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Matt LaFleur in der NFL:"Gut gemacht, Kleiner"

NFL: Green Bay Packers at Detroit Lions

Die Zusammenarbeit mit seinem Quarterback Aaron Rodgers (rechts) gelingt Matt LaFleur in seiner ersten Saison bei den Green Bay Packers unerwartet gut.

(Foto: Tim Fuller/USA TODAY Sports)
  • Matt LaFleur steht mit den Green Bay Packers im NFL-Halbfinale.
  • Das Experiment der Packers, mit ihm einen relativ jungen Trainer zu verpflichten, scheint aufzugehen.
  • Am Sonntag trifft LaFleur auf die San Francisco 49ers und dort auf alte Bekannte.

"Great call, kid!" Es reicht, diese drei Worte zu kennen, um zu verstehen, warum es in dieser Saison läuft bei den Green Bay Packers. Vielleicht sollte man noch wissen, wer sie zu wem gesagt hat, wann und warum - also dann: Es war Halbzeit im Viertelfinale zwischen den Packers und den Seattle Seahawks, Passempfänger Davante Adams war trotz 21:3-Führung nicht zufrieden. Er wollte seine Laufroute bei einem bestimmten Spielzug ändern - was beim American Football, zumal während einer Partie, als Ungeheuerlichkeit gilt.

Im dritten Viertel, die Seahawks hatten auf 10:21 verkürzt, rief Trainer Matt LaFleur diesen Spielzug auf, und er wollte, dass Adams so lief, wie dieser das in der Pause vorgeschlagen hatte. Adams lief, Quarterback Aaron Rodgers warf - Touchdown aus 40 Yards Entfernung, der 18-Punkte-Vorsprung war wieder hergestellt. Rodgers lief hinaus zur Seitenlinie und sagte diese drei Worte, die man mit "Gut gemacht, Kleiner" übersetzen kann. Ja, schon richtig gelesen: Der Trainer hatte auf einen Spieler gehört, und dann bekam er von einem anderen Akteur mitgeteilt, dass er, das Kind, es ganz ordentlich hinbekommen habe.

Ein junger Trainer und Quarterback Rodgers: Klappt das?

Die Packers hatten ein Experiment gewagt nach einer enttäuschenden Saison. Sie entließen Mike McCarthy nach 13 zumeist erfolgreichen Jahren, und weil junge Trainer - Sean McVay, 33, hatte die Los Angeles Rams gerade in den Super Bowl geführt - momentan in der NFL schwer in Mode sind, engagierten sie den 39 Jahre alten LaFleur, der zuvor nicht mal an der High School als Cheftrainer gearbeitet hatte, geschweige denn am College oder bei den Profis.

Rodgers hatte als Stammspieler ausschließlich unter McCarthy agiert und 2011 den Super Bowl mit ihm gewonnen, er genoss in Green Bay Legendenstatus und unter McCarthy Narrenfreiheit. Er gilt als einer der besten Quarterbacks der Geschichte, aber auch als extrem intelligent und deshalb als extrem starrköpfig - McCarthy hatte sein Spielsystem so ausgelegt, dass Rodgers oft erst während des Spielzuges entschied, wohin er werfen wollte.

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Das war spektakulär, Rodgers sorgte mit seiner Jazz-Spielweise für unvergessliche Momente - aber eben doch nur für eine Super-Bowl-Teilnahme, im Profi-Football gewinnen am Ende meist die streng geführten Orchester. Rodgers übersah dann doch völlig freie Passempfänger, er wählte allzu häufig die riskantere Variante, weil er glaubte, angesichts oft nur durchschnittlicher Mitspieler alles selbst entscheiden und regeln zu müssen. Es war klar, dass sich etwas ändern musste in Green Bay - die Frage war nur: Würde Rodgers das akzeptieren?

Er hatte keine Lust auf diesen Trainertausch, das teilte er jedem mit, der sich nicht rechtzeitig ins Ausland absetzte. Warum sollte er sich im Alter von 36 Jahren auf einen Jungspund einlassen - noch dazu auf einen, der als Verantwortlicher für die Offensive bei den LA Rams und den Tennessee Titans jeweils Spielsysteme eingeführt hatte, bei denen Spielzüge orchestriert waren und Spielmacher nicht als Dirigenten, sondern als Teil des Ganzen agierten. "Ich habe in den vergangenen elf Jahren die gegnerische Aufstellung gelesen - ich will nicht angeben, aber: Es gibt nicht viele, die das so können wie ich", sagte Rodgers: "Ich bin mir nicht sicher, ob man das abschaffen sollte."

Nun, die Wahl erwies sich als goldrichtig, weil sich LaFleur als "Players' Coach" sieht - was keineswegs bedeutet, dass jeder Akteur machen darf, was er will. Adams, der beim Spiel gegen die Seahawks diesen Wechsel der Laufroute vorgeschlagen hatte, beschreibt es so: "Er achtet penibel darauf, dass jeder so sein darf, wie er ist. Wenn jemand eher ruhig ist, darf er ruhig sein. Wer einen Mentor braucht, bekommt einen erfahrenen Spieler an die Seite gestellt. Wer anführen will, darf anführen - und wer eine Idee hat, der darf sie äußern."

Im Halbfinale trifft LaFleur auf seinen Bruder und seinen besten Freund

LaFleur ließ Rodgers teilhaben an seiner Strategie, er ließ ihn Vorschläge machen; vor allem überzeugte er ihn davon, dass er sich nicht dauernd auf Intuition und Kreativität verlassen muss, sondern nur in jenen Momenten, in denen es nötig ist. Die Packers wählen nun häufiger Laufspielzüge über den in dieser Saison grandiosen Aaron Jones, deshalb können sie Läufe antäuschen, aber stattdessen passen. LaFleur gilt als Meister des sogenannten "Sequencing" - also der Kunst, Spielzüge zu Beginn einer Partie so zu wählen, dass der Gegner später bei gleicher Aufstellung auf einen Bluff hereinfällt. Rodgers' Pass auf Adams war genau das: Die Seahawks rechneten nicht mit einem Pass, und sie rechneten nicht mit der Route von Adams.

Es läuft bei den Packers, in der Nacht zum Montag treten sie im Halbfinale bei den San Francisco 49ers an (live auf ProSieben; zuvor Kansas City gegen Tennessee). Es gibt nur ein paar ernsthafte Probleme: LaFleurs kleiner Bruder Mike verantwortet das Passspiel des Gegners. Kyle Shanahan, 40, bester Freund und einst sein Vorgesetzter auf den Stationen in Washington und Atlanta, ist der Cheftrainer. Beide kennen Strategie und Bluffs von Matt LaFleur, und sie werden unbedingt verhindern wollen, dass am Sonntag irgendjemand zu ihm sagt: "Great call, kid!"

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