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Racing Point in der Formel 1:"Wenn wir schon diesen Weg gehen, machen wir, was das Reglement hergibt"

Renault investiert seit Jahren dreistellige Millionenbeträge in sein Werksteam, doch der Automobilhersteller kommt nicht recht vom Fleck. Von kleinen Rennställen vorgeführt zu werden torpediert den Stolz und das Selbstverständnis. Außerdem fürchten sie in Paris natürlich die politische und sportliche Macht, die Mercedes oder Ferrari plötzlich mit den Satelliten gewinnen könnten. In vielen anderen Motorsportserien ist das ein leidiges Problem.

Ob der Trend zur Kopie noch aufzuhalten ist, scheint angesichts des Aufstiegs von Racing Point fraglich. FIA-Präsident Jean Todt hat - in Sorge um ausreichende Starterfelder in wirtschaftlich schwierigen Zeiten - bereits sein Wohlwollen erklärt, Formel-1-Geschäftsführer Ross Brawn sagt: "Alle machen es." Racing Point eben ein bisschen mehr. Teamchef Otmar Szafnauer findet nichts dabei, wie er auto, motor und sport gesteht: "Wenn wir schon diesen Weg gehen, machen wir, was das Reglement hergibt." Er habe auch reichlich Beweise dafür, dass die strittigen Teile selbst konstruiert worden sind. Die Grundsatzfrage, wie viel Kopieren künftig erlaubt ist, dürfte damit nicht geklärt sein.

Für Mercedes-Teamchef Toto Wolff ist das Racing-Point-Modell ein Stück Zukunft der Rennserie: "Wir müssen uns Gedanken darüber machen, ob es kleinen Teams erlaubt sein sollte, Teile von großen Teams zu kaufen, um selbst Entwicklungskosten zu sparen und es den großen Teams zu ermöglichen, ein Geschäft zu machen." Die vom kommenden Jahr an geltende Budget-Deckelung spielt dabei eine Rolle, Teile-Leasing würde nicht nur günstiger sein, sondern auch den kleinen Rennställen eine bessere sportliche Chance bieten - siehe Force India.

Wolff lobt seinen Freund Lawrence Stroll, den Racing Point-Haupteigner: "Es braucht nur jemanden mit einer Vision und einer Idee, welche Prioritäten zu setzen sind, dann ist auch der Sprung vom Mittelfeld unter die Topteams möglich. Das zeigt, dass es mit der richtigen Führung, den richtigen Entscheidungsprozessen und dem nötigen Investment möglich ist, die Entwicklungskurve zu beschleunigen."

Auch Red Bull wittert plötzlich die Möglichkeit, auch sein Nachwuchs-Team Alpha Tauri mit identischen Rennwagen auszustatten und vier identische Autos zu entwickeln. Der vierfache Weltmeister Alain Prost hält das unverhohlene Kopiermodell dagegen für grundsätzlich schlecht für den Sport an sich und wettert als Berater von Renault dagegen: "Es geht um die Frage: Welche Formel 1 wollen wir in Zukunft?"

© SZ/ska
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