Lewis Hamilton

Hätte es jemand gegeben, der am Sonntag nur dem Funkverkehr gelauscht und das Rennen ansonsten mit verschlossenen Augen verfolgt hätte, dem hätte der Tonfall von Lewis Hamilton suggerieren können, er führe dem Feld abgeschlagen hinterher. Oder er sei drauf und dran, den Abflug ins Hafenbecken zu machen wie einst Alberto Ascari im Jahr 1955. Hamiltons Gemecker im Dialog mit Renningenieur Peter Bonnington war jedenfalls der heimliche Hauptdarsteller des Rennens. Hamilton beklagte sich fast das ganze Rennen lang über die Team-Strategie bei seinem ersten und letztlich einzigen Boxenstopp. Während seine Verfolger Max Verstappen und Sebastian Vettel von Weich auf Hart wechselten, um bis zum Ende durchzufahren, schnallte Mercedes Hamilton die etwas weichere Medium-Mischung ans Auto. Hamilton maulte und jammerte über seine Reifen, die stärker abbauten als die seiner Verfolger. Und er rutschte und rutschte und rutschte.

Am Abend veröffentlichte Mercedes ein Video, in dem sich Mercedes-Ingenieur James Vowles rechtfertigte. "Nun, im Nachhinein ist es recht klar: Mit den härteren Reifen hätten wir dasselbe Ergebnis erzielt - nur mit weniger Stress", sagte er. "Wir wollten es ein bisschen spannend machen." Es ist ein lustiges Video, das Mercedes da veröffentlichte, zumal ja Hamilton selbst noch ins Bild stürmt, in der Hand eine Schampusflasche, mit der er Vowles vollspritzt. "Ihr habt mir diese Medium-Reifen für 68 Runden gegeben!", schimpft Hamilton und lacht. Eigentlich aber ist die Dominanz von Mercedes, in die nun ein bisschen künstliche Spannung gerührt wurde, selbstredend ganz und gar nicht lustig.

Bild: AFP 27. Mai 2019, 12:432019-05-27 12:43:34 © SZ.de/chge