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Lewis Hamilton bei Mercedes:Unterschreibt er?

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Geht ihr gemeinsamer Weg bei Mercedes weiter? Toto Wolff (links) und Lewis Hamilton.

(Foto: Mark Thompson/Getty Images)

Mercedes möchte mit Serienweltmeister Hamilton verlängern - doch ob dieser zusagt, hängt auch davon ab, ob ihm die persönlichen Zukunftspläne seines Chefs Toto Wolff gefallen.

Von Philipp Schneider

Weihnachten. Acht Wochen sind es noch bis dahin, vier Rennen müssen vorher noch gefahren werden, im Jahr der Pandemie zieht sich die Saison der Formel 1 so lang hin, dass in England schon das erste Lametta an den Wohnzimmertannen hängt, wenn in Abu Dhabi die letzte schwarz-weiß karierte Flagge geschwenkt wird. Lewis Hamilton hat am Sonntag trotzdem schon an Weihnachten gedacht. An die große Feier, die der Mercedes-Rennstall dann mal wieder abhalten wird am Firmensitz in Brackley in der Grafschaft Northamptonshire, nördlich von London. Woanders kommen nur die Drei Heiligen Könige, in Brackley auch noch die Pokale.

Es sei so "cool" auf der Weihnachtsfeier, wenn dann die ganze Belegschaft zusammenkomme, um mal wieder die nächste gewonnene Konstrukteursweltmeisterschaft zu feiern, hat Hamilton erzählt. Tatsächlich kennen sie es ja gar nicht mehr anders bei Mercedes: 14 Titel werden sie am Heiligabend gesammelt haben in den vergangenen sieben Jahren. Sieben für das Team, sieben für die Fahrer. Diese coole Atmosphäre an Weihnachten, der Erfolg als Team, sagt Hamilton, "selbst wenn ich heute aufhören würde, wäre das etwas, das ich für den Rest meines Lebens mit dieser großen Gruppe von Menschen teilen könnte".

Weihnachten? Aufhören? Karriereende? Bei Mercedes?

Gab's ja schon mal. Bald vier Jahre ist es her, dass der frisch gekürte Weltmeister Nico Rosberg kurz vor Heiligabend dem Team davonlief, um sich auszuruhen auf dem Erreichten und sich vorzubereiten auf seine Auftritte als Investor in der Höhle der Löwen auf dem TV-Sender Vox. Für Hamilton war Rosbergs Flucht eine Befreiung. Für Teamchef Toto Wolff eine Herausforderung. Er traf sich mit Hamilton in der Küche seines Hauses in Oxford, dort erlebten sie "unseren Moment", wie Wolff der SZ erzählte: "Da hat sich unser Verhältnis von Skepsis in Vertrauen gewandelt. Durch ein Gespräch."

Rennt einer wie Hamilton vor Weihnachten fort?

Hamilton sei damals im Zwiespalt gewesen, ob er der Truppe, die das beste Auto baute, vertrauen könne. "Er hat den Eindruck gehabt", sagte Wolff, "dass wir Rosberg favorisiert hätten." Hamilton blieb. Was dann folgte, werden bald schon acht der 14 Pokale sein, die er gemeinsam mit Toto Wolff gewonnen haben wird. Er muss nur noch einmal vor seinem handzahmen Teamkollegen Valtteri Bottas ins Ziel rauschen, dann ist er siebenmaliger Weltmeister, genau wie Michael Schumacher.

Und dann? Rennt einer wie Hamilton vor Weihnachten fort? Verlässt das nach wie vor beste Auto, anstatt es noch mindestens ein weiteres Jahr um den Planeten zu steuern, 23 Mal ins Ziel zu bringen, um dann dies hier zu werden: ein achtmaliger Weltmeister - der beste Rennfahrer der Geschichte? "Ich weiß nicht mal, ob ich nächstes Jahr hier bin. Dafür gibt es keine Garantie", hat Hamilton gesagt am Sonntag nach seinem Sieg in Imola. Huch!

Andererseits: Es hat wohl schon Spieler gegeben, die mit besseren Blättern gepokert haben als dieser Lewis Hamilton im Jahr 2020. Jenem Jahr der Seuche für die Menschheit und dem des Triumphs für den Formel-1-Rennstall Mercedes, der nun offiziell der erfolgreichste Serien-Weltmeister der Geschichte ist.

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