Formel 1Die Zweifel haben die Seiten gewechselt

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Lando Norris gewinnt das Rennen in São Paulo und befindet sich nun auf dem Weg, seinen ersten Formel-1-Weltmeister-Titel zu gewinnen.
Lando Norris gewinnt das Rennen in São Paulo und befindet sich nun auf dem Weg, seinen ersten Formel-1-Weltmeister-Titel zu gewinnen. (Foto: Mark Thompson/Getty Images)
  • Lando Norris gewinnt den Großen Preis von Brasilien und führt die Fahrerwertung mit 49 Punkten Vorsprung vor dem drittplatzierten Max Verstappen an.
  • Verstappen zeigt trotz Starts aus der Boxengasse eine beeindruckende Aufholjagd auf Platz drei und wird vom Publikum gefeiert.
  • Norris hat seine mentale Stärke verbessert, während Teamkollege Oscar Piastri in den letzten sieben Rennen 58 Punkte verloren hat.
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Lando Norris ist der große Sieger in Brasilien. Der oft unsichere Brite behält im Duell mit dem erneut furiosen Max Verstappen die Nerven. Rivale Oscar Piastri scheint diese dagegen gerade zu verlieren.

Von Elmar Brümmer

Max Verstappen tut im zugespitzten Schlussspurt der Formel 1, was er tun kann. Er hat dem Sieger des Großen Preises von Brasilien die Schau gestohlen. Faktisch liegt zwar Lando Norris nach seinem Sieg in São Paulo mit 24 Punkten vor seinem Teamkollegen Oscar Piastri und 49 Zählern vor Verstappen. Doch der emotionale Eindruck ist ein ganz anderer. Die Zuschauer buhten den Titelfavoriten aus und bejubelten den drittplatzierten Niederländer.

Tatsächlich blieb Norris über das ganze Rennwochenende hinweg ohne Fehl und Tadel. Aber das Publikum, insbesondere das brasilianische, liebt die großen Geschichten. Und nichts anderes war der Parforceritt Verstappens aus der Boxengasse hin zum Podiumsplatz. Mit etwas mehr Rennglück hätte der Niederländer sogar siegen können.

Ganz so eindeutig, wie die Fahrerwertung suggeriert, sind die Verhältnisse in der Königsklasse bei noch drei ausstehenden Rennen in Las Vegas, Katar und Abu Dhabi weiterhin nicht. Die Autos sind technisch nahezu gleichauf, die geringen Abstände lassen die Tagesform entscheiden. Mehr denn je geht es jetzt darum, wer die Nerven behält. In dieser besonderen WM scheint Norris diesmal aber besser gerüstet zu sein gegen Verstappen, im Vorjahr hatte er mental noch keine Chance auf der Zielgeraden. Da bahnt sich der große Rollentausch an.

In dieser Woche berät die Formel-1-Kommission über Regeländerungen, der Fahrer soll wieder mehr Bedeutung bekommen. Der Große Preis von Brasilien aber war der denkbar schlechteste Präzedenzfall für künstliche Spannung. Jede Runde auf der Berg- und Talbahn von Interlagos kann zur Wundertüte werden, fahrerisches Geschick und die richtige Dosierung von Gelassenheit und Aggressivität werden im Extrembereich auf die Probe gestellt.

In dieser schwierigen Gemengelage hat Norris sich mit einem perfekten Wochenende bewährt, um nicht zu sagen: befreit. Plötzlich erscheint der, der so gern öffentlich über seine Selbstzweifel gesprochen hat, als der Stärkste im Kopf. Kollege Oscar Piastri, dem schon der Ehrentitel Iceman verliehen worden war, patzt hingegen ungewohnt oft. Er hat in den vergangenen sieben Rennen 58 Punkte gegenüber Norris verloren. Jeder der drei Titelaspiranten hatte eine schwierige Phase über das Rennjahr hinweg. Verstappen bis zum Sommer, Norris im Sommer, Piastri nach dem Sommer – wer das bessere Timing für seine Unpässlichkeiten gewählt hat, erscheint klar. Die Zweifel bei McLaren haben die Seiten gewechselt.

Der bittere Crash Piastris im Sprintrennen von Interlagos taugt vorzüglich, um die mind games im internen Kampf bei McLaren zu illustrieren. Denn ironischerweise hatte Norris zum Ausrutscher des Kollegen beigetragen, indem er über die Randsteine in Kurve drei geräubert war und damit dort stehendes Wasser auf die Piste befördert hatte. Das wurde dann dem Verfolger zum Verhängnis. Mercedes-Pilot George Russell kommentierte süffisant: „Das war ein bisschen wie im Videospiel Mario Kart, wenn jemand eine Bananenschale hinter sich wirft. Lando ist wirklich der cleverste Mann im Feld!“ Im Rennen am Sonntag verpasste Piastri den schmalen Grat zwischen kalkuliertem Risiko und zu großer Aggressivität: Er kegelte Ferrari-Pilot Charles Leclerc von der Strecke, kassierte eine Zeitstrafe und belegte auch deswegen am Ende nur Platz fünf.

Meine Mentalität hat sich verbessert, meine Herangehensweise hat sich verbessert, meine Vorbereitung hat sich verbessert.
Lando Norris

Mag das Rennen in Interlagos auch das beste Beispiel dafür gewesen sein, dass ein Max Verstappen jede auch nur erdenkliche Möglichkeit für sich nutzt, so ist der siebte Saisonsieg von Norris ebenfalls ein Manifest in eigener Sache. „Meine Mentalität hat sich verbessert, meine Herangehensweise hat sich verbessert, meine Vorbereitung hat sich verbessert“, schreibt sich der Brite selbst ins Führungszeugnis, „vor allem aber habe ich immer konstant punkten können. Das ist eigentlich das, was mir in den letzten Wochen den größten Schub gegeben hat.“ Er habe lange Zeit vermutlich etwas zu viel Wert darauf gelegt, was andere von ihm dachten oder über ihn sagten. Davon habe er sich durch ein eigenes Drei-Punkte-Programm verabschiedet, mit dem er sich fürs Titelrennen stählt: „Mir selbst treu bleiben! Auf mich selbst vertrauen! An mich selbst glauben!“

Umgerechnet zwei Rennsiege Rückstand hat Max Verstappen auf die WM-Spitze, die Chancen schwinden trotz seiner grandiosen Aufholjagd. Der Niederländer ist ein Realo, kein Illusionist. Aber auch er betreibt Seelenpflege in eigener Sache: „Selbst wenn ich den Titel nicht gewinnen sollte, weiß ich doch, dass ich eine ziemlich gute Saison fahre. Das zeigt sich doch allein schon dadurch, dass ich immer noch im Gespräch bin.“

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Von Elmar Brümmer

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