Woche zuvor war sie ein Rennen in Frankreich gefahren. Wobei, Rennen? In Le Castellet hatte es den sechsten Doppelsieg von Mercedes im achten Grand-Prix des Jahres gegeben. Anstelle von Überholmanövern sahen die Zuschauer einen Autokorso, der sich von den Hochzeitsprozessionen nur insofern unterschied, als es keine weißen Schleifen oder Blumen gab. Und niemand hupte.

Sieben Kurven in der Formel 1

Vettel braucht dringend Urlaub

Als also die Teamchefs nach der mancherorts als langweiligste Rundfahrt in der Geschichte der Formel 1 bezeichneten Veranstaltung wieder zusammentrafen in Österreich, da war eine kollektive Verzweiflung greifbar. Der Teamchef eines kleineren Rennstalls - das plauderte Toto Wolff aus, der Boss von Mercedes - schlug vor, sogenannte Performance-Gewichte unter dem Sitz von Lewis Hamilton zu verstauen. Der Ausdruck ist irreführend, da sich Gewichte im Rennsport nicht vorteilhaft auswirken auf die Performance, sondern bremsen. Ein anderer Teamchef tat kund, erzählte Wolff, dass er die Idee klasse fände. Selbstredend wurde nicht verabredet, diesen Vorschlag in die Realität zu überführen. Die Einführung von Gewichtsplatten würde die DNA der in der Theorie auf Chancengleichheit angelegten Formel 1 so verändern, dass ihr bald auch noch die letzten Motorsportfreunde davonlaufen würden. Der Vorschlag zeigte vor allem die empfundene Ohnmacht der kleineren Teams.

Verstappen steht im Zentrum des Umschwungs

Auch andere Ideen wurden debattiert und wieder verworfen: eine Rückkehr zu den Reifen des Vorjahres, eine umgekehrte Startaufstellung, in der der schnellste Fahrer der Qualifikation nicht von vorne, sondern von hinten los rollt. Oder die Wiedereinführung von Tankstopps im Rennen. Es gab viele revolutionäre Ideen, doch sechs Wochen nach Spielberg zeichnet sich ab, dass die meisten von ihnen wieder in der Schublade verschwinden dürften.

Auf die Langeweile von Frankreich folgte die Hitze in Österreich. Mit der Hitze kam die Wende. Und mit der Wende kam der Aufstieg des Max Verstappen.

Der 21 Jahre alte Niederländer und sein Team von Red Bull stehen im Zentrum des Umschwungs, der die Formel 1 seit vier Grand Prix erfasst hat. Der Rennstall aus Österreich hatte zu Saisonbeginn am meisten unter der verordneten Vereinfachung der Flügelstruktur in der Formel 1 gelitten, hatte er doch aus seiner Aerodynamik zuvor stets einen Wettbewerbsvorteil gezogen. Seit Spielberg hat Red Bull den Flügel im Griff, Verstappen gewann dieses Rennen und auch jenes in Hockenheim. In Silverstone wurde er nur deshalb Fünfter, weil ihm Sebastian Vettel ins Heck rauschte. Und beim letzten Auftritt der Formel 1 vor der Sommerpause in Ungarn wurde er Zweiter, nachdem er zum ersten Mal in seiner Karriere die Pole-Position erobert hatte. Vier Rennen wurden gefahren, in denen die Formel 1 bewiesen hat, welche Kraft sie verbreiten kann, selbst wenn der Titelkampf entschieden zu sein scheint.