bedeckt München 17°

Strafe für Renault:Legales System, aber illegale Fahrhilfe

Sie stellten fest, dass das Bremssystem weder voreingestellt noch positionsabhängig arbeite. Sie bekräftigten, dass die Renault-Piloten die Bremskraftverteilung manuell justieren könnten. Und sie bestätigten ausdrücklich, dass Renault zwar "innovative Lösungen" einsetze, um "bestimmte Unklarheiten" in den technischen Vorschriften "auszunutzen" - ihr System jedoch "keine aktuellen technischen Vorschriften verletzt".

Alles gut also? Mitnichten! Oder, wie die Kommissare schreiben: "however".

Denn es sei schon auch so: "Das betreffende System zur Einstellung des Bremsausgleichs wirkt als Fahrerhilfe, indem es dem Fahrer erspart, in einer Runde eine Reihe von Einstellungen vornehmen zu müssen." Das System verstößt also gegen keinerlei technische Regularien, dafür aber gegen Regeln. Damit ist es illegal. Nur halt anders illegal, als sie es bei Racing Point konkret vermuteten.

Diese Argumentation war den Verantwortlichen von Renault wohl etwas zu kryptisch. In einer ersten Reaktion teilten die Franzosen mit, sie nähmen das Urteil zur Kenntnis. "Weil jedoch die Einschätzung dieses Systems als Fahrhilfe subjektiv ist und da die entsprechenden Strafen in jüngsten Fällen sehr variabel gewesen sind, prüft Renault nun in Ruhe die nächsten Schritte." Noch bis Donnerstagnachmittag hatte Renault Zeit, gegen das Urteil Berufung einzulegen. Dann allerdings entschied sich das Team gegen den Rechtsweg und verkündete: Es habe einerseits keinerlei neuen Beweise für seine Unschuld vorzulegen. Und zweitens keine Lust, "noch mehr Zeit und Mühe in eine sterile Debatte zu investieren".

Ein Überläufer von Renault zu Racing Point

Eine pikante Note erhält der ohnehin schon spannende Prozess dank einer Anschuldigung, die Renault gegenüber Racing Point erhebt - und die im Schreiben der FIA öffentlich gemacht wird: So habe Racing Point, das argumentiert Renault im Subtext, in Wahrheit zunächst keine auffälligen Blinkereien auf Hülkenbergs Lenkrad bemerkt. Sondern "spekuliert" auf der Basis von "Behauptungen eines ehemaligen Mitarbeiters, dem nicht alle relevanten Details über das Bremskontrollsystem bekannt waren". Gemeint ist ein Informant, ein Überläufer von Renault zu Racing Point. Ein Whistleblower, der nach Darstellung von Renault keine Ahnung haben dürfte. Wenn man so will: Ein blindes Huhn, das zufällig ein Korn gefunden hat - jene illegale Fahrhilfe, die von einem technisch legalen System ermöglicht wird.

Nun ist es ja nicht so, als führen Renault und Racing Point um Titel und Pokale. Weder Renaults Hülkenberg noch Racing Points Lance Stroll werden dieses Jahr Weltmeister. Aber die Formel 1 ist ein Hort der Missgunst. Und es geht um Punkte in der Konstrukteurswertung und die Verteilung der Gelder.

Es gibt eine Vielzahl von Gründen, weswegen der eine Rennstall beim anderen ganz genau hinschaut. Und aufgrund der nachträglichen Disqualifikation verlor Ricciardo acht Punkte - und Hülkenberg immerhin einen.

© SZ vom 25.10.2019/dsz
Motorsports: FIA Formula One World Championship, WM, Weltmeisterschaft 2019, Grand Prix of Russia, 44 Lewis Hamilton (G

SZ Plus
Ernährung und Sport
:Fit dank Pflanzenmilch

Erhöhte Ausdauer, weniger Muskelkater und dazu noch umweltbewusst: Spitzensportler wie Lewis Hamilton und Bayerns Serge Gnabry preisen die Vorteile der veganen Ernährung - doch die Umstellung hat auch Tücken.

Von Lynn Sigel

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite