"Football Leaks" Neue Zweifel am Whistleblower

Wer ist Rui Pinto, der Mann hinter "Football Leaks", wirklich?

(Foto: Hendrik Schmidt/dpa)
  • Details zu früheren Bank-Transaktionen belasten die Glaubwürdigkeit von Rui Pinto, dem mutmaßlichen Kopf der Enthüllungsplattform "Football Leaks".
  • Es geht um 17.000 Euro, die Pinto bei einer Bank auf den Cayman Islands abgeschöpft haben soll.
  • Pinto sagt, er habe das Geld "nicht geraubt" - zwei portugiesische Zeitungen behaupten das Gegenteil.
Von Javier Cáceres

Der mutmaßliche Kopf von "Football Leaks", der Portugiese Rui Pinto, soll entgegen eigener Darstellung rund 17 000 Euro behalten haben, die er vor Jahren von Konten einer Bank auf den Cayman Islands abgeschöpft hatte. Nach übereinstimmenden Berichten des Nachrichtenmagazins Sábado und der Zeitung Público verzichtete das betroffene Institut, die "Caledonian Bank", im Wege einer außergerichtlichen Einigung auf eine Summe von 17 314 Euro, die 2013 nach einem Hackerangriff auf dem Konto Rui Pintos bei der Deutschen Bank in Lissabon gelandet waren. Insgesamt waren 300 000 US-Dollar (264 000 Euro) auf das Pinto-Konto transferiert worden. In der Fassung eines Spiegel-Interviews, das vom portugiesischen Magazin Expresso veröffentlicht wurde, hatte Pinto gesagt: "Am Ende habe ich kein Geld von dieser Bank erhalten. Ich habe das Geld nicht geraubt, das ist nicht die wahre Geschichte."

Pinto versicherte auch, dass er sich nichts zuschulden kommen gelassen hatte. "Eines ist sicher: Wenn ich mich strafbar gemacht hätte, hätte die Bank mich angezeigt", sagte Pinto. "Der Fall ist niemals vor Gericht gelandet, mein Vorstrafenregister ist bis zum heutigen Tag sauber, in Portugal und sonst wo auf der Welt", fügte er hinzu. Dem wiedersprechen nun Sábado und Público. Rui Pinto sei sehr wohl angezeigt und von Portugals Kripo auch als Beschuldigter geführt worden. Zwischenzeitlich wurde sein Konto eingefroren.

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Dann aber kam es, nach Vermittlung durch einen Anwalt namens Aníbal Pinto, zu einer Einigung: Die Bank ließ die Vorwürfe fallen, das Verfahren wurde eingestellt - und Pinto konnte 17 000 Euro behalten. Sábado schreibt unter Berufung auf eine der Caledonian Bank nahestehende Quelle, das Geldhaus habe seinerzeit "vorgezogen, einen Schaden von 17 000 Euro hinzunehmen statt öffentlich verbreitet zu sehen, dass die Konten (der Bank) gehackt worden waren" - aus Angst, das könne Kunden verschrecken.

Pinto erklärte, sich nicht als Hacker zu verstehen, sondern als "Whistleblower"

Auf dem Konto von Rui Pinto verblieb aber nur ein Bruchteil des Geldes. Nach Angaben von Sábado wurden von Rui Pintos Konto 16 358 Euro auf das Kundenkonto seines Anwalts Aníbal Pinto überwiesen - was ein stattliches Honorar wäre.

Pinto war vor gut drei Wochen in seiner ungarischen Wahlheimat festgenommen worden und steht in Budapest unter Hausarrest. Die portugiesischen Behörden hatten zuvor einen europäischen Haftbefehl gegen Pinto erwirkt, sie wollen seine Überstellung nach Portugal erreichen. Grundlage dafür bilden unter anderem Ermittlungen zu einem angeblichen Erpressungsversuch mit Dokumenten gegen eine Sportmarketing-Agentur namens Doyen aus dem Jahr 2015, den sein französischer Anwalt William Bourdon "eher als kindlichen Streich" klassifiziert hat. Unter einem Pseudonym hatte Pinto von Doyen eine "großzügige Spende" von fast einer Million Euro gefordert. Er habe testen wollen, wie weit Doyen gehen würde, behauptet nun Pinto. Er wies auch den Vorwurf des Erpressungsversuchs zurück. Auch im Falle von Doyen spielte Anwalt Aníbal Pinto eine Rolle. Gegenüber portugiesischen Medien bestätigte er, sich im Auftrag von Rui Pinto mit Vertretern von Doyen getroffen zu haben. Er sei aber abgesprungen, da er gefürchtet habe, sich womöglich strafbar zu machen.

Pinto erklärte überdies, sich nicht als Hacker zu verstehen, sondern als ein "Whistleblower". Er sei "Teil" der Plattform "Football Leaks", die zahllose, interne Dokumente aus der Fußballbranche veröffentlicht oder Medien zur Verfügung gestellt hat. Pinto trägt vor, er habe ins Kriminelle lappende Missstände, Korruptionsfälle und Steuervergehen in der Fußballbranche aufdecken wollen. Ähnlich sei seine Motivlage beim Angriff auf die Server der Caledonian Bank gewesen.

Pinto behauptete auch, ein Datensatz habe "ein ähnliches Potenzial wie die Panama Papers"

So behauptete Pinto im Spiegel, dass er die Caledonian Bank attackiert habe, weil seinerzeit Banken in Portugal pleitegegangen seien, Menschen ihre Existenz verloren hatten und gleichzeitig "immer mehr Gelder aus Europa" verschwanden. "Jeder hat gesehen, dass da etwas nicht stimmt. Ich wollte mir das genauer anschauen. Ich wollte das Offshore-System verstehen." Er habe "Lehrbeispiele" dafür gefunden, wie man riesige Geldsummen außer Landes schaffen und in Steuerparadiesen parken kann. Nachweisen konnte Pinto freilich, dass man Gelder aus Steuerparadiesen auch nach Europa verschaffen kann: Laut Anzeige der Caledonian Bank hatte Pinto am 18. September 2013 einen Betrag von 46 857,26 Dollar auf sein Konto bei der Deutschen Bank in Lissabon überwiesen, am 10. Oktober seien 310 000 Dollar gefolgt. Die Gelder stammten demnach von Kunden der Bank; der Inhaber des Kontos, der plötzlich 310 000 Dollar weniger hatte, sei die Firma NetJets Transportes Aéreos gewesen - diese habe sich an die Bank gewandt.

Ein Hintergrund dabei: Bei internen Ermittlungen war zunächst der Finanzverwalter der NetJets verdächtigt worden, weil er ebenfalls Pinto heißt: Luís Pinto. Dieser sagte Sábado, man habe den Fall bei der Staatsanwaltschaft angezeigt - und der Fall sei noch nicht abgeschlossen. Rui Pinto wiederum behauptete im Spiegel, dass er aus seinen elektronischen Surftouren durch die Caledonian Bank einen Datensatz behalten habe. Dieser habe "ein ähnliches Potenzial wie die Panama Papers, die vor knapp drei Jahren veröffentlicht wurden. Er zeigt, wie die Cayman Islands systematisch für Geldwäsche und Steuerhinterziehung benutzt wurden." Pinto beteuert, dass er sie nun, fast sechs Jahre danach, "gern mit Ermittlungsbehörden teilen" wolle: "Aus den Dokumenten geht klar hervor, wer die Strohmänner, die Banker, die Mitwisser und Helfer hinter den Steuerbetrügereien waren", sagt Rui Pinto.

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