Formel 1Der ewige Ehrgeizling möchte jetzt genießen

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2393 Zähler in 431 Formel-1-Rennen hat Fernando Alonso bislang gesammelt.
2393 Zähler in 431 Formel-1-Rennen hat Fernando Alonso bislang gesammelt. Fatima Shbair/AP Photo

Zum vermutlich letzten Mal fährt Fernando Alonso, 44, an diesem Wochenende ein Formel-1-Rennen in Barcelona. Über einen großen Fahrer, der noch deutlich erfolgreicher hätte sein können.

Von Elmar Brümmer, Barcelona

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Eine Formel 1 ohne Fernando Alonso, das ist schwer vorstellbar. An Piloten der nächsten Generation herrscht kein Mangel, an Charismatikern schon – gerade am Circuit de Barcelona-Catalunya, wo Alonso vor einem Vierteljahrhundert sein erstes Heimspiel hatte und für Spanien eine Bewegung entfachte, wie es zuvor Michael Schumacher in Deutschland gelungen war. Die Begeisterung ist in Wellenlinien verlaufen, aber sie hält an, auch in diesen Tagen. Über dem siebten WM-Lauf der Saison am Wochenende liegt dennoch Abschiedsstimmung, gleich doppelt sogar.

„Es wird ein besonderes Wochenende werden, wahrscheinlich mein letztes Rennen in Barcelona in der Formel 1“, sagte der Rennfahrer, der im nächsten Monat 45 Jahre alt wird. Auch für die Gastgeber auf der Lieblingsteststrecke der Königsklasse beginnt eine Pause, künftig wird Katalonien nur alle zwei Jahre im Kalender auftauchen, im Wechsel mit dem belgischen Spa-Francorchamps. Das Prädikat des Großen Preises von Spanien ist schon abgewandert nach Madrid, wo im September der Madring debütiert. So wird in Montmeló nun erstmals um den Großen Preis von Barcelona-Catalunya gefahren.

Und auch die Erinnerungen an Alonsos Triumphe auf spanischem Boden, wo er sich bis auf zwei Ausnahmen immer besonders schwergetan hat, verblassen. 2006 legte er mit Renault den Grundstein zu seinem ersten Titelgewinn, 2013 gelang ihm mit Ferrari einer der großen glücklichen Momente – und sein bislang letzter Sieg in einem Formel-1-Rennen.

Sein bislang letzter Sieg in der Formel 1: Fernando Alonso feiert 2013 in Barcelona.
Sein bislang letzter Sieg in der Formel 1: Fernando Alonso feiert 2013 in Barcelona. Valdrin Xhemaj/dpa

In dieser Saison wartet er sogar noch auf seinen ersten Punktgewinn. Angesichts der chaotischen Umstände, vielen Ausfälle und Zeitstrafen war Alonso am vergangenen Wochenende in Monte-Carlo zwar auf den zehnten Rang gerückt. Doch nach einem erfolgreichen Alpine-Protest wurde ihm der Punkt wieder genommen. Kein Ding für den Fahrer: „Den Punkt haben wir eh nicht verdient.“ Bei insgesamt 2393 Zählern in seiner Karriere kann ihm das natürlich egal sein, dennoch klingt es ungewohnt lakonisch für einen Rennfahrer, der bisweilen vom Ehrgeiz zerfressen zu sein schien.

Alonso scheint von dem hohen Anteil elektrischer Leistung fast noch genervter zu sein als andere Kritiker

Alonsos Fatalismus ist schlichtweg eine realistische Einschätzung der Kräfteverhältnisse, denn sein Aston Martin, obwohl vom Ausnahmekonstrukteur Adrian Newey erschaffen, ist das zweitschlechteste Auto im Feld, der Honda-Motor im Heck der allerschlechteste. Damit sehen die Aussichten für den Sonnen-Grand-Prix entsprechend trübe aus: „Ich werde nicht konkurrenzfähig sein und es nicht weit bringen. Wir können nur nach vorn kommen, wenn andere ausfallen.“ Wenn die britisch-japanische Technik mal nicht zicken sollte, setzen die Vibrationen am grünen Auto den Fahrern so sehr zu, dass sie die Hände nicht mehr am Lenkrad halten können.

Bis zum Herbst, so hofft Newey, kann er einen runderneuerten Rennwagen an den Start bringen. „Langsam erholen wir uns von diesem harten Saisonanfang, und wir haben berechtigte Hoffnungen für die zweite Hälfte des Jahres. Bis dahin allerdings wird es jedes Wochenende die gleiche Geschichte sein“, sagte Alonso.

Auch wenn die Aussichten vage sind, ist es vielleicht ohnehin zu spät für ihn. Fernando Alonso muss im Sommer entscheiden, ob und wie es mit seiner Karriere weitergeht. Noch möchte er sich nicht endgültig festlegen: „Ich denke jedes Jahr, wenn ich irgendwo an den Start gehe, dass ich das letzte Mal hier gewesen sein könnte.“ Trotz dreier Pausenjahre in seiner Formel-1-Karriere ist er mit 431 Renneinsätzen einsamer Rekordhalter, doch das aktuelle Reglement mit dem hohen Anteil an elektrischer Leistung scheint ihn fast noch mehr zu nerven als die anderen Kritiker wie Max Verstappen, Charles Leclerc und Lando Norris – weil Alonso noch länger mit den alten Verbrennermotoren unterwegs war, die goldenen Zeiten erlebt hat. Adiós, Alonsomania.

Etwas mehr Glück bei der Wahl des Arbeitgebers – und Alonso hätte in seiner Karriere noch erfolgreicher sein können

Mit seiner Karriere sei grundsätzlich er im Reinen, sagte der Mann aus Asturien, er könne sich auch noch eine Zukunft im Rallye-Auto vorstellen. Derzeit störe ihn aber insbesondere eines: „Für mich ist es am schwersten, keine Rennen zu gewinnen und nicht konkurrenzfähig zu sein.“ Vermutlich hätte Alonso mehr als die Weltmeistertitel 2005 und 2006 auf seinem Konto, wenn er bei seiner Wahl des Arbeitsplatzes glücklicher gewesen wäre.

Zweimal wechselte er zu McLaren, zweimal erlebte er Flops. Ein Sabbatical, mit einem Triumph bei den 24 Stunden von Le Mans, dem Gesamtsieg in der Langstreckenweltmeisterschaft und starken Auftritten in Indianapolis, weckte wieder die Lust an der Formel 1. Der kanadische Milliardär Lawrence Stroll wollte ihn unbedingt als Fahrlehrer für seinen Sohn und das zusammengewürfelte Team. Seither steht es um Alonsos Kontostand noch besser, der Punktestand allerdings rutschte gehörig in den Keller.

Allein die Erfahrung wirkt wie ein Schutzanzug vor der sportlichen Depression, wenn man Alonsos Selbstanalyse folgen möchte: „Meine Motivation ist immer noch da, weil ich in mich selbst vertraue und weiß, was ich leisten kann. Wenn ich das gleiche Material habe wie irgendein anderer Fahrer auf der Welt, dann fühle ich mich imstande, es mit jedem aufnehmen zu können, egal ob in der Formel 1 oder in anderen Serien. An diesem Gefühl hat sich auch jetzt nichts geändert.“

Für seine mögliche Abschiedsvorstellung in Barcelona kann der Mann, der im März Vater eines Sohnes geworden ist, aber vor allem Wohlfühlpläne hegen: „Ich möchte es genießen. Die Atmosphäre hier war jedes Mal magisch. Ich hoffe, diesmal wird es genauso.“

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