Formel-1-Rennen in SingapurRussell zieht sein Ding rücksichtslos durch

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Fehlerfreie Fahrt: Der Brite George Russell zeigte auf den 62 Runden des Formel-1-Rennens in Singapur keine Schwäche.
Fehlerfreie Fahrt: Der Brite George Russell zeigte auf den 62 Runden des Formel-1-Rennens in Singapur keine Schwäche. (Foto: Rudy Carezzevoli/Getty Images)
  • George Russell gewinnt das Formel-1-Rennen in Singapur vor Max Verstappen und sichert sich seinen zweiten Saisonsieg.
  • McLaren gewinnt den Konstrukteurstitel, aber zwischen den Teamkollegen Piastri und Norris kommt es zu Spannungen nach einem umstrittenen Überholmanöver.
  • Oscar Piastri führt die WM-Wertung mit 22 Punkten Vorsprung auf Norris an, der wiederum 41 Punkte vor Verstappen liegt.
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Mercedes-Fahrer George Russell gewinnt in Singapur vor Max Verstappen, dahinter zanken und zoffen sich die beiden McLaren-Piloten. Genau darin liegt in den kommenden Rennen die Hoffnung des Niederländers, noch mal in den WM-Kampf einzugreifen.

Von Elmar Brümmer

Der Himmel über dem Marina Bay Street Circuit explodierte in allen Farben, so durften sich zwei große Tagessieger gleichermaßen geschmeichelt fühlen: Der Silberstreifen des Feuerwerks huldigte George Russell im Mercedes, der beim Großen Preis von Singapur seinen zweiten Saisonsieg einfahren konnte. Und die orangefarbenen Raketen betonten den Gewinn des zweiten Konstrukteurstitels von McLaren nacheinander; es war der zehnte insgesamt. Ein dritter Platz von Lando Norris hatte für McLaren das Minimalziel von 13 Punkten übertroffen, dazu war Teamkollege Oscar Piastri Vierter geworden.

Zwischen den beiden Fahrern wird es in den noch ausstehenden sechs Rennen im Kampf um den Einzeltitel nach den Vorkommnissen in Singapur jedoch nicht mehr so freundlich zugehen. Darin liegt immer noch die größte Chance von Max Verstappen, doch noch aktiv in den Titelkampf einzugreifen. Zumindest hält sich der Niederländer durch seinen hart erkämpften und später verteidigten zweiten Rang weiter im Geschäft. Oscar Piastri hat jetzt 22 Zähler Vorsprung auf Lando Norris, dieser wiederum 41 Punkte auf Verstappen. Das klingt mehr oder weniger komfortabel. Eine Serie zumindest hat weiterhin Bestand: Singapur bleibt die einzige Strecke, auf der Verstappen noch nie gewinnen konnte.

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Und plötzlich ist die WM wieder ein Dreikampf: Verstappens überlegener Sieg in Baku führt bei den Konkurrenten zu Verunsicherung – die Form des Niederländers erinnert gar an das Jahr 2023.

Von Elmar Brümmer

Für den 18. WM-Lauf war eine Hitzewarnung ausgerufen worden, aber Regen eine Stunde vor dem Start senkte die Temperaturen doch unter die kritische 31-Grad-Marke. Das Tragen der Kühlunterweste ist zwar freiwillig, aber wer ohne das bisher nicht ganz ausgereifte System fährt, der muss fünf Kilo Ballast an Bord nehmen. Cool bleiben, das ist nicht nur für den Körper, sondern vor allem für den Kopf die Voraussetzung, um gut über die 62 schweißtreibenden Runden zu kommen.

Das Fahrerfeld war ungewöhnlich zusammengewürfelt: Ganz vorn parkte der Silberpfeil von Russell, erst zum zweiten Mal in dieser Saison, und auch für Mercedes selbst überraschend. Für Russell ist dies ein ziemlich ordentliches Argument, um über eine Vertragsverlängerung zu verhandeln. Der junge Kollege Kimi Antonelli unterstrich mit dem vierten Rang die Teamleistung. Verstappen schaffte es im Rahmen seines spätsommerlichen Hochs als Zweiter in die erste Startreihe, erst dann folgte WM-Tabellenführer Piastri. Dessen McLaren-Rivale Norris startete als Fünfter neben dem besten Ferrari, in dem Lewis Hamilton saß. Die Abstände im Schlussspurt der aktuellen Fahrzeuggeneration, die Ende der Saison in den Ruhestand verabschiedet werden wird, werden immer geringer. Und grundsätzlich eng ist es auch zwischen den Betonbegrenzungen beim Nachtrennen. „Wachsam bleiben“ hatte sich Russell vorgenommen, das schloss alles und alle mit ein, insbesondere Verstappen.

Piastri und Norris zanken sich über den offenen Boxenfunk

Aber der erwischte trotz der Wahl eines weicheren Pneus keinen richtig guten Start. Russell konnte im kurzen Spurt zum Doppelknick am Ende der Geraden sein Ding durchziehen, Verstappen ordnete sich unter. Dahinter aber drängelten sich plötzlich gleich beide McLaren auf der engen Piste. Piastri geriet etwas ins Straucheln, vielleicht lag es an der Überraschung, dass plötzlich der vom fünften Rang gestartete Norris neben ihm fuhr. Daraus wurde sogleich Befremden, denn die beiden Autos berührten sich leicht – und schon war der Brite vorbei. Die feine englische Art war das nicht, das ging haarscharf an einem Crash vorbei. Wie peinlich wäre denn das gewesen! „Besonders mannschaftsdienlich war das nicht“, tobte der sonst so gelassene Australier.

Der gute Vorsatz, beiden Piloten freie Fahrt zu lassen, entwickelt sich im Schlussspurt der Saison für McLaren zum Fluch. Piastri insistierte so lange am Kommandostand, bis ihm versichert wurde, das Verhalten des Kollegen zu überprüfen. Was der WM-Spitzenreiter damit bezwecken wollte, ist klar: einen Platztausch. Es wäre nicht der erste in dieser Saison gewesen, den die guten Menschen von McLaren verordnet haben. Nur diesmal sollte alles so bleiben. Norris habe ja Verstappen ausweichen müssen. „Das ist nicht fair“, maulte Piastri, „wenn er deshalb in den eigenen Teamkollegen reinfährt, dann macht er einen ziemlich schlechten Job.“

Norris sichert sich am Ende Platz drei hinter Verstappen

Gut, dass es diese offene Diskussionskultur gibt, und sie auch noch per Boxenfunk übertragen wird. Denn das Rennen zog sich schnell so in die Länge wie das Feld. Angetäuschte Boxenstopps von McLaren, eigentlich vom Reglement verboten, sorgten für ein wenig Unruhe. Zunächst aber, das schien die Höflichkeit zu gebieten, wurde Norris gefragt, ob er Piastri den Vortritt beim Reifenwechsel lassen wolle. Zunächst antwortet dieser mit „Ja“, um sich dann aber gleich wieder zu korrigieren: „Ich meine nein.“ Das klang wie eine Farce – und sie geschah dann tatsächlich an der Garage: Norris bekam seine Gummis in 2,1 Sekunden aufgezogen, bei Piastri dauerte es mehr als doppelt so lang.

So gab es zum Schluss doch noch so etwas wie ein simuliertes Titelrennen, als Norris im letzten Rennviertel Verstappen mehr und mehr bedrängte. Der hatte mit einem großzügigen Verbremser dem Rivalen erst die Chance dazu gegeben. Norris kam immer mal wieder auf eine halbe Sekunde heran, wagte aber nur einmal einen Angriffsversuch, der auch fast schiefging. Danach blieb er bei der Klosterschüler-Taktik und sagte am Ende eines wenig befriedigenden Rennens auch noch brav den Spruch zum Mannschaftstitel auf: „Das war einfach wundervoll.“ Dieser Satz übrigens war von Verstappen geborgt, seinem ehemaligen Kumpel.

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