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Formel 1 in Australien:Vettels Kollege Leclerc ist im Weg

Sondern ein Auto gegen einen leichten Hügel. Ausgerechnet Daniel Ricciardo, der einzige Australier im Feld, empfand es so, dass er auf der Geraden zu wenig Platz hatte. Er wich auf die Wiese aus, dort riss ihm eine Unebenheit zum Leidwesen des Publikums den Frontflügel ab. Er fuhr an die Box, ließ sich einen neuen anschrauben und besorgte sich bei der Gelegenheit gleich einen neuen Satz harter Reifen. Er wollte auf diesen bis ins Ziel rollen. Nach einer Runde führte Bottas vor Hamilton, vor Vettel, Verstappen - und Leclerc. Nach neun Runden hatte Bottas einen Vorsprung von drei Sekunden auf seinen Teamkollegen herausgefahren. Hamilton wiederum lag drei Sekunden vor Vettel.

Und Leclerc? Der leistete sich in der neunten Runde einen kleinen Ausritt ins Kiesbett, der ihn ein paar Sekunden Zeit kostete. Nach zehn Runden wurde Robert Kubica, Letzter des Feldes, erstmals überrundet. Auch der Pole, der im Williams sein erstes Rennen nach acht Jahren fuhr, hatte zwischenzeitlich seinen Frontflügel verloren und erneuert. Und wieder eine Runde später stellte Carlos Sainz seinen McLaren vor der Boxengasse ab und kletterte geschwind aus dem Cockpit. Hinten schlugen kleine Flammen aus seinem Renault-Motor. An der Spitze des Feldes drehten Hamilton und Bottas abwechselnd die schnellsten Runden.

Vettel fuhr nach 14 Runden an die Box für einen Satz neuer Reifen, ließ sich die mittelharte Mischung aufziehen. Eine Runde später reagierte Mercedes und ließ Hamilton exakt dasselbe Manöver vollziehen. Auf den frischen Reifen fuhr Vettel sogleich die schnellste Runde. In Führung lagen nach 20 Runden Bottas, Verstappen und Leclerc, die noch nicht an der Box gehalten hatten. Dahinter folgten Hamilton und Vettel, wobei der Ferrari in kleinen Schritten aber konstant aufholte und nur den Abstand auf den Briten auf 1,4 Sekunden reduzierte. Bottas wiederum rollte nahezu sensationell auf seinen gebrauchten Reifen, fuhr im Schnitt drei Zehntel schneller als Hamilton.

Hamilton klagt über den Zustand seiner Reifen

"Warum habt ihr mich so früh reingeholt", fragte Hamilton. "Um uns gegen Vettel zu verteidigen", lautete die Antwort seines Kommandostands. Das war nicht ohne Ironie. Denn in der Vergangenheit war es eher Bottas' Aufgabe gewesen, Hamilton gegen Vettel zu verteidigen. Erst nach 23 Runden rief Mercedes Bottas an die Box. Und als er auf die Strecke zurückkehrte, lag er zehn Sekunden vor dem Fahrer, dem er in den vergangenen Saisons jeweils sekundiert hatte auf dem Weg zu dessen Titelgewinnen. Als nächster hielt Verstappen an seiner Versorgungsstation. Ferrari wiederum ließ Leclerc erstaunlich lang auf der Strecke, nach 28 Runden verlor er pro Runde sechs Zehntel auf Hamilton.

Dann erst rief ihn die Scuderia zum Reifentausch. Die Hälfte des Rennens war nun vorbei. Die Reihenfolge der ersten fünf Fahrer war exakt wie am Ende der ersten Runde. Allerdings hatte Bottas nun einen Vorsprung von 17 Sekunden auf Hamilton herausgefahren. Und dann, in Runde 30, änderte sich etwas Grundsätzliches: Verstappen schob seinen Red Bull an Vettels Ferrari vorbei. Innerhalb des DRS-Fensters, also mit flacher gestelltem Heckflügel, und auf weit frischeren Reifen zog der Holländer fast mühelos vorbei am viermaligen Weltmeister. Diese Szene könnte Vettel in den nächsten Tagen gedanklich noch etwas verfolgen. Zwei Fahrer verabschiedeten sich aus dem Wettbewerb. Ricciardo stellte seinen Renault ab - genau wie Romain Grosjean seinen Haas, an dem sich kurioserweise genau wie vor einem Jahr am selben Ort das linke Vorderrad gelöst hatte.

Hamilton klagte über Funk permanent über den Zustand seiner Reifen. Er werde auf ihnen auf keinen Fall die Ziellinie erreichen. Und in seinem Rückspiegel tauchte Verstappens Limonadenflitzer formatfüllend auf. Wie rund der Mercedes lief, das bewies zum Saisonauftakt nicht Hamilton, sondern Bottas. Er kreiste pro Runde 1,2 Sekunden schneller durch den Albert Park als Vettel. Hamilton konnte angesichts der fast irrwitzigen Schwäche von Ferrari selbstredend gut damit leben, seinem Teamkollegen den Vortritt bei der Siegehrung lassen zu müssen. "Ich musste uns vor Max verteidigen. Und ich habe auch ein paar Ideen, wo meine Geschwindigkeit heute hin war. Ich werde das mit meinen Ingenieuren besprechen", sagte Hamilton.

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