Süddeutsche Zeitung

Formel 1: Affäre bei Renault:Parfüm der Schmuddelkinder

Manager Flavio Briatore muss gehen: Die Renault-Teamführung hat Piquet junior offenbar zu einem Unfall angestiftet - und der Formel 1 einen neuen Skandal beschert.

Was hat es in der Formel 1 nicht schon alles für Betrugsfälle gegeben: Geheime Zusatztanks, versteckte Fahrhilfen, flexible Flügel, Industrie-Spionage. Als größter Verstoß gegen das Fairplay galt bislang Michael Schumachers Versuch, im letzten Grand Prix 1997 in Jerez seinen Titelrivalen Jacques Villeneuve aus dem Rennen zu rammen. Die Nummer ging schief. Der Kanadier fuhr zum Titel, Schumacher wurden alle Punkte gestrichen. Die Aktion war bitterböse, aber sie war zumindest aus dem Augenblick heraus erklärbar: Der ehrgeizige Deutsche wollte einfach nicht wahrhaben, dass einer schneller sein könnte. Wie ein jähzorniger Fußballer ließ er sich zu einem ungestümen Foul hinreißen.

Der Blick zurück hilft, die Dimension zu überblicken, welche der aktuelle Formel-1-Skandal um Nelson Piquet junior hat. Der Sohn des dreimaligen Weltmeisters Nelson Piquet hatte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr in Singapur seinen Renault in eine Mauer gelenkt, um seinem Teamkollegen Fernando Alonso zu einer guten Platzierung zu verhelfen. Das Foul war geplant, es wurde kühl kalkuliert an einer besonders abgelegen Stelle der Strecke ausgeführt und brachte nicht nur den Protagonisten in Gefahr, sondern auch seine nachfolgenden Kollegen und die Streckenposten. Ein gröberer Verstoß gegen die Grundsätze eines fairen sportlichen Wettbewerbs und so gut wie jeder Richtlinie der motorsportlichen Straßenverkehrsordnung lässt sich kaum vorstellen.

Ausgeführt haben soll Piquet das Foul auf Wunsch der Renault-Teamführung, wobei die ihn - wenn die durchgesickerten schriftlichen Aussagen stimmen - dazu gar nicht dezidiert auffordern musste. Teamchef Flavio Briatore und Technikchef Pat Symonds sollen wie Mafia-Paten lediglich in Andeutungen gesprochen haben: "Könntest du dir vorstellen, dein Rennen zu opfern?" Das reichte offenbar bereits.

Die Enthüllungen sind ein weiterer Beleg dafür, wie skrupellos es in dem Geschäft bisweilen zugeht. Gut werden sie der Formel 1 nicht tun. In den Abgrund werden sie die Serie aber auch nicht reißen. Das hat bislang noch kein Skandal vermocht. Das Fluidum der Schmuddelkinder - in der Formel 1 wirkt es offenbar wie Parfüm.

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SZ vom 17.09.2009/dop
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