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Karriere von Sebastian Vettel:Schumachers Erbe

Sebastian Vettel war 26, da hatte er bereits vier Formel-1-Titel gewonnen. Nun kündigt er seinen Abschied von Ferrari an - und geht zu Aston Martin. Stationen eines rasanten Lebens.

Von Jonas Beckenkamp

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Japan Formula One Grand Prix

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Eine Karriere wie aus dem Märchenbuch: Aus dem Junior-Piloten Sebastian Vettel wurde binnen weniger Jahre der dominante Fahrer der Formel 1 - mit 26 war er bereits vierfacher Weltmeister (2010-2013), wechselte dann 2015 von Red Bull zu Ferrari. Dort lief es in fünf Saisons zwar nicht schlecht, aber auch nicht wirklich märchenbuchhaft.

Nun verlässt Vettel, inzwischen 33, die Scuderia - und wechselt zur neuen Saison zu Aston Martin. Stationen eines rasanten Lebens.

vettel jung

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Den Platz auf dem Podium kennt der gebürtige Hesse aus Heppenheim bereits aus seiner Jugend. In der Formel 3 Euroserie landet Vettel (links im Bild) bereits im Jahr 2005 auf den vorderen Plätzen und macht erste Bekanntschaft mit einem späteren Dauerrivalen: dem Briten Lewis Hamilton (Mitte). Vettel fährt damals für das Red-Bull-Nachwuchsteam, über das er später sagt: "Ohne das Red-Bull-Juniorteam hätte ich es definitiv nicht bis in die Formel 1 geschafft."

Begonnen hatte Sebastian Vettels Motorsport-Karriere bereits mit dreieinhalb Jahren. Vater Norbert hatte ihn einige Runden im eigenen Kart drehen lassen und ihm zu Weihnachten ein 60-Kubikzentimeter-Bambini-Kart geschenkt. Gemeinsam mit dem Bauunternehmer und Michael-Schumacher-Entdecker Gerhard Noack fördert der Vater den Sohn.

Sebastian Vettel Testfahrer

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Weil Sebastian Vettel im Juniorenbereich praktisch alles gewinnt, hat er bald einige Beinamen: "Baby-Schumi", "Zahnspangen-Schumi", später wegen der manchmal ungewöhnlichen Frisur auch "Bonsai-Schumi". Der Vergleich mit dem siebenmaligen Weltmeister aus Deutschland verfolgt ihn jedenfalls von Beginn an.

Aufsehen erregt Vettel Ende August 2006. Der gerade 19-Jährige hat erst zwei Tage lang die Lizenz des Testfahrers in der Formel 1, als er für BMW in Istanbul im Training Bestzeit fährt. Daraufhin fordert er: "Ich will 2007 einen festen Job als Testfahrer in der Formel 1 und möglichst schnell ein Renncockpit."

Formel 1 - GP USA - Vettel wird Achter

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Das Cockpit bekommt er tatsächlich: 2007 fährt er für das Sauber-Team und holt gleich im ersten Rennen in Indianapolis seinen ersten WM-Punkt. Vettel wird im BMW-Sauber Achter und ist mit 19 Jahren, 11 Monaten und 14 Tagen der jüngste Pilot, der je einen Weltmeisterschaftspunkt erzielt hat.

2008 Italian GP AUTODROMO NAZIONALE MONZA, ITALY - SEPTEMBER 14: Sebastian Vettel celebrates victory on the podium with; Vettel Monza 2008

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2008 fährt der damals 20-Jährige für Toro Rosso und sorgt in einem chaotischen Regenrennen im japanischen Fuji für Schlagzeilen, als er in einem vergleichsweise langsamen Auto auf Platz drei landet.

In Monza stellt er 2008 die nächsten Rekorde auf. Mit 21 Jahren und 72 Tagen ist er der jüngste Pilot, der je eine Pole Position in der Formel 1 erfuhr, einen Tag später ist er dann der jüngste Fahrer, der je ein Rennen gewann. Seine Mutter Heike beglückwünscht ihren Sohn. Über seine Eltern sagte er einmal: "Meinen Eltern war es wichtig, dass ich etwas Sinnvolles mache, das hätte auch Fußball oder Handball sein können." Sie werden froh sein, dass es die Formel 1 wurde.

Red Bull 2009 F1 Launch

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Ein Jahr später heuert Vettel im Profiteam von Red Bull an - sein Teamkollege damals und in den folgenden fünf Jahren ist der Australier Mark Webber, nur sind die Rollen mittlerweile anders verteilt. 2010 - im Jahr von Vettels erstem Titelgewinn - sind beide Piloten auf Augenhöhe. Bald aber ist Vettel die unumstrittene Nummer eins. Nach Webbers Karriereende füllte der Australier Daniel Ricciardo den Platz an Sebastian Vettels Seite aus.

Sebastian Vettel Wetten dass

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Vettel wird in seiner ersten Saison bei Red Bull überraschend Fünfter der Gesamtwertung und ist längst Liebling der deutschen Medien. Sein smartes Auftreten beschert ihm den ersten Auftritt bei Wetten dass..?. Doch der neue deutsche Rennfahr-Überflieger bleibt auf dem Boden.

Sebastian Vettel

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Für den Titel reicht es in der Saison 2009 aber noch nicht, zu unkonstant fährt Vettel im Red Bull, zu oft scheidet er vorzeitig aus dem Rennen aus - wie hier beim Grand Prix in Istanbul. Dennoch zeigt der mittlerweile gereifte Vettel immer wieder sein großes Können und gewinnt einige Rennen. Weltmeister wird in diesem Jahr Jenson Button, doch Vettel hinterlässt mit seinem Triumph beim Saisonabschluss in Abu Dhabi einen glänzenden Eindruck und wird am Ende Gesamtzweiter.

Sebastian Vettel

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Ein Jahr später steht Vettel in Abu Dhabi wieder ganz oben - diesmal ist es der entscheidende Sieg zum Gewinn des WM-Titels. "Einfach unglaublich. Ich kann nicht glauben, dass das heute passiert ist", sagt der damals 23-Jährige. Mit dem Sieg beim Großen Preis von Abu Dhabi krönte sich der Red-Bull-Pilot als zweiter Deutscher nach Michael Schumacher und jüngster Pilot aller Zeiten zum Formel-1-Weltmeister. Als die Hymne für ihn gespielt wird, schämt sich der junge Champion seiner Tränen nicht.

Die Formel 1 verneigt sich vor 'Alleinherrscher' Vettel

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In der Saison 2011 lässt Vettel von Anfang an keinen Zweifel daran, dass nur er als sein eigener Nachfolger in Frage kommt. Den emotionalsten Triumph erringt er in Monza, wo er 2008 zum ersten Mal einen Grand Prix gewann. Es ist bereits der achte Sieg im 13. Rennen. Von da an glaubt kaum jemand mehr daran, dass sich Vettel die Weltmeisterschaft noch nehmen lässt.

Schließlich reicht Sebastian Vettel der dritte Platz in Suzuka für den vorzeitigen Gewinn des zweiten WM-Titels - den Tränen im Auto nach der Fahrt über die Ziellinie folgt ein breites Grinsen des Deutschen auf dem Podest: "Man kann es nicht in Worte fassen, was es bedeutet, am anderen Ende der Welt zu stehen und eine WM feiern zu können. Man hat sehr viel gegeben und sehr viel geopfert, aber es war nie eine Quälerei, sondern wir hatten immer großen Spaß", sagt der jüngste Doppelweltmeister der Geschichte nach dem Rennen.

F1 Grand Prix of Brazil

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Die Saison 2012 verläuft zunächst nicht nach Plan. Doch nachdem sich Sebastian Vettel durch einen sauberen Sieg in Südkorea in der WM-Wertung wieder vor seinen größten Konkurrenten Fernando Alonso schiebt, darf er sich berechtigte Hoffnungen auf eine erneute Titelverteidigung machen.

Das dramatischste Rennen gibt es passenderweise im Saisonfinale: Vettel startet von Position vier ins Rennen, Alonso drei Plätze hinter ihm. Doch der Deutsche dreht sich kurz nach dem Start und fällt auf den letzten Rang zurück. Wie so oft kämpft er sich zurück ins Rennen, lässt sich vom Regen nicht stoppen - und fährt mit einem sechsten Platz zum dritten WM-Titel. Fernando Alonso wird Zweiter und verpasst die Überraschung.

F1 Grand Prix of Japan - Previews

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In der Saison 2013 ist der Heppenheimer wieder die unangefochtene Nummer eins. Bereits nach dem zweiten Rennen, dem Großen Preis von Malaysia, führt er in der Gesamtwertung. Drei Rennen vor Saisonende, beim Großen Preis von Indien, macht Vettel dann seinen vierten Weltmeistertitel in Serie perfekt, als dritter Fahrer nach Juan Manuel Fangio und Michael Schumacher. Bei manchen Rennen zuvor hatten ihn die Fans ausgepfiffen ob seiner Dominanz. Als Vettel in Indien nach seinem Sieg aus dem Auto steigt, ist das alles vergessen: Die Fans jubeln.

In der Saison 2014 läuft es dann weniger gut. Das Auto schwächelt, Vettels Red Bull kann mit den Mercedes nicht mithalten, die Beziehung beginnt zu bröckeln. Im Oktober 2014 gibt Vettel dann seinen Abschied bekannt: Er soll künftig für Ferrari starten.

Hamilton, Vettel und Rosberg

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Um Siege fährt Vettel auch bei der Scuderia, im zweiten Rennen feiert er beim GP von Malaysia seinen ersten Erfolg in Rot - der erste von insgesamt 14. Doch für einen WM-Titel hat es in fünf Saisons bislang nicht gereicht: Zwei Mal wird er Gesamt-Zweiter, der dominante Fahrer ist nun aber Lewis Hamilton. Vettels Team-Kollege ist die meiste Zeit lang der Finne Kimi Räikkönen, ab 2019 fährt dann der junge Monegasse Charles Leclerc für Ferrari - und verlängert schließlich seinen Vertrag bis 2024. Vettel dagegen, so gibt Ferrari im Mai 2020 bekannt, verlässt das Team zum Ende der Saison. Zuvor hatte er mehrfach seinen Ärger über das dysfunktionale Ferrari-Auto kundgetan. Ab 2021 fährt nun für Racing Team.

© sueddeutsche.de/jbe/ebc/chge

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