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Formel 1 in Monza:"Endlich ein Rennfahrer"

Nach mäßigen Jahren lässt Adrian Sutil mit einem vierten Platz beim Großen Preis von Italien aufmerken - und staunt selbst darüber.

Beim letzten Boxenstopp hätte Adrian Sutil sein gutes Resultat fast noch verspielt. Er bremste zu spät, sein Force India schlitterte über die Boxenmarkierung hinaus und fuhr einen Mechaniker um. Mehr als ein paar blaue Flecken und einige verlorene Sekunden waren allerdings nicht zu beklagen. Sutil kehrte wie geplant auf die Strecke in Monza zurück und wenige Runden später fuhr er als Vierter über die Ziellinie und damit nur knapp an der Champagner-Zeremonie vorbei. "Ein super Resultat, das habe ich gebraucht. Ich bin jetzt voll motiviert für den Rest der Saison", sagte der 26-Jährige, der in seinem 48. Grand-Prix schon am Samstag viel Aufmerksamkeit erregt hatte, als er als Qualifikations-Zweiter erstmals einen Startplatz in der ersten Reihe eroberte.

Daumen hoch: Adrian Sutil, von dem auch Weltmeister Lewis Hamilton angetan ist.

(Foto: Foto: dpa)

Sutil kommt aus Gräfelfing bei München. Sein Vater Jorge, der aus Uruguay stammt, ist Musiker. Er war Mitglied der Münchner Philharmoniker. Sein Sohn hat ebenfalls musisches Talent: Schon früh spielte er so gut Klavier, dass er Konzerte geben konnte. Die Geschichte von Adrian Sutil erzählt davon, wie es auch laufen kann im Motorsport: Nicht wie bei Michael Schumacher, dessen Talent früh im Juniorenteam eines Autokonzerns geschliffen wurde. Nicht wie bei Sebastian Vettel, der als Teenager schon unter die Obhut einer ambitionierten Getränkefirma kam, die seine Karriere mit einer gewaltigen Mitgift förderte. Adrian Sutil hat sich über viele Serien und viele Länder in die höchste Kategorie gehangelt.

Mit dem schnellen Fahren von Go-Karts begann er relativ spät: mit 13. Erst mit fast 20 bestritt er seine erste Meisterschaft in einem Formel-Rennwagen - das Schweizer Formel-Ford-Championat. Von dort ging es weiter in die Formel-BMW-ADAC, die Formel-3-Euro-Serie und für drei Rennen in die A1GP-Serie, bevor er 2006 in die japanische Formel 3 wechselte. Den Bindestrich-Klassen entkam er über einen Testfahrer-Vertrag. Parallel zu seinem Engagement in Asien bewegte Sutil den Formel-1-Rennwagen des einstigen Teams von Eddie Jordan. Das hieß damals noch Midland und gehörte einem russischen Stahlhändler.

Märchenhafter Aufstieg

Im Jahr darauf, als Sutil zum regulären Formel-1-Piloten aufstieg, nannte sich die Mannschaft Spyker und gehörte zum Teil niederländischen Autobauern. Inzwischen heißt die Equipe Force India und ist im Besitz des Inders Vijay Mallya, der unter dem Namen Kingfisher sowohl ein Bier als auch eine Fluglinie betreibt. Jahrelang fuhren die Autos aussichtslos hinterher. Seit dem Rennen vor zwei Wochen in Belgien fahren sie nun plötzlich an der Spitze. Weil ihre Form besonders gut zu Strecken passt, auf denen es lange Geraden gibt. Weil sie von den Raketen-starken Mercedes-Motoren angetrieben werden. Und weil Mallya sich beim Topteam McLaren nicht nur gute Getriebe gekauft hat, sondern auch einige Ingenieure. Es ist ein märchenhafter Aufstieg, wie es ihn in der Formel 1 selten gibt, und Adrian Sutil staunt selbst darüber.

"Bis vor zwei Wochen hätte ich nicht gedacht, dass das hier möglich ist", gibt Adrian Sutil zu, "jetzt fühle ich mich endlich wieder wie ein Rennfahrer." Vor zwei Wochen in Spa-Francorchamps eroberte sein damaliger Teamkollege Giancarlo Fisichella die Pole-Position. Im Rennen wurde er knapp Zweiter. Danach entschloss sich der Italiener zum Wechsel zu Ferrari. Ein Schritt, der ihn nicht unbedingt nach vorne brachte. Denn zumindest beim Italien-Grand-Prix waren die roten Autos kaum stärker als die in den Farben Indiens. Fisichella parkte beim Start im Ferrari lediglich auf Platz 14, Vitantonio Liuzzi, der ihn bei Force India ersetzte, wurde in der Qualifikation auf Anhieb Siebter.

Adrian Sutil musste sich bei der Jagd auf dem besten Startplatz lediglich Lewis Hamilton im McLaren-Mercedes geschlagen geben. Der Weltmeister zeigte sich nach dem Ausscheidungsfahren von Sutils Leistung angetan. "Schön, dass er endlich einmal zeigen kann, was er kann", sagte er. Die beiden kennen sich gut. In einer Nachwuchsserie fuhren sie einst im gleichen Team. Hamilton wurde damals Meister, Sutil Zweiter. Danach liefen die Karrieren der beiden wieder auseinander. Geradlinig zum WM-Titel die von Hamilton. Kurvig durchs Hinterfeld die des anderen. Wie es weitergeht, weiß Adrian Sutil noch nicht. Es gibt Optionen. Auch 2010 könnte er für den indischen Bierbrauer und Airline-Betreiber antreten. Findet sich ein besseres Auto, könnte er auch wechseln. "Im Moment", sagt Sutil, "geht es in der Formel 1 recht unübersichtlich zu."

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