Formel 1 in Brasilien Kleine Genugtuung für Vettel

Dicker Kuss für die Trophäe: Sebastian Vettel siegt in Brasilien.

(Foto: Whitaker/reuters)
  • Sebastian Vettel gewinnt den Großen Preis von Brasilien, Weltmeister Hamilton wird Vierter.
  • Das Wochenende wird von einem bewaffneten Überfall auf Mercedes-Mitarbeiter überschattet.
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Von Philipp Schneider

Am Ende einer langen Saison in der Formel 1 geht es ja oft nur noch um die kleinen Genugtuungen. Darum, dass sich beispielsweise ein Sebastian Vettel ein bisschen besser fühlt nach der an Lewis Hamilton verlorenen Weltmeisterschaft. Irgendwie muss einer ja halbwegs gut gelaunt über den Winter kommen, der sich für einen Formel-1-Fahrer ewig ziehen kann. Und nun gab es also am Sonntag für Vettel diesen ersten Platz in São Paulo.

Vettel stieg aus dem Wagen, er warf vor Freude seine zu Fäusten geballten Hände in die Luft, er hüpfte ganz nach oben auf das Podium. "Die letzten Wochen waren hart", sagte Vettel. "Schön, dass es heute geklappt hat." Vor dem letzten Rennen in Abu Dhabi hat er sich einen Vorsprung verschafft auf Valtteri Bottas, der in der Gesamtwertung 22 Punkte hinter ihm liegt und ihm wohl den zweiten Platz nicht mehr streitig machen wird. Es wäre Vettels erster zweiter Platz im Ferrari. Immerhin.

Bewaffneter Überfall auf Mercedes-Mitarbeiter

Der Sport hat an diesem Wochenende in Brasilien ansonsten eine Nebenrolle gespielt. Und das lag nicht einmal daran, dass sowohl Fahrer- als auch Konstrukteurs-Weltmeisterschaft zwei Rennen vor Ende der Saison entschieden waren. Es lag daran, dass die Strecke von Interlagos, die zwischen Armutsvierteln gelegen ist, zum Tatort eines Verbrechens geworden war. Am Freitagabend hatte ein gepanzerter Wagen mit Mitgliedern des Internationalen Automobilverbandes einem Überfall noch entkommen können.

Formel 1 Vettel gewinnt in Brasilien
Formel 1

Vettel gewinnt in Brasilien

Kaum ist der WM-Titel futsch, gewinnt Sebastian Vettel im Ferrari den Großen Preis von Brasilien. Weltmeister Hamilton verpasst das Podest.

Weniger Glück hatten daraufhin acht Mitarbeiter von Mercedes, die in einem eben nicht gepanzerten Teambus saßen, der gegen 22 Uhr Ortszeit von Männern mit vorgehaltenen Waffen gestoppt wurde. Einige Mitarbeiter mussten sich auf den Boden legen. "Es müssen wirklich beängstigende Momente gewesen sein", sagte Mercedes-Boss Toto Wolff. Und Hamilton rechnete vor, dass solche Überfälle während seiner Zeit in der Formel 1 "jedes Jahr irgendeinem im Fahrerlager passiert" seien. Das war zum Glück etwas übertrieben. Leider aber nur etwas.

2010 hat es in São Paulo einen Überfallversuch auf Jenson Button gegeben, der einem Angreifer mit Waffe unverletzt entkommen konnte. Vor einem Jahr wurde Bernie Ecclestones 18 Jahre jüngere Schwiegermutter entführt: Aparecida Schunck Flosi Palmeira, die Mutter von Fabiana Flosi, der dritten Ehefrau des 87-jährigen Multimillionärs, wurde von Männern verschleppt, die sich - als Lieferanten getarnt - Zutritt zu ihrem Haus nahe São Paulo verschafft hatten. Erst acht Tage später wurde Flosi Palmeira von einer Spezialeinheit befreit. "Nein, es gibt keinen Grund, ängstlich zu sein oder sich Sorgen zu machen", sagte Ecclestone im Vorjahr. Ach was, Brasilien sei nicht gefährlich. Das wiederum war etwas untertrieben.

Obwohl die brasilianischen Behörden das Areal um das Autódromo José Carlos Pace nach dem Vorfall am Freitag in eine Hochsicherheitszone verwandelten, kam es am Samstagabend zu einem dritten Zwischenfall. Sauber-Rennstrategin Ruth Buscombe berichtete, ein Wagen mit Mitarbeitern des Schweizer Rennstalls sei gerammt worden. Offenbar mit der Intention, ihn zum Stehen zu bringen.