Formel 1 in MexikoPsychologie, Präzision, Prozentrechnen

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Kann Max Verstappen den McLaren-Fahrern den WM-Titel noch entreißen?
Kann Max Verstappen den McLaren-Fahrern den WM-Titel noch entreißen? (Foto: Mark Thompson/Getty Images)
  • Fünf Rennen vor Saisonende liegt Max Verstappen 40 Punkte hinter Oscar Piastri und 26 Punkte hinter Lando Norris zurück.
  • Seit Ende August hat Verstappen 64 Punkte gegenüber dem WM-Führenden gutgemacht und wird von Lewis Hamilton als gefährlich eingeschätzt.
  • Die Rivalität zwischen den McLaren-Teamkollegen Norris und Piastri schwächt das Team, während Red Bull amüsiert die Selbstsabotage beobachtet.
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Scheuklappen auf und durch: Fünf Rennen vor dem Saisonende spitzt sich der WM-Kampf zwischen McLaren und Red Bull zu. Max Verstappen liegt zurück, doch einige sehen ihn im Vorteil.

Von Elmar Brümmer, Mexiko-Stadt

Klebestreifen sind es also, die über den Ausgang dieser plötzlich wieder so spannend gewordenen Formel-1-Weltmeisterschaft mitentscheiden können. Echt jetzt? In der Champions League des Motorsports? Die bizarre Aktion, die nach dem Großen Preis der USA am vergangenen Sonntag aufgeflogen war, weil Red Bull Racing eine saftige Geldstrafe von 50 000 Euro kassiert hatte (25 000 Euro davon auf Bewährung), zeigte vor allem eins: Mit dem Dreikampf um den Titel wird es fünf Rennen vor Saisonschluss richtig ernst, auch wenn der Rückstand von Angreifer Max Verstappen auf Spitzenreiter Oscar Piastri im McLaren noch 40 Punkte beträgt. Und der auf dessen McLaren-Teamkollegen Lando Norris immer noch 26 Zähler.

Rekordchampion Lewis Hamilton, 2021 in einem umstrittenen Finale Verstappen unterlegen, warnte vor dem Großen Preis von Mexiko an diesem Wochenende: „In dieser Situation musst du gnadenlos sein, und genau das ist Max. Er wird ihnen den Titel wegschnappen, wenn sie nicht aufpassen.“ Der WM-Kampf spitzt sich zu.

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:Max Verstappen hat die Gegner genau da, wo er sie haben will

Und plötzlich ist die WM wieder ein Dreikampf: Verstappens überlegener Sieg in Baku führt bei den Konkurrenten zu Verunsicherung – die Form des Niederländers erinnert gar an das Jahr 2023.

Von Elmar Brümmer

Im Siegestrubel nach Verstappens drittem Sieg innerhalb von vier Rennen, als der Titelverteidiger erstmals zugab, doch noch über eine Chance auf den WM-Titel zu verfügen, wusste zunächst keiner genau, warum ein Mechaniker bestraft werden sollte. Und die, die es wissen mussten, wollten nichts sagen. Offenbar war kurz vor dem Start in Texas ein Red-Bull-Mechaniker zurück auf den Randstreifen der Strecke gelangt und ließ sich auch von Sicherheitskräften von dem verbotenen Vorhaben nicht abhalten. Der Mann wollte offenbar ein Klebeband an der Boxenmauer entfernen. Allerdings nicht auf Höhe von Verstappens Pole-Position, sondern bei der zweiten Startbox, auf die alsbald Lando Norris zurollen würde.

Der Brite hatte die Markierung anbringen lassen, um besser erkennen zu können, ob er die Startposition auch genau getroffen hat, um keinen Fehlstart zu riskieren. Aus dem Cockpit des McLaren heraus ist das offenbar nicht ohne Weiteres möglich. In der aktuellen Situation kann jedes kleine Detail im Titelrennen große Auswirkungen haben, auch wenn es sich um eine Unsportlichkeit handelt. Norris behauptet vor dem Großen Preis von Mexiko am Sonntag, dass er den Wegweiser gar nicht zwingend benötige und dass die Gegner häufiger schon versucht hätten, das Hilfsmittel zu zerstören. McLaren benutzt inzwischen ein stärkeres Hochleistungsgewebeband, von dem sich immer nur kleinere Streifen abreißen lassen. Die Formel 1 ist eben doch ein Hightech-Sport.

Seit Ende August hat Max Verstappen 64 Punkte gegenüber dem WM-Führenden gutgemacht

Entschieden wird dieses Titelrennen auch im Kopf, gerade in der angespannten Lage, in der sich das McLaren-Duo befindet. Die Rivalität zwischen Norris und Piastri ist auch durch zahlreiche interne Regeln nicht im Zaum zu halten, zuletzt sind sich die beiden mehrfach ins Auto gefahren. Bei Red Bull beobachtet man amüsiert, wie sich die Gegner gegenseitig um ihren Vorteil bringen. Seit Ende August hat Max Verstappen 64 Punkte gegenüber dem WM-Führenden gutgemacht, hauptsächlich durch eigenes Können und den neuen Antrieb im Team. In Kenntnis von Verstappens Gnadenlosigkeit müssen allein die Hochrechnungen das McLaren-Team in Angst und Schrecken versetzen. In dieser Situation kann von jedem Verunsicherungsversuch etwas kleben bleiben.

Einen größeren Fehler darf sich momentan keiner aus dem Trio leisten, am allerwenigsten der Angreifer. Dass die Autos von McLaren und Red Bull je nach Streckentyp momentan gleich stark erscheinen, verschärft die Spannung und das Risiko. „Bei so kleinen Abständen kann jeder Fehler alles kosten“, weiß der viermalige Weltmeister Verstappen. 141 Punkte gibt es an den letzten fünf Rennwochenenden des Jahres noch zu holen, und der Niederländer ist keiner, der sich groß mit Statistiken aus der Formel-1-Historie beschäftigt. Verstappen fährt in der Tradition einiger großer Aufholjagden.

McLarens Teamchef Andrea Stella war gleich zweimal involviert, als eine WM-Entscheidung dramatisch gekippt ist. Der italienische Ingenieur stand in Diensten von Ferrari, als sich 2007 die Teamkollegen Lewis Hamilton und Fernando Alonso bei McLaren so sehr beharkten, dass am Ende Kimi Räikkönen im roten Auto mit einem winzigen Pünktchen Vorsprung den Titel holen konnte. Und das, obwohl er nach der Saisonhalbzeit noch 18 Punkte hinter Hamilton zurücklag. Damals galt noch ein anderes Punktesystem, der Rückstand des Finnen lag umgerechnet bei 26 Prozent der Gesamtpunkte. Als Sebastian Vettel 2012 seinen dritten Titel für Red Bull holen konnte, war das ebenfalls mehr als überraschend. Der Heppenheimer hatte zur Saisonhälfte 44 Zähler Rückstand auf Stellas Ferrari-Schützling Fernando Alonso, doch am Ende in São Paulo lag Vettel, der 29 Prozent im Hintertreffen war, nach vier Siegen in Serie mit drei Zählern vorn. Zum Vergleich: Verstappens Rückstand vor der diesjährigen Sommerpause lag bei knapp 30 Prozent der Punkte.

Psychologie, Präzision, Prozentrechnen: Lewis Hamilton kennt sich mit der Zuspitzung zum Saisonende hin ganz generell aus: „Solche Szenarien sind eine Herausforderung, der Druck ist hoch. Es ist eine Zeit, in der man die Scheuklappen aufsetzen muss.“ Über Verstappen als Gegenspieler weiß er: „Man muss alles geben, um jemanden wie Max und sein Auto aufzuhalten. Max hat die einfachere Aufgabe. Er kommt von hinten und ist lieber Jäger als Verteidiger.“

Hamilton sieht tatsächlich die McLaren-Piloten im Nachteil: „Wenn man vorn liegt und jemand an deinem Vorsprung nagt, belastet dich das einfach mehr. Denn in Führung liegen bedeutet, alles verlieren zu können.“

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