Formel 1 in MonzaJetzt will Verstappen noch mehr

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„Bisher hatte ich immer das Gefühl, nur ein Passagier im Auto zu sein“: Jetzt ist Max Verstappen mit seinem Rennwagen deutlich zufriedener.
„Bisher hatte ich immer das Gefühl, nur ein Passagier im Auto zu sein“: Jetzt ist Max Verstappen mit seinem Rennwagen deutlich zufriedener. Jakub Porzycki/Reuters
  • Max Verstappen gewinnt überraschend den Großen Preis von Italien in Monza mit über 19 Sekunden Vorsprung vor der Konkurrenz.
  • Nach einem Unterboden-Wechsel am Red Bull versteht Verstappen sein Auto wieder besser und fühlt sich nicht mehr wie ein Passagier.
  • Der neue Teamchef Laurent Mekies ersetzt Christian Horner und sorgt mit seinem technischen Hintergrund für bessere Kommunikation im Team.
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Beim Überraschungssieg in Monza beweist der Niederländer, dass er sein Auto besser versteht. Das Wiedererstarken von Red Bull hat mit Technik, aber auch mit Sprache zu tun.

Von Elmar Brümmer, Monza

Es sollte etwas kleben bleiben von diesem letzten Formel-1-Wochenende des Jahres auf europäischem Boden. Mit der klassischen Champagnerdusche für Max Verstappen auf dem Podium beim Großen Preis von Italien wollten es die Kollegen von Red Bull Racing nicht bewenden lassen. Beim Mannschaftsfoto vor der Boxengarage in Monza, bei dem zunächst alle brav mit der obligatorischen Dose in der Hand posierten, sollte der Sieger noch einmal mit Brause geduscht werden. Doch es war dann wie zuvor im temporeichsten Rennen der Grand-Prix-Geschichte: Der Niederländer war einfach einen Tick zu schnell.

Aus dem Nichts hatte Verstappen die Pole-Position geholt, im Rennen dann erneut Platz eins, auf einem Territorium, das, wenn nicht McLaren, dann doch dem Heimteam Ferrari hätte gehören sollen. Doch für Überraschungsangriffe waren Red Bull und der Niederländer schon immer gut. Auch McLaren-Teamchef Andrea Stella, der genug damit zu tun hat, die beiden aussichtsreichsten WM-Kandidaten Oscar Piastri und Lando Norris zu managen, warf ein banges Auge auf den Titelverteidiger: „Ich muss zugeben, dass wir zwar erwartet hatten, nicht so dominant zu sein wie zuletzt, aber mit einem solchen Rückstand hatten wir nicht gerechnet.“ Ob des großen Rückstands in der WM-Wertung (94 respektive 63 Zähler) mag Verstappen in den ausstehenden acht Rennen unter normalen Umständen nur eine Außenseiterchance haben – aber das Zünglein an der Waage kann er trotzdem spielen.

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Was den viermaligen Champion aktuell herzlich wenig interessiert. Er hat Witterung aufgenommen, Verstappen will mehr, zumindest die persönliche Genugtuung. Früh rangelte er auf der Strecke mit Norris („Was macht der Idiot?“), dann demütigte er die Konkurrenz mit mehr als 19 Sekunden Vorsprung. „Ich bin geflogen“, sagte Verstappen. Zuvor war der Unterboden, das größte Teil an seinem bislang so schwer ausrechenbaren Rennwagen, getauscht worden. Dort wird die Aerodynamik definiert, und mit der jüngsten Änderung scheint die Luft wieder so leistungsfördernd zu strömen, wie es unter Stardesigner Adrian Newey der Fall war, dem Herrn der Winde.

Zumindest auf Strecken wie in Monza mit den langen Geraden, wo bei kurzen Kurven spät gebremst und früh beschleunigt werden muss, hat Verstappen nun wieder einen Vorteil. Er erkannte im Cockpit einen Unterschied: „Bisher hatte ich immer das Gefühl, nur ein Passagier im Auto zu sein. Jetzt ist das Auto einfach ausgewogener.“ Das wirkt sich auf die Reifen, aber auch auf den Menschen aus. Alles unter Kontrolle zu haben, das ist Verstappens Lieblingszustand.

Verstappen lobt seinen neuen Teamchef Laurent Mekies, den Nachfolger von Christian Horner

Glücklicher als Verstappen, für den es bereits der 66. Erfolg in Red-Bull-Farben ist, war am Sonntagabend wohl nur Teamchef Laurent Mekies, der nach dem Rauswurf von Christian Horner vor acht Wochen eilig vom Talentschuppen Racing Bulls ins A-Team befördert worden war. Für den Franzosen war es der erste Formel-1-Sieg unter eigener Regie. Der ihm zur Seite gestellte österreichische Rennstallberater Helmut Marko war bei Sky voll des Lobes: „Er analysiert kontinuierlich die Gesamtsituation. Wichtig ist, dass wir gezeigt haben, dass das Potenzial da ist und nun richtig genutzt wird. Auch schon im Blick auf das nächste Jahr.“

Das war schon ein kleines Nachtreten gegen Horner, aber geschickt verpackt mit dem Hinweis auf den generellen Trend, dass bei den Rennställen mehr und mehr Ingenieure in die Verantwortung rücken. Auch Verstappen ist über das veränderte Niveau der Diskussionen höchst erfreut. Er habe in den ersten paar Tagen mit Mekies schon mehr über die Technik gesprochen als mit dessen Vorgänger in zehn Jahren: „Da Laurent einen technischen Hintergrund hat, stellt er den Ingenieuren die richtigen Fragen. Fragen, die dem gesunden Menschenverstand entsprechen, und das funktioniert wirklich gut.“

Die Protagonisten bei Red Bull reden wieder miteinander, so wurde das Wunder von Monza möglich. Als Paradefahrer hat Verstappen in der Krise mehr Mitspracherecht bekommen und lebt diese Verantwortung auch vor. Seine eigene Rolle ist durch das Qualifikationsergebnis unterstrichen worden, als er sich bei der Fahrzeugabstimmung gegen die Ingenieure durchsetzen konnte. „Ich habe zwar ein paar Fragezeichen in den Gesichtern gesehen, aber ich war mir sicher, dass es das Richtige war“, sagte Verstappen. Das alte Vertrauen ist zurückgekehrt.

Das alte Vertrauen ist zurück: Max Verstappen (rechts) überholt Lando Norris in Monza.
Das alte Vertrauen ist zurück: Max Verstappen (rechts) überholt Lando Norris in Monza. Luca Bruno/AP

Verstappen musste bislang die meisten Rennwochenenden damit beginnen, überhaupt erst die richtige Abstimmung für die technischen Komponenten zu finden, während die Konkurrenz aus einer verlässlichen Basis heraus operieren konnte. „Bisher haben wir immer erst nach links und dann nach rechts geschossen. Das Positive in der jetzigen Situation ist, dass wir ein bisschen besser verstehen, was wir mit dem Auto machen müssen, um wettbewerbsfähiger zu sein“, sagte Verstappen.

So weit wie der Motorsportberater Helmut Marko, der davon sprach, künftig auf den meisten Strecken wieder aus eigener Kraft vorn mitfahren zu können, wollte der Pilot noch nicht gehen. Eine andere Aussage des Österreichers, dass mit dem besseren Verständnis für den Rennwagen auch das alte Feeling im Rennstall wieder zurückgekehrt sei, unterschrieb Verstappen dagegen gern. Der 27-Jährige mag auf der Piste ein gnadenloser Einzelgänger sein, aber er ist auch einer, der zwingend ein familiäres Gefühl in der Garage braucht. Auch das meinte der Sieger damit, als er nach seiner Machtdemonstration sagte: „Wir haben endlich wieder eine Richtung gefunden.“

Damit wurden bekannte Verhaltensmuster wieder aktiviert. Angesichts seines riesigen Vorsprungs bei nur noch einer Handvoll Runden bekam Verstappen vom Kommandostand aus gefunkt, es doch bitte etwas ruhiger angehen zu lassen: „Die Arbeit ist getan. Bring es nach Hause, keine Risiken mehr.“ Die Antwort des Niederländers: „Verstanden. Kein Risiko, aber ich gebe Vollgas!“

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