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Milliardär Lawrence Stroll:Mein Auto, mein Rennstall, mein Weltmeister

2019 Russian GP SOCHI AUTODROM, RUSSIAN FEDERATION - SEPTEMBER 29: Otmar Szafnauer, Team Principal and CEO, Racing Point; Lawrence Stroll

Mächtige Physiognomie und dröhnende Stimme: Lawrence Stroll (re.) gehört zu den Mächtigen der Formel 1.

(Foto: Andy Hone/imago)

Für Milliardär Lawrence Stroll geht es in der Formel 1 um Macht, Familie und Geltung. Zwischen ihm und Sebastian Vettel könnte eine reizvolle Verbindung entstehen.

Von Elmar Brümmer

Der Mann, der dafür sorgen will, dass Deutschland in der kommenden Formel-1-Saison doch noch einen Rennfahrer am Start hat, liebt das Leben mindestens so wie die Herausforderung. Wahrscheinlich sind die beiden Begriffe für Lawrence Stroll gleichbedeutend. Es erscheint deshalb folgerichtig, dass er inzwischen eine der wichtigen Figuren in der Königsklasse des Motorsports ist - dort, wo nicht nur die Rennwagen, sondern auch die Egos ans Limit getrieben werden. Der Kanadier ist mächtig, das drückt sich auch in seiner Physiognomie und seiner bisweilen dröhnenden Stimme aus. Der jobsuchende Sebastian Vettel hat nach früheren Angaben durchaus ein Faible für erhöhte Dezibelwerte. Vor allem aber kann Stroll mit seinem Besitztum namens Racing Point dem Heppenheimer das bieten, was er zur Bedingung eines Karrierefortgangs gemacht hat: ein Rennstall und ein Rennwagen mit Perspektiven. Schon jetzt ist klar, dass das eine reizvolle Verbindung werden könnte, die zwischen dem Teamprinzipal und dem viermaligen Weltmeister.

Würde Lawrence Stroll erst in diesem Sommer 60 Jahre alt werden, dann hätte seine Geburtstagsparty vermutlich ein anderes Motiv als die im vergangenen Jahr. Da durften die Gäste sich noch im Stil vom "Großen Gatsby" vergnügen, diesmal wäre "James Bond" das angemessene Motto. Denn Stroll hat inzwischen das Sagen bei der kränkelnden britischen Traditionsmarke Aston Martin übernommen, die den Film-Agenten im Auftrag ihrer Majestät stets so schnittig stilvoll ausrüstet. Stroll ist zwar ein Visionär, aber kein Mann der Fiktion. Hinter seinem Investment von 656 Millionen Dollar steckt mehr als nur der Wunsch eines Großaktionärs nach schnöder Geldvermehrung. Es geht um Leidenschaft, um Macht, um Familie, Geltung - und um Sport. Ein Cocktail aus Emotion und Zielstrebigkeit, wie gemacht für ein Alphatier.

Toto Wolff und Lawrence Stroll fliegen auch mal zusammen in den Urlaub

Wer von "Forbes" auf ein Privatvermögen von 2,5 Milliarden Dollar geschätzt wird, der kann sich nahezu alles kaufen. Lawrence Strolls ewige Versuchung ist der Erfolg, der Maßstab im Rennzirkus ist Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz. Der hat sechs Jahre bis zum ersten Titelgewinn unter eigenem Namen gebraucht. Damit ist auch klar: Stroll will schneller sein. Er kaufte sich erst bei Williams ein, dann beim kriselnden Rennstall Force India und schuf daraus Racing Point, das kommende Werksteam von Aston Martin. Damit hat schon mal der Name einen besonderen Klang. Einer der Investoren bei Aston Martin - der Firma, nicht direkt dem Rennstall - ist Strolls Freund Toto Wolff, der Weltmeistermacher von Mercedes. Keine unwichtige Verbindung, auch wenn Wolff von einem strikt privaten Engagement spricht. Freundschaftsdienste muss das nicht ausschließen, die Ehepaare Wolff und Stroll fliegen auch mal zusammen in den Urlaub. Lawrence Strolls Netzwerk umfasst seit Jahrzehnten auch die wichtigsten Leute bei Ferrari.

Photo4 / LaPresse 27/04/2019 Baku, Azerbaijan Grand Prix Formula One Azerbaijan 2019 In the pic: Lawrence Stroll (CAN); Lawrence Stroll

Mercedes' Weltmeister-Macher Toto Wolff (Mitte) und Lawrence Stroll (li.) verstehen sich auch privat sehr gut.

(Foto: imago)

Stroll ist ein bekennender "Petrol Head", wie im Englischen die Motorsportverrückten genannt werden. Seit er 1978 in Montreal seinen ersten Grand Prix sah, bei dem Landsmann Gilles Villeneuve im Ferrari siegte, lässt ihn der Motorsport nicht mehr los. Wann und wo immer es geht, fährt er seine privaten Sportwagen aus: "Wenn ich meine Autos benutze, bin ich hart - ich nutze sie zu 100 Prozent in ihrer Leistung aus, und wenn ich sie im Rennen fahre, gehe ich Risiken ein. Ich betrachte sie nicht über ihren Wert. Ich möchte die Empfindungen spüren, die ein Auto auf und neben der Strecke vermitteln kann."

Stroll hat Vertrauen - insbesondere in sich selbst

Familie Stroll ist Anfang des vergangenen Jahrzehnts von Montreal an den Genfer See umgezogen, damit Sohnemann Lance in Europa die bestmögliche Ausbildung zum Rennfahrer angedeihen kann. Stroll Junior schaffte nach intensivem Privatunterricht vor drei Jahren tatsächlich den Sprung in die Formel 1, Vaters Investment in den Williams-Rennstall war dabei kaum hinderlich. Aber auf Dauer ein Schlusslicht zu unterstützen, das war nichts für den ehrgeizigen Papa. Zu mühsam, auch für den Sohn. Der ist erst 21 und seine Leistungen im Mittelfeld waren bisher schwankend. Die nächste Ausbildungsstufe wurde daher Racing Point. Der Rennstall hieß ganz am Anfang Jordan - dort machten die Brüder Michael und Ralf Schumacher ihre ersten Gehversuche. Aus jener Zeit stammt auch die Rennfabrik in Silverstone, die gerade für eine dreistellige Millionensumme zu einer hochmodernen Immobilie aufgepeppt wird. Die Leitfigur Vettel würde prima zum Anspruch passen, nicht bloß als Fahrlehrer für Stroll junior.

Der Mann, der als Lawrence Sheldon Strulovich geboren wurde, versucht damit, ein für ihn typisches Schema aus der Modeindustrie auf die Automobilbranche zu übertragen. Die Marken Ralph Lauren, Tommy Hilfiger und Michael Kors verdanken seinem Instinkt und seiner harten Hand ihre heutige Geltung. Sein Vorgehen sieht so aus: Erst beteiligt sich Stroll, dann expandiert er, dann stößt er die Firmen mit Gewinn ab. Das Formel-1-Engagement war zunächst mehr Hobby als Investment. Aber irgendwann erkannte Stroll die Parallelen zu seinem Tun an den Finanzmärkten: "Der Wert einer solchen Anlage wird steigen, wenn man sie richtig behandelt." Racing Point ist das beste Beispiel: In den ersten beiden Saisonrennen zeigte sich bereits, dass der neue Rennwagen ein Top-Auto ist. Die Konkurrenz munkelt, dass es sich um eine Kopie des Vorjahres-Silberpfeils handele, dagegen laufen erste Proteste. Solche Anfeindungen lassen den Manager Stroll eher kalt, sie verfestigen nur seinen Willen.

Auch in seiner Heimat hatte er gelegentlich Ärger mit Nachbarn, die mal gegen eine Vergrößerung der Tiefgarage für seine Ferrari-Sammlung oder die vielen Hubschrauberflüge zu seiner privaten Rennstrecke klagten. Lawrence Stroll gab an, dafür grundsätzlich Verständnis zu hegen. Nur: Wer seine Ruhe haben wolle, der dürfe eben nicht in die Nähe von Lärm ziehen. Das entspricht seinem Selbstverständnis ebenso wie der Name seiner 62 Meter langen Yacht: Faith. Vertrauen - insbesondere in sich selbst.

© SZ/tbr
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