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Formel 1:Scheich Hamilton scheitert an der Kupplung

Der Formel-1-Weltmeister verstört mit seinem Outfit, Fernando Alonso pöbelt und Kimi Räikkönen ärgert sich über "den ganzen Bullshit": Die sieben Zylinderköpfe aus Bahrain.

Von Elmar Brümmer

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Fernando Alonso

Bahrain Formula One Grand Prix

Quelle: dpa

Der Horror-Crash von Melbourne hatte dann doch Folgen: Fernando Alonsos Rippen und Lunge waren nach anderthalb Wochen immer noch so in Mitleidenschaft gezogen, dass die Rennärzte ein Startverbot aussprachen. Das McLaren-Management polterte, wie man Alonso noch in Melbourne für fit hatte erklären können, und wollten einen Start des Routiniers erzwingen. Aber trotz zweier Atteste aus Spanien blieben die Mediziner vor Ort hart. Alonso sorgte trotzdem für Aufruhr: Nachdem der ehemalige Rennfahrer Johnny Herbert ihm in seiner Rolle als Fernsehkommentator geraten hatte, doch besser zurückzutreten, stürmte der 34-Jährige in eine Liveübertragung mit Herbert: "Ich war Weltmeister. Du bist als Kommentator geendet, weil du kein Weltmeister warst." Der Brite bedankte sich höflich für die freundlichen Worte.

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Stoffel (sic!) Vandoorne

Bahrain Formula One Grand Prix

Quelle: dpa

Links Trümmer, rechts Trümmer, in der Mitte Chaos. Irgendwie hat der Belgier in seinem allerersten Formel-1-Rennen aber einen Weg gefunden, und der führte am Ende zum zehnten Platz und einem ersten WM-Punkt für das immer noch kriselnde Team von McLaren-Honda. Er war in letzter Minute nach zwei langen Flügen aus Japan in Bahrain angekommen, um den krankgeschriebenen Fernando Alonso zu vertreten. Der 24-Jährige war gleich im ersten Training mit Ex-Weltmeister Jenson Button auf Augenhöhe - und schon wird er in englischen Medien als Nachfolger des Briten gehandelt. "Dieses Wochenende war eine große Chance für mich, und ich habe das meiste draus gemacht", bilanziert Vandoorne, "mal sehen, was als Nächstes passiert - und was die Zukunft bringt. Aber das liegt nicht in meinen Händen."

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Lewis Hamilton

Lewis Hamilton

Quelle: AP

Der Weltmeister ist immer noch der schnellste Mann der Formel 1, allerdings nur samstags. Auch in Bahrain holte sich der Mercedes-Pilot die Pole-Position, und verschwand zufrieden im Palast des Kronprinzen. Siegessicher und gekleidet wie ein Scheich kam er zur Rennstrecke, um dann prompt wieder den Start zu verpatzen. Mercedes hat ein Hardware-Problem und Hamilton kommt mit der Kupplung nicht zurecht, in der ersten Kurve wurde er dazu Opfer des übertrieben optimistischen Williams-Piloten Valtteri Bottas - damit war das Rennen ruiniert. "Platz drei war die bestmögliche Schadensbegrenzung", sagte er hinterher. Er ist immer noch davon überzeugt, dass er unter gleichen Bedingungen die Oberhand gegenüber Rosberg hat: "Das war doch einfach für Nico." Aber er weiß jetzt, dass Rosberg noch gefährlicher geworden ist. Erste Maßnahmen: Hamilton hat eine neue Physiotherapeutin eingestellt - und Mercedes entwickelt eine neue Kupplung.

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Kimi Räikkönen

Bahrain Formula One Grand Prix

Quelle: dpa

Als der Finne auf den zweiten Platz fuhr, hieß sein aufmerksamster Beobachter Sebastian Vettel - für den Heppenheimer war nämlich schon in der Aufwärmrunde mit einem kapitalen Motorschaden Schluss. Ferrari setzt in der Aufholjagd gegen Mercedes auf möglichst viel PS und riskiert dabei die Zuverlässigkeit. Bald soll eine neue Ausbaustufe kommen. Die ist auch nötig, findet Räikkönen, im letzten Rennen selbst ein Opfer der Technik: "Ich konnte Nico Rosberg nie wirklich angreifen." Zum achten Mal landete der Skandinavier in der Steinwüste auf dem Podium, nur gewonnen hat er in Bahrain noch nie - diesmal lag es an seinem schlechten Start. Mehr als der neuerliche zweite Platz nervt ihn gerade nur das Image seines Sports: "Dieses ganze Zeug, die Politik und der ganze Bullshit in der Formel 1. Manchmal ist das total durchgeknallt, Außenstehende schauen auf uns und fragen sich: 'Was tun die da?'"

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Jean Todt

Jean Todt

Quelle: AP

Den umstrittenen Qualifikationsmodus, der in Bahrain zum zweiten Mal in Folge scheiterte, hat sich der Präsident des Automobilweltverbandes FIA ausgedacht - das behauptet jedenfalls Vermarkter Bernie Ecclestone. Der Franzose musste zur Krisensitzung anreisen, in der die Teamchefs einstimmig für eine Rückkehr zum alten Reglement plädierten. Doch darauf wollte sich Todt nicht einlassen. Um sein Gesicht zu wahren, schlägt er stattdessen ein System vor, bei dem künftig die zwei schnellsten Runden eines Fahrers über den Startplatz entscheiden sollen. Eine Rechen-Formel, um mehr Spannung zu bekommen? Die Strategen der Teams spielen die Sinnhaftigkeit der Idee noch mit ihren Supercomputern durch, am Donnerstag wird entschieden. Einziger Lichtblick bislang: Das aktuelle System ist auch für Todt kein Thema mehr.

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Romain Grosjean

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Quelle: AFP

Mit französischer Lizenz fuhr der Genfer deshalb, weil er so in den Genuss der Förderung von Renault kommen konnte, doch ausgerechnet kurz vor der Rückkehr des Konzerns mit einem eigenen Team trennten sich die Wege. Grosjean dockte beim neu gegründeten US-Team von Gene Haas an, Verstoßener trifft Außenseiter. Und dann fuhr er beim Debüt des Rennstalls gleich auf Rang sechs, was ihm wie ein Sieg vorkam. In Bahrain kassierte er als Fünfter gleich zehn Punkte, ohne einen verpatzten Boxenstopp wäre sogar der vierte Platz drin gewesen. Mercedes twitterte stellvertretend fürs Formel-1-Establishment Beifall. Zwei Gründe waren für die Glanzleistung unter Flutlicht ausschlaggebend: Die perfekte Aerodynamik des Haas-Ferrari - und die Fahrweise Grosjeans. Der 29-Jährige gilt als der neue "Reifenflüsterer". Er selbst sagt: "Das alles ist schon etwas verrückt."

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Nico Rosberg

F1 Grand Prix of Bahrain

Quelle: Getty Images

Fünfter Sieg in Folge, rechnet man die letzten Rennen der vergangenen Saison dazu. Kommentar: "Daran denke ich nicht." 17 Punkte Vorsprung auf seinen internen Rivalen Lewis Hamilton. Kommentar: "Daran denke ich nicht." Was aber denkt dieser Rosberg, der gerade einen Lauf hat wie kein anderer? "Nur von Rennen zu Rennen." Immerhin akzeptiert er das Jubiläum von Bahrain. Dort hatte er vor zehn Jahren seinen ersten Grand Prix überhaupt bestritten und gleich die schnellste Rennrunde hingelegt - wie jetzt bei seinem sechzehnten Formel-1-Erfolg. In der ewigen Bestenliste ist er jetzt mit Sir Stirling Moss gleichgezogen. Einen optimistischen Kommentar zu seiner fehlerlosen Leistung mit der Nummer-sicher-Strategie gab es dann doch noch. Auf Twitter kam er mit nur einem Wort aus: "Boom!"

© SZ.de/fse/feko
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