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Formel 1 in Portugal:Rekordjagd auf der Asphalt-Achterbahn

F1 Grand Prix of Portugal - Previews

Bald alleiniger Rekordhalter? Lewis Hamilton.

(Foto: Joe Portlock/Getty Images)

Die Strecke in Portimão ist geprägt von vielen kaum einsehbaren Stellen und einem ständigen Auf und Ab. Bei ihrer Premiere könnte sie direkt Bühne bieten für eine außergewöhnliche Leistung.

Von Anna Dreher

Zu den Besonderheiten dieser Formel-1-Saison zählt die Rückkehr an Orte, die längst nicht mehr oder gar noch nie berücksichtigt worden sind. Bei der Gestaltung des Rennkalenders mussten eben Zugeständnisse gemacht werden, um überhaupt fahren zu können in einem Jahr, das von einer Pandemie bestimmt wird. Der Nürburgring und Imola haben es nach langer Absenz ins Programm geschafft, auch in Portugal wird wieder gefahren: An diesem Wochenende kehrt die Königsklasse des Motorsports dorthin zurück, nach 24 Jahren. Da kommen Erinnerungen hoch, vor allem an den ersten Formel-1-Sieg von Ayrton Senna 1985. Es war der Beginn einer besonderen Karriere, im Regen von Estoril. Nun fiel die Wahl auf das Autodromo Internacional do Algarve in Portimão.

Lewis Hamilton, 35, ist schon mal dort gewesen. 2009 war das, als er mit McLaren auf der damals erst ein Jahr alten Strecke getestet hat. Lange her. Das Gefühl ist längst verblasst für die 4,653 Kilometer Runde mit ihren 15 Kurven, geprägt von vielen kaum einsehbaren Stellen und einem ständigen Auf und Ab durch zahlreiche Höhenunterschiede. Eine Achterbahnfahrt auf Asphalt, die den meisten Piloten bis auf erste Kontakte im Simulator bis zum Freien Training am Freitag völlig unbekannt war. Aber der Kurs von Portimão könnte einen ziemlichen Senkrechtstart in Sachen Bekanntheit hinlegen und bei seiner Premiere direkt die Bühne bieten für eine außergewöhnliche Bestmarke der Formel 1 in ihrem 1030. Rennen.

Denn so ganz gleich sind die Voraussetzungen eben nicht, trotz der allgemein fehlenden Vertrautheit mit dem neu asphaltierten Terrain. Mercedes dominiert diese Saison mit dem verlässlichen W11-Boliden so deutlich, dass der Konstrukteursweltmeister der vergangenen sechs Jahre diesen Titel rein rechnerisch schon an diesem Wochenende verteidigen kann - obwohl dann noch fünf Termine anstehen. Und noch wahrscheinlicher ist, dass Hamilton am Sonntag (14.10 Uhr/RTL) zum alleinigen Rekordhalter bei den Rennsiegen aufsteigt. Die einst als unerreichbar geltenden 91 Erfolge von Michael Schumacher egalisierte er beim vergangenen Grand-Prix auf dem Nürburgring: "Niemand hätte sich vorstellen können, auch nur in die Nähe von dem zu kommen, was Michael erreicht hat", sagte er danach. Für ihn sei das schwer zu verstehen.

Trotz der erfolgreichen Zusammenarbeit hat Hamilton seinen Vertrag noch nicht verlängert

Aber es geht ja immer weiter. Und weil der Brite schon erklärt hat, dass er noch lange fahren möchte und sich Daimler-Chef Ola Källenius im Manager Magazin am Freitag klar für eine Fortsetzung des Formel-1-Engagements seiner Marke ausgesprochen hat, dürfte Hamilton das neue Unerreichbar noch um ein paar Rennsiege nach oben schrauben. Im Fokus hat er ohnehin vor allem das, wofür er noch den einen oder Podiumsplatz benötigt: seinen siebten Weltmeistertitel. Es müsste schon viel passieren, dass Hamilton 2020 nicht auch in dieser Hinsicht mit dem bisherigen Rekordhalter Schumacher gleichzieht, dem er 2013 nach dessen Karriereende bei Mercedes nachfolgte.

Trotz der konstant erfolgreichen Zusammenarbeit hat Hamilton seinen Vertrag nach wie vor nicht verlängert. "Priorität hat, meinen Job für dieses Jahr zu erledigen", sagte er in Portimão: "Darauf und nur darauf bin ich fokussiert. Alles andere muss warten." Dass das Fahrerkarussell durch die frei gewordenen Cockpits beim US-Team Haas an Schwung gewonnen hat und damit nun außer bei Ferrari, McLaren und Racing Point (ab 2021 Aston Martin) Ungewissheit herrscht, tangiert ihn wenig. Das ist eher interessant für aufstrebende Talente wie Schumachers Sohn Mick oder für suchende Routiniers wie Nico Hülkenberg. Hamilton weiß ja, was er will: bleiben. Er und Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff - dessen Zukunft ebenfalls ungeklärt ist - wollen sich zu gegebener Zeit zusammensetzen.

Hamilton kennt seinen Marktwert. Er ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Doch er weiß, und betont das vielleicht so häufig wie kein anderer Fahrer, dass es etwas schrägt wirkt, wenn man in Corona-Zeiten um Millionen feilscht. "Sehr relevant" sei dieser Zusammenhang für ihn, sagte er nun erneut. Viele Unternehmen seien schwer getroffen: "Aber ich denke, die Zukunft ist vielversprechend." Im Training am Freitag führte Mercedes das Feld wieder an.

© SZ vom 24.10.2020/tbr
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