bedeckt München
vgwortpixel

Formel 1:Massive Front gegen Ferrari

Formel 1: Boxenstopp bei Ferrari

Tüftler in Rot: Sieben Formel-1-Teams sehen sich von Ferrari und der Fia um die Wahrheit und womöglich auch um Punkte betrogen.

(Foto: Joan Monfort/AP)
  • Der Automobilweltverband Fia und der Rennstall Ferrari ziehen nach ihrem Deal, in dem es um vermeintliche Unregelmäßigkeiten am Antriebsstrang der italienischen Autos geht, massiven Ärger von sieben der insgesamt zehn Formel-1-Teams auf sich.
  • Mit dieser in der Egoisten-Rennserie seltenen Einigkeit dokumentiert die Mehrheit der Teilnehmer, dass die Sache nicht im Sande verlaufen soll.
  • Der Vorgang wird entscheidenden Einfluss auf die Tonalität der bevorstehenden Saison haben - es wird rauer, ungemütlicher, vielleicht auch persönlicher.

Ping. Ping. Ping. Ping. Ping. Ping. Ping. Die Fanfare zur neuen Grand-Prix-Saison ist gut eine Woche vor dem geplanten Saisonstart in Australien ein siebenfaches Nachrichtensignal auf dem Mobiltelefon. Zwischen 10.59 und 11.03 Uhr haben am Mittwoch alle sieben Rennställe ohne italienische Motoren im Heck gegen die Abschlusserklärung des Automobilweltverbandes Fia und das darin formulierte Stillschweigen zu den vermeintlichen Unregelmäßigkeiten am Antriebsstrang von Ferrari scharf protestiert. Die Mehrheit der Formel 1 macht damit Front gegen Ferrari, so massiv wie selten zuvor.

Der interne Streit ist öffentlich eskaliert. "Überrascht und schockiert" geben sich die Teamchefs in dem von jedem einzelnen Rennstall separat versendeten Statement darüber, dass die Sportbehörde den Ausgang der Ermittlungen verschweigt: "Wir lehnen das entschieden ab." Außerdem wird den Funktionären vorgeworfen, überhaupt nur aufgrund von Fragen anderer Teams zu der wundersamen Leistungssteigerung des Hybrid-Turbos aus Maranello im vergangenen Herbst tätig geworden zu sein. Umso mehr fordern sie jetzt Aufklärung.

Mit dieser in der Egoisten-Rennserie seltenen Einigkeit dokumentiert die Mehrheit der Teilnehmer (die Ferrari-Kundenteams Alfa Romeo und Haas gehörten nicht zu den Unterzeichnern), dass die Sache nicht im Sande verlaufen soll. Man will einen möglichen Skandal publik machen. Vier Monate ermittelte die Fia, nachdem die technischen Kommissare beim vorletzten Saisonrennen in São Paulo Benzinsysteme aus den roten Rennwagen ausgebaut und konfisziert hatten. Die Gerüchte über eine Manipulation der Durchflussmengenmessung hielten sich schon seit dem Spätherbst. Wer mehr Benzin als die erlaubten 100 Kilogramm pro Stunde verbrennen kann, steigert die Leistung erheblich.

Ein Kuhhandel zwischen Fia und Ferrari?

Ohne von einer Verurteilung zu sprechen, hatte die Aufsichtsbehörde in einer dürren Presseinformation mitgeteilt, dass Ferrari künftig die Forschung von synthetischen Kraftstoffen unterstützen werde, was sicherlich eine ordentliche Millionensumme kostet. Ein Teil des Deals offenbart auch den Kampf mit ungleichen Waffen zwischen Wettbewerbshütern und den Teilnehmern: Die Fia besitzt keine eigenen Prüfstände, kann also Manipulationen nicht durch eigene Simulation nachweisen. Deswegen ist Teil der Bestrafung, die offiziell ja keine Strafe sein soll, dass Ferrari den Kommissaren bei der Fahndung nach möglichen Mogeleien künftig hilft.

Die Insider von auto motor und sport sprachen daraufhin von der "vielleicht seltsamsten Pressemitteilung in der Geschichte der Formel 1", und lieferten gleich die Begründung mit: "Die Fia wollte der Motorsportwelt etwas mitteilen, was man lieber verschwiegen hätte. Man konnte es aber nicht ganz unter den Teppich kehren, weil zu viele davon wussten." In einem Wort: ein Kuhhandel. Bei den Testfahrten in Barcelona, zu deren Abschluss das Bulletin veröffentlich worden war, begann es bereits bei der Konkurrenz heftig zu brodeln. Das gemeinsame Kommuniqué ist das wohl formulierte Resultat, hinter dem sich die ganze Wut auf eine neuerliche Lex Ferrari verbirgt. Das wird entscheidenden Einfluss auf die Tonalität der bevorstehenden Saison haben - es wird rauer, ungemütlicher, vielleicht auch persönlicher.

Zur SZ-Startseite