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Ferrari:Es riecht nach Kuhhandel in der Formel 1

Tests in Barcelona: Charles Leclerc im Ferrari.

(Foto: Joan Monfort/AP)

Die intransparente Art und Weise, wie die Formel 1 den Schummelverdacht von Ferrari aus der Welt schaffen möchte, wirft Fragen auf.

Zumindest für den Automobilweltverband Fia gibt es seit Freitag gute Nachrichten. Er hat jemanden gefunden, der bereit ist, sich finanziell zu beteiligen an der mühevollen Reise der Formel 1 in ihre nach Blumenwiesen duftende, grüne Zukunft. Die Rennserie hat sich bekanntlich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu kreisen. Und siehe da: Die gute Fee, die die Ökowende herbeiführen wird, kommt nicht aus dem Märchenwald. Sie fliegt ein aus Maranello!

Ferrari, der ruhmreiche Hersteller von Verbrennungsmotoren, das verkündete die Fia am Freitag, habe sich "dazu bereit erklärt, die Fia in der Forschung von nachhaltigen Kraftstoffen zur Reduzierung von CO2-Emissionen zu unterstützen".

Sechs dürre Zeilen als Entschädigung für vier Monate Wartezeit

Nanu? Einfach so? Das ist aber nett. Oder verbirgt sich hinter Ferraris Altruismus nicht eher eine Strafe der Fia, die nur nicht so bezeichnet werden sollte? Oder war es vielleicht keine Strafe, aber vielleicht doch ein kleines Entgegenkommen dafür, dass die Fia freundlich den Teppich hochgehalten hatte, damit sich dort die Motorentechnik der Scuderia aus dem Vorjahr für alle Zeiten unterkehren ließe?

Tatsächlich warf diese Freitags-Botschaft der Fia mehr Fragen auf als sie beantwortete. Und ganz offensichtlich war das auch beabsichtigt. Denn verschickt wurde sie erst am letzten Tag der zweiwöchigen Testfahrten in Barcelona: Bloß keine lästigen Nachfragen von Journalisten vor dem Saisonauftakt in Melbourne in zwei Wochen!

Ohne Nachfragen bleibt es vorerst bei den sechs Zeilen, auf denen sich die Fia abschließend zu den Schummelvorwürfen äußerte, die Ferrari seit der zweiten Saisonhälfte 2019 begleitet hatten. Sechs dürre Zeilen als Entschädigung für vier Monate Wartezeit: Solang hatten Ferraris Konkurrenten auf das Ergebnis einer Untersuchung gehofft, die die Fia nach dem Rennen in São Paulo eingeleitet hatte, als sie aus den roten Rennwagen Benzinsysteme ausgebaut und zur näheren Untersuchung konfisziert hatte. Dass sie überhaupt tätig wurde, lag an der Hartnäckigkeit der anderen Teams, die den Verband wochenlang vor sich hergetrieben hatten mit Anfragen darüber, ob und inwiefern Benzinsysteme modifiziert werden dürften in Formel 1. Sie sagten nicht: Wir glauben, dass Ferrari schummelt. Sie fragten subtil nach, ob nicht eine gewisse Schummelei verboten wäre, von der sie dachten, Ferrari mache von ihr Gebrauch.

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