Formel 1Plötzlich führt Norris – der Titelkampf ist endgültig Kopfsache

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Warnung und Ansporn: Lando Norris steht nach dem Rennen in Mexiko als Sieger vor dem Podium und liegt jetzt sogar in der WM-Wertung vorne.
Warnung und Ansporn: Lando Norris steht nach dem Rennen in Mexiko als Sieger vor dem Podium und liegt jetzt sogar in der WM-Wertung vorne. (Foto: Clive Rose/Getty Images)
  • Lando Norris gewinnt den Großen Preis von Mexiko und übernimmt erstmals seit April die WM-Führung mit einem Punkt Vorsprung vor Oscar Piastri.
  • Max Verstappen holt trotz schwierigem Rennwochenende Platz drei und verkürzt seinen Rückstand auf nur noch 36 Punkte bei maximal 116 verbleibenden Zählern.
  • McLaren kämpft mit einem launischen Auto und internen Rivalitäten zwischen Norris und Piastri, während Red Bull alles auf Verstappen konzentriert.
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Beim Rennen in Mexiko kann McLaren das Momentum von Red Bull nur leidlich stoppen. Doch Lando Norris erhöht mit seinem Sieg die Spannung – und zeigt, wie die Trendumkehr zu schaffen ist.

Von Elmar Brümmer, Mexiko-Stadt

Den obligatorischen Sombrero für den Sieger beim Großen Preis von Mexiko wollte sich Lando Norris nicht selbst überstülpen, obwohl das eine nette Geste gegenüber dem Publikum gewesen wäre, das den Briten auch mit Buhrufen und Pfiffen bedachte. Was nichts mit der ungeheuer kontrollierten Siegfahrt im Autodromo Hermanos Rodriguez zu tun hatte. Sondern mit jenem aus Teamräson von McLaren erzwungenen Platztausch nach einem verpatzten Boxenstopp beim Rennen Anfang September in Monza. Was McLaren als Fair Play verkauft, nehmen die Mexikaner offenbar übel.

Wären die drei Punkte damals in Italien beim Kollegen Oscar Piastri verblieben, dann wäre Piastri jetzt vier Rennen vor Saisonende immer noch WM-Spitzenreiter. Stattdessen hat sich das Blatt nach dem überlegenen Ausflug von Norris – mit gewaltigen 30 Sekunden Vorsprung auf Charles Leclerc im Ferrari – gewendet. Erstmals seit April führt Norris die Gesamtwertung wieder an, wenn auch nur mit einem Pünktchen. Die Dinge spitzen sich weiter zu.

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Max Verstappen, mit einem zickigen Red-Bull-Rennwagen von Rang fünf gestartet, wäre am Ende sogar fast Zweiter geworden, hätte nicht eine virtuelle Safety-Car-Phase kurz vor Schluss sein absehbares Überholmanöver gegen Leclerc verhindert. Und Piastri war ebenso kurz davor, den Überraschungsvierten Oliver Bearman im Haas-Ferrari noch zu kassieren. In dem Fall sähe alles anders aus, so eng ist es in dieser Phase der Saison. Verstappen hat auf die WM-Spitze trotz aller Widrigkeiten weitere vier Zähler gutgemacht: Sein Rückstand beträgt jetzt 36 Punkte. Bei maximal 116 zu gewinnenden Punkten ist das immer noch ein ordentlicher Rückstand. Aber wenn der Niederländer sogar an seinem schlechtesten Rennwochenende im Rahmen seines späten Comebacks aufs Podium kommen kann, dann ist weiter alles drin. Der 20. WM-Lauf war ein Wechsel an der Formel-1-Spitze, aber noch keine Entscheidung.

Die Gründe für Piastris Abwärtstrend in dieser Saison dürften Verstappen bekannt vorkommen

Die McLaren-Maxime für Mexiko, das Momentum von Red Bull Racing zu stoppen, ist jedenfalls nicht ganz gelungen. Entsprechend frohlockend gab sich auch Red-Bull-Rennstallberater Helmut Marko am Mikrofon des Senders Sky: „Unsere Chancen sind intakt. Max ist wie ein Jagdhund. Er riecht die Chance, dann ist alles vergessen, und er nimmt Fahrt auf.“ Die ungeklärte Situation des Nummer-Eins-Fahrers bei McLaren sieht der Österreicher als weiteren Vorteil für den späten Angreifer: „Ich hoffe, dass sie bei McLaren weiterhin bei ihrer Fairnessregel bleiben. Wir haben den Vorteil, dass sich bei uns alles auf Max konzentriert. Die Chance lebt.“ Zwischen Norris, der in zwei Wochen in Brasilien unter Beweis stellen muss, dass er Brillanz und Konstanz in der Drucksituation halten kann, und dem frustrierten Piastri verschärft sich der Wettbewerb um die Gunst in ihrem Rennstall.

Allerdings weist der Zweckpessimist Verstappen darauf hin, dass es dazu künftig wieder ähnlich perfekte Wochenenden wie im Spätsommer geben müsse. Nachtsitzungen wie an diesem Wochenende nach der Qualifikation, als er in stundenlanger Kleinarbeit die richtige Abstimmung und Taktik für den 20. WM-Lauf herausarbeiten konnte, braucht er nicht ständig. Aber die Überstunden haben ihn und sein Auto wieder schnell gemacht. In dieser Situation stärkt das sein Selbstbewusstsein: Verstappen weiß, dass er alles besitzt, um auf der Zielgeraden der Saison doch noch die Wende schaffen zu können.

Der Angreifer: Verstappen (re.) wäre am Ende sogar Zweiter geworden, hätte nicht eine virtuelle Safety-Car-Phase sein absehbares Überholmanöver gegen Ferrari-Pilot Charles Leclerc (li.) verhindert.
Der Angreifer: Verstappen (re.) wäre am Ende sogar Zweiter geworden, hätte nicht eine virtuelle Safety-Car-Phase sein absehbares Überholmanöver gegen Ferrari-Pilot Charles Leclerc (li.) verhindert. (Foto: Eduardo Verdugo/AP/dpa)

Was in den vergangenen Wochen den Abwärtstrend von Piastri befeuert hat, kennt Verstappen schon seit dem Saisonstart: einen Rennwagen, gegen dessen Charakteristik der Pilot anfahren muss. Der leicht desillusioniert wirkende Australier sprach davon, wie merkwürdig es sich anfühle, plötzlich beim Fahrstil und im Kopf eine Kehrtwende unternehmen zu müssen. Mexiko, das sei Schadensbegrenzung gewesen, aber auch lehrreich: „Es ist wichtig, mich daran zu erinnern, dass meine Fahrweise bei den 19 Rennen zuvor gut funktioniert hat. Ich muss einfach anders fahren. Deshalb muss ich jetzt ein paar neue Werkzeuge in den Kasten tun, mich aber nicht komplett neu erfinden.“ Von wegen Selbstbewusstsein verloren.

Warum wiederum das monatelang so überlegene Auto aus England plötzlich Zicken macht, kann sich keiner so richtig erklären. Eine absichtliche Benachteiligung, über die im Fahrerlager gern geraunt wird, will Piastri ausschließen. Dem Kollegen Norris gehe es ja genauso mit dem launischen Dienstwagen in Papaya. Die Gefahr, dass sich die beiden internen Rivalen im Duell aufreiben können, erscheint momentan sogar größer als die Gefahr durch Angreifer Verstappen.

Der so häufig labil erscheinende Brite Norris lebte in der Höhe von Mexiko-Stadt vor, wie ein Turnaround zu schaffen ist. Aber auch der neue Spitzenreiter gibt sich keiner Illusion hin, dass beim 20. WM-Lauf schon eine Art von Vorentscheidung gefallen sei: „Ich kämpfe gegen die Besten der Welt, und die können das jederzeit wieder umdrehen. Mir bleibt nur, mich weiter auf meinen Job zu konzentrieren.“ Ausgerechnet sein Ausfall in Zandvoort Ende August, der wie das Ende seiner Titelhoffnungen wirkte, markierte für ihn einen Wendepunkt: „Das liegt zwar hinter mir, ist aber immer noch präsent in meinem Kopf.“ Nicht nur als Warnung, sondern vor allem als Ansporn, jedes Rennwochenende frisch zu beginnen. Diese Formel-1-Saison wird jetzt erst richtig zur Kopfsache.

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