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Schummelverdacht in Formel 1:Eine unbefriedigende Antwort für die Ferrari-Gegner

28th February 2020; Circuit De Barcelona Catalunya, Barcelona, Catalonia, Spain; Formula 1 Pre season Testing Week Two,; Ferrari Manipulation

Ferrari steht zurzeit unter besonderer Beobachtung.

(Foto: imago images/Action Plus)
  • In ihrer Antwort auf die Forderungen der Ferrari-Gegner verkriecht sich die Fia hinter ihrem Regelbuch.
  • Und sie verteidigt sich mit ihrer Unfähigkeit, den Schummelverdacht rechssicher beweisen zu können.

Die Antwort erfolgte überraschend schnell. Was vor allem daran lag, dass sie erwartbar unbefriedigend ausfiel. Zumindest für jene sieben Rennställe, die Formel 1 fahren ohne italienische Motoren unter der Haube. Und die sich deshalb am Vortag zu einem ungewohnt harmonischen Chor zusammengeschlossen hatten, um ein Lied des Protests anzustimmen gegen die dürre Abschlusserklärung des Automobilweltverbandes Fia und das darin formulierte Stillschweigen zu den vermeintlichen Unregelmäßigkeiten am Ferrari-Motor der Vorsaison.

Die Fia antwortete 26 Stunden, nachdem sich die sieben Teams an die Öffentlichkeit gewandt hatten, anstatt hinter den Kulissen zu protestieren. Sie wollten öffentlich Druck aufbauen, um den Weltverband dazu zu bewegen, "eine vollständige und ordnungsgemäße Offenlegung anzustreben, um sicherzustellen, dass in unserem Sport alle Konkurrenten fair und gleich behandelt werden", wie sie schrieben.

Daraus wird vorerst nichts. Anstatt Transparenz zu schaffen, verkriecht sich der Verband hinter einem Regelbuch, das er selbst geschrieben hat. Und hinter dem Eingeständnis einer Unfähigkeit - ob nun vorgeschoben oder nicht -, den Verdacht rechtssicher beweisen zu können.

Die Fia besitzt nicht einmal einen eigenen Prüfstand

Mit den Unschulds-Beteuerungen der Italiener, schrieb die Fia, sei sie zwar "nicht vollständig zufrieden" gewesen. Sie habe jedoch entschieden, "dass weitere Maßnahmen nicht in einem beweiskräftigen Verfahren enden würden". Dies liege an der "Komplexität der Sachlage" und der "materiellen Unmöglichkeit", die es unmöglich machten, einen "eindeutigen Beweis des Regelbruchs zu liefern". Mit anderen Worten: Die Fia glaubt nicht an Ferraris Unschuld. Aber beweisen kann sie gar nichts. Sie besitzt ja nicht einmal einen Prüfstand!

Genau deshalb war Teil des offensichtlichen Kuhhandels (der offiziell keine Strafe beinhalten durfte), dass Ferrari den Kommissaren bei der Fahndung nach möglichen Mogeleien künftig hilft. Sich auf dem eigenen Prüfstand der Mogelei überführen zu lassen, das wollten die Italiener vermutlich auch nicht.

Aber mal so gefragt: Wenn einem Weltverband der Sport, den er organisieren soll, zu komplex ist, um ihn fair und transparent zu gestalten, hat er dann überhaupt noch eine Daseinsberechtigung?

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